Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Beständeübersicht der Abteilung „Städtisches Archiv bis 1868“

1.7. Finanzverwaltung

1.7.1. Rechneiamt

Die Zuständigkeiten des Rechneiamts bezogen sich auf die Führung von Hauptrechnungen zur Festhaltung der gesamten städtischen Einnahmen und Ausgaben, die Oberaufsicht über den städtischen Besitz, die Inventarführung über die stadteigenen Häuser und Grundstücke, Regelung des Schuldenwesens, Aufsicht über Maße, Gewichte, Fleisch- und Fischverkauf und die Aufnahme der Juden in die Stättigkeit. Im Verlauf des 18. und 19. Jh. wurden in Folge von Visitationsordnungen einige bis dahin zum Teil selbständige Ämter dem Rechneiamt angegliedert: Münzamt, Holzamt, Standamt, Bestätteramt, Marstallamt, Stadt- und Eisenwaage, Kranen, Kranenwaagen, Heu- und Güterwaage, Leinwandhaus, sämtliche Zölle, Tor- und Einlaßschreibereien, Wechselstempelbüros, Tuchschau, Ausrüster, Makler und Fruchtmesser.

Bestandsname: Rechneiamt: Akten des Rats vor 1650-1815
Laufzeit: 1650-1815
Bestandsumfang und -inhalt: 1.155 Nummern.
Findmittel: Rep. 6, 8-11, 17, 30: Ugb A 12, 16, 22; B 2, 46, 51-53, 79, 90, 100; D 100. Revidiert 1987.

Bestandsname: Reichneiamtsakten vor 1816
Laufzeit: ca. 1546-1844
Bestandsumfang und -inhalt: Der zeitliche Schwerpunkt der erhaltenen Überlieferung liegt zwischen 1760 und 1810 und gibt vielfältige Einblicke in das wirtschaftliche Leben der Stadt. Das ältere Material muss als verloren angesehen werden, auch wenn der Bestand bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Weil die Rechnei auch Schiedsstelle für Streitigkeiten war, gibt der Bestand einen guten Einblick auch in Streitigkeiten zwischen einzelnen Berufsgruppen wegen Kompetenzüberschreitungen anderer Berufsgruppen.
Thematische Schwerpunkte des Bestandes sind Zollverwaltung, Lotterie und Lotto, Liegenschaftsangelegenheiten einschließlich der nichtmilitärischen Nutzung der Befestigungsanlagen und ihrer Schleifung, das Münzwesen und hier besonders die die Bekämpfung von Verstößen gegen die Münzgesetze während des Siebenjährigen Krieges und die Kontrolle der Ein- und Ausfuhr von Geld an den Stadttoren, Handel und Verkehr zu Wasser und zu Land sowie Handwerk und Gewerbe.
Findmittel: Rep. 918.

Bestandsname: Rechneiamtsakten nach 1816
Laufzeit: 1816-1887
Bestandsumfang und -inhalt: 4.640 Nummern, 45,5 Rm.
Findmittel: Rep. 85 u. Rep. 631, 799, (802). Revidiert 1981.

Bestandsname: Rechneiamt: Bücher
Laufzeit: 1341-1889
Bestandsumfang und -inhalt: Besonders wertvoll sind geschlossene Serien, die die städtische Finanzpolitik und Rechnungsführung über längere Zeiträume dokumentieren: die Protokolle von 1564 bis 1879, die Dekrete des Rates an die Rechnei von 1650 bis zum Rechnungsjahr 1880/81, die Haushalte von 1821 bis 1881, die Bilanzen von 1733-1831, die Diurnale oder Rechenmeisterregister als Vorstufen zu den Rechenbüchern von 1430 bis 1488 (mit Unterbrechungen) und von 1544 bis 1699.
Wichtig ist auch die Überlieferung zu Kapitalien, Grundrenten, Gülten, Leibgedingen und Zinsen. Während Grundrenten und Zinsen auf persönlichen oder dinglichen Abhängigkeitsverhältnissen beruhen, waren die Grundlagen der Gülten rein privatrechtliche und vermögensrechtliche Grundlasten.
Gut dokumentiert ist auch der städtische Weinkeller und die Erhebung von Abgaben wie das Ungeld als einer Akzise auf Wein von Wirten und Baumwirten (Straußwirten) mit begrenzter Schankerlaubnis . Ein wissenschaftlich wertvolles Anhängsel sind die Aufzeichnungen von Friedrich Joseph Cleynmann (1764-1827), der als Bankier, Schriftsteller und Politiker, auch Senator und 1816 Jüngerer Bürgermeister einen Schwerpunkt auf Wirtschaft und Geldwesen hatte und zum Geldwesen seiner Zeit und dessen historischer Entwicklung interessantes und mit Originaldokumenten vermischtes Material hinterlassen hat.
Findmittel: Rep. 911. Rechenbuch 1428 auf Microfiche.
Bemerkungen: Teilnachlass C. F. Cleynmann s. Münzwesen und S1/255 .  

1.7.2. Depositen

Bestandsname: Deposita: Akten des Rats und Akten ohne Bezeichnung
Laufzeit: 1410-1727 und ca. 1400-1699
Institutionsgeschichte: Über die Verwahrung und Verwaltung der Depositen (Einlagen) an Geld, Dokumenten und Wertsachen (u.a. Wechselbriefe, Schuldverschreibungen, Familienpapiere, Verträge, Wertpapiere) wurde von etwa 1400 bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit eine eigene Registratur geführt. Die in den Akten erscheinenden Deponenten sind meist Auswärtige, Kaiser, Reichsstände, Edelleute, Städte und Bürger.
Bestandsumfang und -inhalt: Insgesamt 326 Nummern Urkunden und Akten, 4 Rm. Bei den „Akten ohne Bezeichnung“ ist nur noch ein Bestandsrest vorhanden.
Findmittel: Rep. 12: Ugb C 1-3. 

1.7.3. Münzwesen

Bestandsname: Münzwesen: Ratsakten
Laufzeit: 1350-1499
Institutionsgeschichte: Ein besonderes Münzamt wurde 1762 errichtet und gehörte bis 1866 zum Rechneiamt. Über die Münzakten wurde bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit eine besondere Registratur im Ratsarchiv geführt
Bestandsumfang und -inhalt: 736 Nummern, 0,75 Rm. Bestandsrest; die Akten ab 1500 sind bis auf ein Stück verbrannt.
Findmittel: Verzeichnung der Jahre 1350-1499 in Rep. 127 (Inventare 4), S. V und 1-71.
Bemerkung: Joseph, Paul/Fellner, Eduard: Die Münzen von Frankfurt am Main, Frankfurt 1896-1903

Bestandsname: Sammlung von Münzverordnungen „Diplomatarium monetarium Francofurtense“ (aus dem Nachlass Friedrich Joseph CLEYMANN)
Laufzeit: 1252-1815
Personengeschichte: *13.3.1764, +16.10.1827. Kommerzienrat, Bankier, Kommunalpolitiker, Schriftsteller. Mitinhaber des Bankhauses de Neufville-Mertens & Bernhard. 1807-1813 Handelsassessor beim Stadtgericht, 1809 Senator, 1811 Maire der Stadt, 1816 Jüngerer Bürgermeister, 1818 Schöffe. Sachverständiger in Münz- und Handelssachen und erster Forscher auf dem Gebiet der Frankfurter Münzgeschichte.
Bestandsumfang und -inhalt: 3 Bände, 0,5 Rm. Zusammenstellung aller bis einschließlich das Jahr 1815 erlassenen Münzverordnung.
Bemerkung: Teilnachlass F. J. Cleymann s. auch 3.6. Nachlässe und 1.7.1. Rechneiamt: Verschiedene Amtsbücher. 

1.7.4. Ausruf bei Vergantungen (Versteigerungen)

Bestandsname: Vergantungen: Bücher
Laufzeit: 1731-1879
Bestandsumfang und -inhalt: 840 Bände, 22 Rm. Zwei Serien: eine chronologische Hauptserie und eine seperate Serie für größere Auktionen, denen jeweils ein eigener Protokollband gewidmet ist. Journale und Extraktenbücher, Vergantungsprotokolle, Bücher- und Kunstauktionsprotokolle, Zins-, Scontro- und Cassabücher, Ein- und Ausgabebücher, Inventarien des Vergantungslokales.
Findmittel: Rep. 757.  

1.7.5. Rentenamt

Das Rentenamt erhob die indirekten Abgaben. Es bestand selbständig bis zum Jahr 1832 und ging dann im Rechneiamt auf. Ein alphabetisches Sachregister über alle Zweige des Rentenwesens aus allen Beständen des Ratsarchiv bis 1786 in Rep. 88, 89

Bestandsname: Rentenamt: Akten des Rats
Laufzeit: ca. 1400-1813
Bestandsumfang und -inhalt: 793 Nummern, 4 Rm.
Findmittel: Rep. 10 (Ugb B 73, 64, 65), Rep. 9 (Ugb B36), Rep. 8 (Ugb B 15), Rep. 11 (Ugb B 93), Rep. 15 (Ugb D 69), Rep. 17 (Ugb D 101). Ein alphabetisches Register über die Untergewölb-Laden betr. Rentenamt in Rep. 29. Vgl. Rep. 88, 89, 740. Revidiert 1998.

Bestandsname: Rentenamt: Ungeld und andere Gefälle o.B.
Laufzeit: 1331-1742
Findmittel: Unverzeichnet.

Bestandsname: Akten des Rentenamts 1581-1794
Laufzeit: 1581-1794
Bemerkung: Vgl. Jung S. 85.

Bestandsname: Rentenamt: Protokolle und andere Bücher
Laufzeit: Protokolle 1773-1810, andere Bücher 1610-1832

Bestandsname: Akten des Rentenamts 1816-1832
Laufzeit: 1816-1832
Bestandsumfang und -inhalt: 980 Nummern, 3,33 Rm.
Findmittel: Rep. 91. Revidiert 1989. 

1.7.6. Schatzungsamt

Bestandsname: Schatzungsamt: Akten des Rates und Bücher des Amts
Laufzeit: Akten: 14. Jh. - 1826 und Bücher: 1354, 1475-1477, 1484, 1497, 18. - 19. Jh.
Institutionsgeschichte: Dieses Amt zur Erhebung der direkten (Vermögens-) Steuer bestand bis 1817 und wurde dann durch die Einkommenssteuer- und Schuldentilgungskommission ersetzt. Zur Prüfung der Vermögens- und Personalverhältnisse derer, welche sich um das Bürgerrecht oder den Beisassenschutz bewarben bestand bis 1726 das Inquisitionsamt. Es wurde in diesem Jahr durch die verbesserte Visitationsordnung dem Schatzungsamt einverleibt. 1797 wurde eine besondere Rechnungskommission zur Regulierung der Kriegsschulden und Erhebung von Beiträgen zu diesem Zwecke niedergesetzt; sie blieb bis zum Jahr 1817 bestehen. Auch deren Geschäfte übernahm die neue Einkommenssteuer- und Schuldentilgungskommission. Die Besteuerung der Landgemeinden gehörte bis 1817 zu den Geschäften des Landesamtes und ging dann auf die neue Kommission über.
Bestandsumfang und -inhalt: Akten des Rats: 1.312 Akten und 5 Urkunden, 8,5 Rm. Bücher des Amts: 110 Bände, 5,5 Rm. Bestandsrest. Dabei: Reste einiger Bedebücher: 5 Bände.
Findmittel: Rep. 6, 9-11, 31: Ugb A 14, 26; B 45, 57, 58, 59, 78, 88, 92, 94, 101. Revidiert 1988. unverzeichnet; Bedebücher verfilmt.
Bemerkungen: Die Signatur Ugb. B 78 Nr. 43 (Goethe-Akte) wurde an die Autographensammlung der Stadtbibliothek abgegeben.
Jung S. 86-88. Lit. Bothe, Friedrich: Die Entwicklung der direkten Besteuerung in der Reichsstadt Frankfurt bis zur Revolution 1612-1614, Frankfurt 1906 

1.7.7. Inquisitionsamt

Bestandsname: Inquisitionsamt
Laufzeit: ca. 1600-1727
Institutionsgeschichte: Dieses Amt hatte die Vermögens- und Personalverhältnisse derer zu überprüfen, die sich um Bürgerrecht oder Beisassenschutz bewarben. 1726 wurde es dem Schatzungsamt einverleibt.
Bestandsumfang und -inhalt: 51 Nummern, 0,33 Rm. Der Bestand beinhaltet u.a. Inquisitionsprotokolle, Edikte, Ratsbeschlüsse, Rechnungen, Beisassen, Supplikationen, Angelegenheiten betr. Marstall.
Findmittel: Rep. 10: Ugb B 76, Rep. 657 Revidiert 1989. 

1.7.8. Rechnungskommission

Bestandsname: Rechnungskommission: Akten des Rats und Bücher der Kommission
Laufzeit: Akten: 1797-1813 und Bücher: 1795-1818
Institutionsgeschichte: 1797 wurde eine besondere Rechnungskommission zur Regulierung der Kriegsschulden und Erhebung von Beiträgen zu diesem Zweck eingesetzt; sie blieb bis 1817 bestehen. Danach übernahm die Einkommenssteuer- und Schuldentilgungskommission ihre Geschäfte.
Bestandsumfang und -inhalt: Akten: 223 Nummern, 2,25 Rm. Der Bestand enthält u.a. Akten über geleistete Kontributionsbeiträge, Strafen wegen zu geringen Zahlungen, Stadtobligationen, Entrichtung von Kriegssteuern, Schatzungserhebungen. Bücher: 41 Bände, 1 Rm. Protokolle mit Anlagenbänden, Verhandlungen zwischen Rechnungskommission und Finanzdeputation, Rechnungsablagen mit Anlagen, Kassenbücher.
Findmittel: Akten: Rep. 18: Ugb E 29-31, Rep. 655 . 

Bestandsname: Rechnungskommission: Bücher
Laufzeit:1795-1818
Institutionsgeschichte: Die Schulden aus dem Reichskrieg mit Frankreich und durch die von den Franzosen erhobene Kontribution hatte die Einsetzung einer besonderen Rechnungskommission zur Erhebung der Kontribution und auch zur Ausgabe von Stadtobligationen zur Folge. Diese Kommission bestand bis 1817 und ging dann gemeinsam mit dem Schatzungsamt in der Einkommensteuer- und Schuldentilgungskommission auf.
Bestandsumfang und - inhalt: Die schriftliche Überlieferung dieser Kommission besteht aus Büchern und aus im Ugb-Repertorium verzeichneten Akten E 29 bis E 31 (Rep. 18).
Findmittel: Rep. 924.

1.7.9. Stadtlotterie

Bestandsname: Stadtlotterie
Laufzeit: 1765 - 1873
Institutionsgeschichte: Zur Finanzierung von sozialen Ausgaben erhielt der seit 1735 Kastenamt genannte Allgemeine Almosenkasten im Jahr 1727 die Genehmigung für eine erste Lotterie, deren erste Ziehung am 1. November 1728 stattfand. Im lotteriefreudigen 18. Jahrhundert betrieb die Stadt von 1750 bis 1787 ein Kapitallotterieamt zur Abtragung städtischer Schulden. Überdies hatten die Frankfurter die Möglichkeit zur Teilnahme an auswärtigen Lotterien und am Zahlenlotto. 1791 wurde die „Frankfurter privilegierte Stiftungslotterie“ begründet und ihre Überschüsse für das Kastenamt und das Armenhaus verwendet. Unter der finanziellen Belastung der Reichskriege wurde die Lotterie 1803 als „Stadtlotterie“ von der Stadt übernommen und ihr Gewinn zunächst zur Tilgung der Kontributionsschulden gegenüber Frankreich verwendet. Die Stadtlotterie wie schon die Stiftungslotterie unterstand einer gemischten Deputation und wurde unmittelbar von einer Lotteriedirektion (von 1811 bis 1813 Großherzogliche Lotteriekommission) verwaltet, deren erster Generaldirektor Isaak Raphael Sinzheim war. Diese Struktur blieb auch nach 1813 für das Stadtlotterieamt am Holzgraben bestehen. Nach der Annexion Frankfurts durch Preußen durfte die Stadt nach dem Rezess von 1869 ihre Stadtlotterie als Abteilung des Rechneiamts vorübergehend weiter betreiben.
Bestandsumfang und -inhalt: Von den bei Jung aufgeführten Protokollen und Akten sind heute nur noch die Protokolle mit Anlagen und die Briefkopierbücher erhalten. Weiteres befindet sich im Ratsarchiv Ugb B 79 Nr. 59 und im Bestand Rechnei vor 1816 (Rep. 918, S. 40-44) sowie in den Büchern des Almosenamts und der Rechnei (Bestände: Almosenkasten Bücher und Rechneiamt Bücher). Der in Teilen von Dr. Buchka als Leiter des Stadtarchivs II bereits 1873 aufgelistete Bestand wurde 1990 revidiert (Rep. 113).
Findmittel: Rep. 923.
Bemerkungen: Vgl. Bestand Bücher des Allgemeinen Almosenkastens, Rep. 796. Das von 1750-1787 bestandene städt. Kapitallotterieamt diente zur Tilgung bzw. zur Konvertierung der städt. Schuld. Die Akten darüber befinden sich unter den Rechnei-Akten (Ugb B 79 Nr. 59 und Rechneiamt vor 1816.

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