1.11.1. Zollwesen
Bestandsname: Deutscher Zollverein: Zollvereinsprotokolle
Laufzeit: 1836-1863
Institutionsgeschichte: Am 2. Januar 1836 trat die freie Stadt Frankfurt dem 1834 gegründeten Deutschen Zollverein bei. Gegen diesen Schritt, der die Einführung des aus Frankfurter Sicht mit zu hohen Import- und Transitzöllen versehenen preußischen Zollsystems bedeutete, hatten sich vor allem die Großhändler und Zünfte lange vehement gewehrt.
Nachdem sich die Königreiche Württemberg und Bayern am 18. Januar 1828 zum bayrisch-württembergischen sowie Hessen-Darmstadt und Preußen am 14. Februar 1828 zum preußisch-hessischen Zollverband zusammengeschlossen hatten, gründeten die Mittelstaaten, darunter auch die freie Stadt Frankfurt, am 24. September 1828 den mitteldeutschen Handelsverein, der sich aber schon bald als nicht lebensfähig erwies. Bereits 1829 plädierten einige Staaten für seine Auflösung und den Anschluß an das preußische Zollsystem. Die politischen Unruhen des Jahres 1830 und der daraus resultierende Beitritt Kurhessens zum preußisch-hessischen Zollverband am 25. August 1831 versetzten dem Mitteldeutschen Handelsverein schließlich den Todesstoß.
Auch die weiteren Frankfurter Gegenmaßnahmen, wie das ausgedehnte Schmuggelwesen, die Erschwerung des Handels zwischen Süd- und Oberhessen oder der noch 1832 mit England geschlossene Handelsvertrag konnten die wirtschaftliche Lage der Stadt nicht nachhaltig verbessern.
Vor allem der erfolgreiche, von Hessen-Darmstadt geförderte Aufstieg Offenbachs zur Messestadt und die sich daraus ergebenden massiven Einbußen der Frankfurter Messe veranlaßten den Frankfurter Senat schließlich zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, die im August 1835 begannen und am 2. Januar 1836 erfolgreich abgeschlossen wurden.
Bestandsumfang und -inhalt: 28 Bände, 1 Rm. Gedruckte Zollvereinsprotokolle.
Der Bestand umfaßt neben den Hauptprotokollen der Generalkonferenzen von 1836 bis 1863 auch die Protokolle der Kommission zur Ausführung des Zollvertrags 1836, das Protokoll der allgemeinen Münzkonferenz 1838, das Protokoll über die Verlängerung des Vereinszolltarifs 1848, Verträge und Verhandlungen über die Bildung und Ausführung des deutschen Zoll- und Handelsvereins von 1833 bis 1858 und eine Zusammenstellung der aufgrund des Anschlusses des Königreichs Hannover geschlossenen Verträge und der erlassenen Gesetze, Verordnungen usw. aus dem Jahre 1854 und ergänzt somit den Teilbestand der „Zollverein-Druckschriften“ innerhalb der „Rechnei nach 1816“.
Die Akten des Zollwesens sind zum größten Teil verbrannt. Als Ersatzüberlieferung sind die Bestände Rechneiamt, Rentenamt, Handel und Messe hinzuzuziehen
Findmittel: Rep. 926.
Bemerkung: Hahn, Hans-Werner: Geschichte des Deutschen Zollvereins (Kleine Vandenhoeck-Reihe, Bd. 1502), Göttingen 1984.
Hahn, Hans-Werner: Wirtschaftliche Integration im 19. Jahrhundert. Die hessischen Staaten und der Deutsche Zollverein (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 52), Göttingen 1982.
1.11.2. Handel
Bestandsname: Handel: Akten des Rats und Handelssachen o.B.
Laufzeit: Akten des Rats: 1415-1806 und Handelssachen o.B.: 16.-19. Jh.
Institutionsgeschichte: Weder in reichsstädtischer noch in freistädtischer Zeit bestand zur Beaufsichtigung des Handels und zur Verwaltung der ihm dienenden öffentlichen Anstalten ein eigenes Amt. Für die meisten Zweige des Handels war das Rechneiamt mit den ihm einverleibten Ämtern und Stellen zuständig. Selbständige Ämter für einzelne Handelszweige waren: das Fuhramt, das Holzamt (auch in freistädt. Zeit) und das Roßzollamt. Eigene Registraturen führte das Ratsarchiv über die beiden Rechneiunterabteilungen: Stand- und Messläden, Tuchschau, Makler sowie Niederlage, Waagen und Leinwandhaus. (Für den Kleinhandel und die Industrie vgl. Abt. Handwerker).
Bestandsumfang und -inhalt: 407 Nummern, 6,75 Rm. Beide Bestände (Akten des Rats und Handelssachen o.B.) sind unter der Bestandsbezeichnung Handel Ugb zusammengeführt und beinhalten Akten zu Waagen, Verordnungen und Kontrolle über Maße und Gewichte, Beanstandungen über gekaufte Waren, Beschwerden über Frankfurter Waagen, Schriftverkehr über Wechselordnungen (auch anderer Städte), Ratsbeschlüsse über Handelsaufsicht, Prüfung der Waren im Leinwandhaus und auf Messen.
Findmittel: Akten des Rats: Rep. 23, (Rep. 7-10, 12, 14: Ugb A 15, 59, 81; B 16, 26, 38, 39, 66, 67; C 26, 38; D 10). Revidiert 1989. Die Handelssachen o.B. sind ebenfalls im Rep. 23 aufgeführt.
1.11.3. Messe, Geleit, fremde Jahrmärkte
Bestandsname: Akten des Rats über die Messen und Meßsachen o.B. (Nr. 29-72)
Laufzeit: 1387-1800 und 1399-1802
Institutionsgeschichte: Die Frankfurter Messe ist als ein regionaler Markt entstanden, auf dem am Ende der Erntezeit die landwirtschaftlichen Überschüsse der weiteren Umgebung angeboten wurden. Durch die immer engeren Beziehungen zu den ostmitteleuropäischen Ländern verlagerte sich im Laufe des 13. Jh. das Zentrum des europäischen Fernhandels von der Champagne nach Osten: Die bis dahin nur regional bedeutsame Messe trat am Anfang des 14 Jh. in die bisherige Funktion der Champagnemesse ein und wurde zum Kreuzungspunkt des europäischen Fernhandels. Diese Position festigte sich durch das kaiserliche Privileg von 1240, in dem Friedrich II. die Messebesucher während ihrer An- und Abreise unter den Schutz des Reiches genommen hat. Zu Beginn des 14. Jh. nahm der Handel einen großen Aufschwung und der Stadt wurde mit dem Privileg von 1330 eine zweite für den Absatz von Wintererzeugnissen günstigere Fasten- und Frühjahrsmesse zugestanden.
Bestandsumfang und -inhalt: Akten des Rats über die Messen: 72 Akten, 0,66 Rm, 23 Urkunden, 0,5 Rm. Bei den Urkunden handelt es sich überwiegend um Bestätigungen betr. die Messen überhaupt, Geleit, Messefreiheit, Wechselzahlungen und Wechselordnungen. Die Akten beinhalten Ratsbeschlüsse, Regelungen über das Geleit- und Wechselwesen, Sicherheit der Straßen, Münzkurse und -vergleich unter den Kaufleuten, Zollfreiheit, Marktschiffe usw.
Findmittel: Rep. 23, Rep. 7: Ugb A 60, 66-68.
Bemerkung: Orth, Johann Philipp: Ausfühliche Abhandlung von den berümten zwoen Reichsmessen, so in der Reichsstadt Frankfurt am Main järlich gehalten werden, FfM. 1765 - Dietz, Alexander: Frankfurter Handelsgeschichte, Frankfurt 1910 - Rothmann, Michael: Die Frankfurter Messe, Veröffentlichung der Frankfurter Historischen Kommission, Frankfurt 1999.
Bestandsname: Fremde Jahrmärkte
Laufzeit: 1505-1711
Bestandsumfang und -inhalt: 34 Nummern, 1 Kasten. Mitteilungen anderer Städte über Termine bzw. Absagen von Märkten.
Findmittel: Rep. 23.
Bestandsname: Geleitssachen
Laufzeit: 1350-1806
Institutionsgeschichte: Das Privileg der Messefreiheit beinhaltete neben der Aufhebung der Rechtslosigkeit Ortsfremder, der Garantie des Gerichtsschutzes der Messebesucher, dem Zugeständnis eines besonderen Messegerichtsstandes etc. auch den kaiserlichen Geleitschutz. Der Geleitschutz wurde von den Reichsständen (als Geleitsherren) ausgeübt und galt für jeden Messebesucher. Die Geleitsherren hatten gegen Geleitsgeld Geleitsbriefe für ihr Gebiet auszustellen und die Kaufleute und ihre Waren militärisch zu schützen.
Bestandsumfang und -inhalt: 436 Nummern, 0,75 Rm.
Findmittel: Rep. 694. Revidiert 1990.
1.11.4. Handwerker
Beschrieben bei Jung, S. 122-124. Die Akten des Rats verzeichnet in Rep. 6, 12-14, 16-18, 157-158 und 160-167, die Handwerkerbücher des Rats und der Zünfte in Rep. 159 und 539. Ein Findbuch über Handwerker: Akten, Urkunden und Bücher (mit Register) aus den alten Rep. 6, 12-14, 16-18, 157, 160-167 und 539 in Rep. 692. Insgesamt 5.388 Akten, 52 Urkunden und 277 Bücher; revidiert 1990.
Die Akten des Handwerkerkongresses von 1848 (Handwerker Akten Nr. 5350-5357) sind verfilmt.
Bestandsname: Handwerker: Akten des Rats
Laufzeit: ca. 1377-1806
Findmittel: Rep. 157-158, 160-167, 692.
Bestandsname: Handwerker: Akten der Zünfte
Laufzeit: ca. 1362 - ca. 1806
Findmittel: Rep. 692
Bemerkung: Vgl. Jung S. 123 f.
Bestandsname: Handwerker o.B.
Laufzeit: 15. - 19. Jh.
Findmittel: Rep. 692.
Bestandsname: Handwerkerbücher des Rats und der Zünfte
Laufzeit: 1355- 1928
Findmittel: Rep. 159, 539, 692.