1.12.1. St. Bartholomäusstift
Der Vorgängerbau des heutigen Doms war eine zur Pfalz gehörige dreischiffige Basilika - die Salvatorkirche -, die 852 von Hrabanus Maurus geweiht wurde. Ludwig der Deutsche errichtete an dieser Kirche ein Stift, in welchem 12 Geistliche ständigen Dienst tun sollten. 1239 weihte der Bischof Ludolf von Ratzeburg den noch unvollendeten Neubau der Stiftskirche „in honorem salvatoris domini nostri Jesu Christi et sancti Bartholomaei“, da das Stift als Reliquie die Hirnschale des hl. Bartholomäus in ihren Besitz bringen konnte.
Die Bartholomäuskirche war seit der Mitte des 16. Jh. der Ort, an dem bis zum Ende des Reiches alle Kaiser- und Königskrönungen vorgenommen wurden, nachdem Frankfurt bereits seit dem 13. Jh. Wahlort für die Könige war.
Kirchlich gehörte Frankfurt zum Erzbistum Mainz, wobei der örtlicher Vertreter des Erzbischofs der Probst war. Die alleinigen Pfarrechte und damit die Verfügung über die Seelsorge in der Stadt lagen in den Händen des Mainzer Erzbischofs. Diese Konstellation mußte der aufstrebenden Stadt in ihrer Selbständigkeit ein Dorn im Auge sein, da die Angehörigen des Stifts wie alle Kleriker nicht dem weltlichen Untertanenverband angehörten, sondern das Recht auf einen eigenen kirchlichen Gerichtsstand und die Befreiung von weltlichen Steuern und Abgaben bewahrten. Erst durch den Reichsdeputationshauptschluss gelangte das Bartholomäusstift in die Verfügungsgewalt des Rates, der es aufhob und die letzten Stiftsherren mit Pensionen abfand.
Lit. Kellner, Wolf Erich: Das Reichsstift St. Bartholomäus im Spätmittelalter, Frankfurt 1962. - Rauch, Günter: Pröpste, Propstei und Stift von St. Bartholomäus in Frankfurt, Frankfurt 1975.
Bestandsname: Bartholomäusstift: Urkunden und Akten
Laufzeit: 874-1807
Bestandsumfang und -inhalt: Urkunden: 36 Rm, Akten: 1,25 Rm.
Findmittel: Rep. 175-183.
Bestandsname: Bartholomäusstift: Bücher
Laufzeit: ca. 1267/8-1802
Bestandsumfang und -inhalt: 296 Bände, 11,5 Rm.
Findmittel: Rep. 184. (Teilweise verfilmt).
Bestandsname: Bartholomäusstift: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1282-1812
Bestandsumfang und -inhalt: 1231 Nummern, 4 Rm. Provenienzvermischung mit den Urkunden und Akten des Stifts
Findmittel: Rep. 182, 183.
Bestandsname: Bartholomäusstift: Bücher des Rats
Laufzeit: 882 - ca. 1791
Bestandsumfang und -inhalt: 64 Nummern, 2 Rm.
Findmittel: Rep. 527. (Teilweise verfilmt).
Bemerkungen: Bund, Konrad: Findbuch zum Bestand Städtische Bücher betr. das St. Bartholomäusstift, Frankfurt 1993.
1.12.2. St. Leonhardsstift
Friedrich II schenkte 1219 den Frankfurter Bürgern ein zwischen Mainufer und ehem. Kornmarkt gelegene Grundstück zum Bau einer neuen Kirche, die der Gottesmutter Maria und dem hl. Georg geweiht werden sollte. An der im 13. Jh. meist nur Georgskapelle genannten Kirche amtierten zunächst nur Kapläne. 1317 konstituierte sich mit Genehmigung des Mainzer Erzbischofs jedoch ein Kollegialstift von Regularklerikern mit einem Dekan an der Spitze. Bis ins 16. Jh. bestand am Stift eine Schule, die zeitweise von mindestens 81 jungen Klerikern besucht wurde. 1323 erhielt das Stift eine Armreliquie des hl. Leonhard, der schon bald als alleiniger Kirchenpatron galt. Der Versuch des Stiftskapitels, auch Pfarrechte zu erhalten, scheiterte, da das Bartholomäusstift alle Pfarrechte für sich behauptete. Trotz der Annahme der Reformation in Frankfurt blieb das Leonhardstift katholisch. 1802 wurde das Stift im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses aufgehoben und das gesamte Eigentum in städtischen Besitz überführt.
Lit.: Natale, Herbert. Die St. Leonhardskirche im Spiegel der Frankfurter Stadt- und Kirchengeschichte, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, Bd. 18, 1966, S. 9ff.
Bestandsname: Leonhardsstift: Urkunden und Akten des Stifts und des Rats
Laufzeit: 1132-1796
Bestandsumfang und -inhalt: 754 Nummern, 7 Rm. Provenienzvermischung.
Findmittel: Rep. 189, 190, 192.
Bestandsname: Leonhardsstift: Bücher des Stifts und des Rats
Laufzeit: ca. 1350 - ca. 1800
Bestandsumfang und -inhalt: 55 Bände, 1,5 Rm. Provenienzvermischung.
Findmittel: Rep. 191.
1.12.3. Liebfrauenstift
1322 stiftete das Patrizierehepaar Wigel und Katharina von Wanebach die Kapelle zu Unserer Lieben Frau auf dem Berg. 1325 erreichten die Katharina von Wanebach und ihre Tochter Gisela vom Mainzer Erzbischof die Zusage einer Stiftgründung mit anfangs sieben Inhabern von Benefizien, die bereits die Priesterweihe empfangen hatten oder diese binnen eines Jahres erhalten sollten. Bis ins 16. Jh. erweiterte sich die Zahl der Kanonikate und Vikariate durch Zustiftung kapitalkräftiger Frankfurter Bürger. 1802 wurde das Stift im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses aufgehoben und das gesamte Eigentum in städtischen Besitz überführt.
Lit.: Niederquell, Theodor: Die Kanoniker des Liebfrauenstifts in Frankfurt am Main 1519-1802, Frankfurt 1982.
Bestandsname: Liebfrauenstift: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1300-1801
Bestandsumfang und -inhalt: 1528 Nummern, 10,25 Rm.
Findmittel: Rep. 185, 186. Revidiert 1980/89.
Bestandsname: Liebfrauenstift: Bücher
Laufzeit: ca. 1301 - ca. 1800
Bestandsumfang und -inhalt: 162 Bände, 5 Rm.
Findmittel: Rep. 187. Revidiert 1986. Band 24 verfilmt.
Bestandsname: Liebfrauenstift: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1366-1796
Bestandsumfang und -inhalt: 168 Nummern, 0,75 Rm.
Findmittel: Rep. 188. Revidiert 1980.
1.12.4. Barfüßerkloster
Die Brüder des Franziskanerordens ließen sich etwa mitte des 13 Jh. in Frankfurt nieder (1270 erste urkundliche Erwähnung). Die Zahl der Klosterinsassen dürfte in den blühendsten Zeiten 40 nicht überschritten haben. Die im Zuge der Reformation entstandenen Unruhen in der Stadt wie auch materielle Gründe veranlassten die noch übrigen acht Barfüßer 1529, das Kloster dem Rat der Stadt zu übergeben. Als Entschädigung erhielten die Brüder jährliche Renten auf Lebenszeit unter der Bedingung, daß sie weltlichen Standes blieben. Die Stadt erlangte durch diese Verweltlichung einen beachtlichen Zuwachs an Imobiliarbesitz im Zentrum der Stadt und in der Nähe des Rathauses, eine lutherische Hauptkirche (bis 1786) und die Erweiterung des Almosenkastens und des städt. Bibliotheksbestandes.
Lit. Jung, Rudolf: Die Säkularisierung des Barfüßerklosters im Jahre 1529. In: Alt-Frankfurt, Jg. III Heft 4, Frankfurt 1912
Bestandsname: Barfüßerkloster: Urkunden und Akten des Klosters und des Rats
Laufzeit: 1380-1629
Bestandsumfang und -inhalt: 138 Nummern, 0,5 Rm.
Findmittel: Rep. 193. Revidiert 1980.
Bestandsname: Barfüßerkloster: Bücher
Laufzeit: 1487-1528
Bestandsumfang und -inhalt: 3 Bände, 0,5 Rm. Klosterrechnungen, Bd.: 1487-1506, Bd. 2: 1506-1520, Bd. 3: 1520-1529.
1.12.5. Dominikanerkloster
Die Ankunft der Dominikaner in Frankfurt wird auf das Jahr 1233 festgelegt. Ihre Niederlassung, die um das Jahr 1245 bezogen wurde, befand sich in der östlichen Altstadt nahe der Stadtmauer und der Judengasse und war in günstigen Zeiten mit bis zu 40 Insassen besetzt. 1243 wurden die Dominikaner vom Mainzer Erzbischof dazu bevollmächtigt, in seiner Diözese die Beichte zu hören und zu predigen. Die Predigt des Wortes Gottes gegen die Irrtümer der Zeit und die sittlichen Gebrechen der Menschen war die Hauptaufgabe der Dominikaner, was sich in ihrer Bezeichnung als Predigerbrüder verdeutlichte. In der Reformationszeit wurde den Dominikanern zunächst das Predigen verboten, und auch zu bürgerlichen Pflichten sollten sie herangezogen werden. Ansonsten überstand der Orden die Umstände der Reformationszeit weitgehend unbeschadet.
Bevor die geistlichen Güter vollends nach dem Reichsdeputationshauptschluss von der Stadt eingezogen wurden, erging 1790 die Anordnung des Mainzer Erzbischofs, das Frankfurter Dominikanerkonvent aufzulösen und in eine weltgeistliche Vereinigung, die Congregatio ad Sanctum Fridericum, umzuwandeln.
Lit.: Beck, Kurt: Das Dominikanerkloster in Frankfurt am Main, Frankfurt 1977. - Koch, Heinrich Hubert: Das Dominikanerkloster zu Frankfurt am Main 13. bis 16. Jh., Freiburg 1892.
Bestandsname: Dominikanerkloster: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1229-1779
Bestandsumfang und -inhalt: 530 Nummern, 5 Rm.
Findmittel: Rep. 200, 201. Revidiert 1980.
Bestandsname: Dominikanerkloster: Bücher
Laufzeit: 15. - 18. Jh.
Bestandsumfang und -inhalt: 26 Bände, 1 Rm. Bände 16-20 Chronik des Franziscus Jacquin.
Findmittel: Rep. 202 (Chronik verfilmt).
Bestandsname: Dominikanerkloster: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1401-1802
Bestandsumfang und -inhalt: 80 Nummern, 1 Rm.
Findmittel: Rep. 200, 201. Revidiert 1980.
1.12.6. Karmeliter
1.12.6.1. Karmeliterkloster Frankfurt
Das Karmeliterkloster zu Frankfurt gehörte neben den Klöstern von Köln, Mainz und Trier zu den bedeutendsten der Niederdeutschen Provinz des Karmeliterordens und wurde etwa 1246 gegründet. Die Karmeliten oder Frauenbrüder, wie sie auch genannt wurden, kamen um 1240 aus dem Orient, von wo sie vertrieben wurden, zurück. Bei ihrem seelsorgerischen Tätigkeitsfeld lag neben dem Predigen relativ großes Gewicht auf dem Beichtstuhl. Dem Karmeliterkloster war eine Anzahl an Bruderschaften angegliedert; allein im 15. Jh. sind im Kloster fünf Bruderschaften errichtet worden, von denen die Kaufmannsbruderschaft St. Anna- und die St. Nikolausbruderschaft wohl zu den angesehensten bzw. vornehmsten gehörten.
Mit der Säkularisierung 1802 ging der Klosterbesitz auf die Stadt über.
Lit.: Koch, Heinrich Hubert: Das Karmeliterkloster zu Frankfurt am Main 13. bis 16. Jh., Freiburg 1912.
Bestandsname: Karmeliterkloster: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1281-1814
Bestandsumfang und -inhalt: 429 Nummern. 3 Rm. In diesem Bestand befand sich ursprünglich auch der Bestand Karmeliterkloster Aachen mit 207 Urkunden (Rep. 196), die 1980 als Dauerleihgabe an das Stadtarchiv Aachen übergeben wurden.
Findmittel: Rep. 194.
Bestandsname: Karmeliterkloster: Bücher
Laufzeit: 15. - 18. Jh.
Bestandsumfang und -inhalt: 111 Nummern, 4 Rm.
Findmittel: Rep. 199. Revidiert 1987.
Bestandsname: Karmeliterkloster: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1481-1802
Bestandsumfang und -inhalt: 43 Nummern, 0,5 Rm.
Findmittel: Rep. 43: Mgb. C 16. Revidiert 1980.
1.12.6.2. Niederdeutsche Provinz des Karmeliterordens
Die Niederdeutsche Provinz erstreckte sich von Straßburg rheinabwärts über Köln, reichte rechts und links bis Kassel und Arlon und umfaßte die Niederlande und Belgien (Flandern wurde später abgetrennt, um eine eigene Provinz zu bilden). Das Archiv der Niederdeutschen Provinz kam 1802 in den Besitz der Stadt, da zur Zeit der Säkularisation der Provinzial seinen Sitz im Frankfurter Kloster hatte.
Bestandsname: Karmeliterorden: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1256-1772
Bestandsumfang und -inhalt: 93 Nummern, 0,75 Rm. Bereits vor der Revision 1980 wurden insgesamt 190 Archivalien aus den Klosterarchiven Düren, Köln, Utrecht, Brüssel, Rotterdam, Hirschhorn, Münstereifel, Tönnisstein, Neuss, Moers, Magdeburg, Löwen und Bonn an die jeweils zuständigen Archive abgegeben.
Findmittel: Rep. 195. Revidiert 1980.
Bestandsname: Karmeliterorden: Bücher
Laufzeit: 14. - 18. Jh.
Findmittel: Rep. 199
Bestandsname: Einzelstücke aus Archiven auswärtiger Karmeliterklöster (Speyer, Hirschhorn, Mainz, Worms)
Bestandsumfang und -inhalt: Heute bei 3.9.6. Fremde Archivalien (Rep. 298).
Findmittel: Rep. 198, Rep. 298.
1.12.7. Antoniterhof
Bestandsname: Antoniterhof: Urkunden
Laufzeit: 1287/1613
Institutionsgeschichte: Der Hof entstand 1236 als Niederlassung des Rossdorfer Antoniter-Ordenshauses. Nach 1525 wurde er von den Brüdern verlassen und um 1624 vom Orden an die Jesuiten und, nachdem diese zurückgetreten waren, 1626 an die Kapuziner verkauft, aber erst nach hundertjährigem Streit zwischen Antonitern und Kapuzinern 1725 von diesen endgültig bezogen. 1802 säkularisiert.
Bestandsumfang und -inhalt: 2 Nummern, Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 204. Revidiert 1981.
Bemerkung: Steitz: Der Antoniterhof in Frankfurt, in: FAGK Heft VI
1.12.8. Deutschordenskommende
Bestandsname: Deutschordenskommende: Urkunden und Urkunden des Rats
Laufzeit: Urkunden 1221-1739. Urkunden des Rats: 1320-1845. 1 Buch 1836-1840.
Institutionsgeschichte: 1221 wurde die Deutschordenskommende in Sachsenhausen gegründet. Die Kommende war durch zunehmend wachsenden Güterbesitz und die Zuwendungen vermögender Patrizierfamilien der Stadt wirtschaftlich durchaus in einer günstigen Position. Entsprechend stark war die Kommende mit Ordensbrüdern und sonstigem Personal besetzt: Es dienten dort vom 13.-15. Jh. meist 8-10 Ordensbrüder, 3-4 Ordenspriestern, einige Professe, Halbbrüder und -schwestern, die als Pfründeninhaber im Haus wohnten, Handwerker und Gesinde; an deren Spitze stand der Komtur. Die Deutschherren übernahmen die Aufgabe der Spitalpflege. Während der Reformation mußte sich die Kommende den üblichen bürgerlichen Pflichten unterziehen, genoß aber dagegen den Schutz der Stadt gegen drohende tätliche Übergriffe der Reformation. Dagegen brachte der 30jährige Krieg die Kommende durch die schwedische Besetzung des Hauses in schwerste Bedrängnisse. Erst 1635 kam die Kommende wieder in Ordensbesitz. In der fürstprimatischen und großherzoglichen Zeit wurde die Kommende von Dalberg fast gänzlich aufgeteilt. Nach Zusammenbruch der Napoleonischen Herrschaft nahm die österreichische Krone die ehem. Kommende in ihren Besitz und nach der Besetzung Preußens wurden die Räumlichkeiten von der Stadt übernommen. 1958 erwarb die Priesterprovinz des Deutschen Ordens die zerstörte ehemalige Deutschordenskommende Sachsenhausen zurück.
Bestandsumfang und -inhalt: Urkunden 477 Urkunden, 2,5 Rm. Urkunden und 1 Buch des Rats 142 Nummern, 1 Rm.
Findmittel: Urkunden: Rep. 207. Revidiert 1980. Urkunden und 1 Buch des Rats: Rep. 214. Revidiert 1980.
Bemerkung: Seiler, Jörg: Der Deutsche Orden in Frankfurt, Marburg 2003.
Mann, Helmut: Der Deutsche Orden und seine Kirche in Frankfurt-Sachsenhausen
Frankfurt 1990.
1.12.9. Johanniterkommende
Die Niederlassung der Johanniter in Frankfurt wird urkundlich im Jahre 1294 erstmalig erwähnt. Im 14. Jh. errichtete der Orden an der Ecke von Schnur- und Fahrgasse einen Hof mit einer Kirche, der im Jahre 1342 erstmals genannt wird. In der Reformationszeit blieb der Orden trotz der vorläufigen Abschaffung des katholischen Gottesdienstes von dieser Bestimmungen des Rats unbehelligt, konnte aber das kirchliche Leben zunächst kaum weiterführen, da die Mittel fehlten und die Gemeinde sich überwiegend dem neuen Glauben zuwandte. Im 18. Jh. befand sich die Kommende in keinem guten Zustand, was den Baubestand der Gebäude anging, aber auch das Gemeindeleben selbst betraf. Nur noch mittwochs wurde Gottesdienst gehalten, zu dem die Brüder durch Stiftungen verpflichtet waren, und um die Jahrhundertwende ließ der Komtur die Kirche teilweise zu profanen Zwecken nutzen. Wie die Deutschordenskommende kamen die Güter der Johanniter Anfang des 19. Jh. in Besitz des Fürstprimas von Dalberg und nach dem Wiener Kongreß in österreichische Obhut. 1841 erwarb die Stadt die Besitzungen samt des Archivs, wobei die Kirche zu einem Warenlager umfunktioniert und letztlich bei einer Straßenregulierung 1874 abgebrochen wurde.
Bestandsname: Johanniterkommende: Urkunden
Laufzeit: 1278-1786
Bestandsumfang und -inhalt: 134 Nummern, 1 Rm.
Findmittel: Rep. 205. Revidiert 1981.
Bestandsname: Johanniterkommende: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1397-1813
Bestandsumfang und -inhalt: 49 Nummern, 0,5 Rm.
Findmittel: Rep. 205. Revidiert 1981.
Bestandsname: Johanniterkommende: Bücher
Laufzeit: 16. - 19. Jh.
Bestandsumfang und -inhalt: 35 Bände, 1 Rm.
Findmittel: Rep. 206.
Bestandsname: Johanniterkommende: Akten und Bücher der Ordensregierung in Heitersheim über die Kommende Frankfurt
Laufzeit: 17. - 19. Jh.
Bestandsumfang und -inhalt: 46 Akten, 0,25 Rm.
Bestandsname: Johanniterkommende: Urkunden der Kommende Niederweisel
Laufzeit: 1306-1637
Bestandsumfang und -inhalt: 12 Nummern, 0,25 Rm. Urkunden, die im Wesentlichen über Besitzverhältnisse, Schenkungen, Pachtzinsen, Prozesse, Filialen und Altarrechte Auskunft geben.
Bemerkung: Hier ist nur ein kleiner Teil des Urkundebestandes vorhanden. Weitere Urkunden befinden sich in den Staatsarchiven Darmstadt und Marburg sowie im Stadtarchiv Wetzlar.
Lit.: Schering, Ernst: Traditiond und Wirken des Johanniterordens im Abbild der Geschichte der Kommende Niederweisel. In: Jahrbuch der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung, 32. Band, 1981.
1.12.10. Weißfrauenkloster
Bestandsname: Weißfrauenkloster: Urkunden 1228-1577
Laufzeit: 1228-1577
Institutionsgeschichte: 1227 begründete der Papst den Orden der „Büßenden Schwestern der hl. Magdalena“, in dem Frauen, die vom Pfad der Tugend abgekommen waren, eine Stätte zur Buße finden konnten. Wegen ihrer auffallenden Unschuldstracht nannte man sie bald nur noch „weiße Frauen“. 1228 wurde eine Niederlassung der Weißfrauen in Frankfurt gegründet. Als 1542 deren Kloster von den meisten Insassinnen verlassen wurde, nahm es der Rat in Verwaltung und bestimmte die Einkünfte zur Versorgung hiesiger bedürftiger Jungfrauen und Witwen lutherischen Bekenntnisses. 1819 wurde die Verwaltung mit der des Katharinenklosters unter dem Namen „Vereinigte weibliche Versorgungsanstalten zu St. Katharinen und den Weißfrauen“ (St. Katharinen- und Weißfrauenstift) vereinigt.
Bestandsumfang und -inhalt: 78 Nummern, 0,75 Rm. Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 227. Revidiert 1981.
Bemerkung: Vgl. Bestand 1.13.1. Katharinen- und Weißfrauenstift.
1.12.11. Katharinenkloster
Bestandsname: Katharinenkloster: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1349-1805
Institutionsgeschichte: Dieses 1345 von Wicker Frosch gegründete Kloster für adelige Jungfrauen nach der Regel des Deutschen Ordens, wurde 1526 von den meisten Schwestern verlassen. Das Kloster wurde darauf vom Rat in Verwaltung genommen und die Einkünfte zum Unterhalt von evangelisch-lutherischen Frauen und Töchtern bestimmt.
Bestandsumfang und -inhalt: 78 Nummern, 0,75 Rm. Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 228 (Vollständiges Inventar über alle im Katharinenkloster befindlichen Bücher, Rechnungen, Briefschaften und Dokumente 14.-19. Jh.), Rep. 229 (Inventar über sämtliche Bücher, Verbriefungen, Urkunden und Rechnungen).
Bemerkung: Vgl. Bestand 3.8.1.3.1. Katharinen- und Weißfrauenstift.
1.12.12. Rosenberger Einung
Bestandsname: Rosenberger Einung: Urkunden und Akten der Einung 1345-1790 und des Rats 1480-1806
Laufzeit: Urkunden und Akten der Einung 1345-1790 und des Rats 1480-1806
Institutionsgeschichte: Anna Rosenberger stiftete 1452 ein Gotteshaus für 12 Frankfurter Jungfrauen und ehrbare Witwen, die dort nach der dritten Regel des hl. Dominikus lebten. An der Spitze des Hauses stand eine Meisterin. Von Seiten des Rates wurden zwei Pfleger zur Ordnung der äußeren Angelegenheiten bestellt, während die innere Leitung von den Dominikanern besorgt wurde. Bis in 17. Jh. waren die Mitglieder der Rosenberger Einung Laienschwestern, die kein besonderes Gelübde abgelegt hatten und auch nicht wie Dominikanerinnen (sondern in der Art der Beginen) gekleidet waren. Erst nach 1693 nahmen sie den schwarzen Schleier und erscheinen seitdem als Klosterfrauen. 1802 wurde die Rosenberger Einung säkularisiert, aber als weltliche Stiftung zu Schulzwecken beibehalten.
Bestandsumfang und -inhalt: 105 Nummern, 1,25 Rm. Provenienzvermischung.
Findmittel: Rep. 203. Revidiert 1980.
1.12.13. Beginen und Beckarden
Bestandsname: Beginen und Beckarden: Urkunden des Rats
Laufzeit: 1377-1532
Institutionsgeschichte: Beginen führten ein religiöses Leben in freiwilliger und relativer Armut und schlossen sich meist in Gemeinschaften zusammen, die zum Teil die Drittordensregel eines Klosters annahmen, aber keine Ordensfrauen mit festen Ordensregeln waren. Kennzeichnend für das Beginentum war das halb weltliche halb geistliche Leben in einer etwas ungeklärten Stellung zwischen Laien- und Ordensleuten. In Frankfurt werden die ersten Beginen im 13. Jh. erwähnt, wobei das erste bekannte Beginenhaus auf Frankfurter Gebiet - die Klause in Oberrad - 1304 genannt wird. Der Lebensunterhalt in den Einungen wurde einerseits durch die Zinsen bestritten, die durch das Stiftungsvermögen und Zustiftungen zufielen. Andererseits spielte dabei auch das von den Beginen bei Eintritt mitgebrachte Vermögen eine Rolle. Die Tätigkeiten der Beginen bestanden hauptsächlich in der Krankenpflege, aber auch in handwerklicher Arbeit besonders im Textilbereich, wodurch sie zum Lebensunterhalt beitrugen.
Begarden sind als das männliche Gegenstück zu Beginen zu betrachten, genossen aber weit weniger Achtung und Unterstützung als die Beginen. In Frankfurt existierte nur ein einziges Begardenhaus. Das Tätigkeitsfeld lagen auch hier im Bereich der Krankenpflege.[aus: Spies, Martina: Beginengemeinschaft in Frankfurt.]
Bestandsumfang und -inhalt: 57 Nummern, 0,25 Rm.
Findmittel: Rep. 12: Ugb C 23.
Bemerkung: Kriegk, Georg Ludwig: Deutsches Bürgertum im Mittelalter, Frankfurt. - Spies, Martina: Beginengemeischaft in Frankfurt am Main, Dortmund 1998.
1.12.14. Besitzungen auswärtiger geistlicher Genossenschaften in Frankfurt
Größere auswärtige Klöster gründeten in Frankfurt am Main Niederlassungen, um ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die auf dem Markt oder während der Messe verkauft werden sollten, zu lagern. Im 19. Jh. kamen die Höfe teilweise in städtischen Besitz.
Bestandsname: Arnsburger Hof: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1223-1718
Institutionsgeschichte: Hof des Klosters Arnsburg in der Wetterau, 1223 in Frankfurt gegründet und 1803 von der Stadt in Besitz genommen.
Bestandsumfang und -inhalt: 14 Nummern, 0,25 Rm. Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 43: nur Mgb. C 30 Nr. 8. Revidiert 1981.
Bestandsname: Hainer Hof: Akten des Rats
Laufzeit: 1217-1558
Institutionsgeschichte: Der Hof des Klosters Haina in Oberhessen, der 1240 von diesem erworben wurde. 1558 wurde die Niederlassung vom Landgrafen von Hessen in Besitz genommen.
Bestandsumfang und -inhalt: 0,5 Rm. Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 40: nur Mgb A 40.
Bestandsname: Ilbenstädter Hof: Urkunden des Rats
Laufzeit: 1427 - ca. 1500
Institutionsgeschichte: Hof des Klosters Ilbenstadt in der Wetterau, 1892 von der Stadt in Besitz genommen.
Bestandsumfang und -inhalt: 9 Nummern.
Findmittel: Rep. 44: Mgb D 16. Revidiert 1981.
Bestandsname: Schönauer Hof: Urkunden des Rats
Laufzeit: 1304-1467
Bestandsumfang und -inhalt: 15 Urkunden
Findmittel: Rep. 42: Mgb B 5. Revidiert 1981.
Bestandsname: Aschaffenburger Hof: Urkunden des Rats
Laufzeit: 1337-1704
Institutionsgeschichte: Hof des Stifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg.
Bestandsumfang und -inhalt: 6 Nummern.
Findmittel: Rep. 42: Mgb B 5. Revidiert 1981.
1.12.15 Kirchen und Kapellen
1.12.15.1. St. Peters- und Dreikönigskapelle
Bestandsname: Peters- und Dreikönigskapelle: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 1403-1799
Institutionsgeschichte: Im Jahr 1417 erlangten die zwei Frankfurter Patrizier Johann Ockstadt und Jakob Humbracht vom Mainzer Erzbischof die Erlaubnis, die Basilika - im Volksmund St. Peter genannt - wiederherzustellen, um den Anwohnern in der Neustadt, die wegen der weiten Entfernung zu der Pfarrkirche St. Bartholomäus den Gottesdienst nicht ohne Weiteres besuchen konnten, einen geeigneten Ort für den Gottesdienst in ihrer Nähe zu schaffen.
Über die Entstehung der Dreikönigskapelle ist in etwa bekannt, daß es sich um eine zu dem zweiten Hospital in Sachsenhausen gehörige Kapelle handelte, die 1338 von Heile Dymar gestiftet worden sein soll. Im Laufe der Zeit ist das Patronatsrecht an den Rat der Stadt gekommen; Bürgermeister und Rat präsentierten dem Probst ihre Kandidaten zum Benefizium an der Dreikönigskapelle.
Ziel des Rates war es, gegenüber dem die alleinigen Pfarrechte innehabenden Bartholomäusstift neue Pfarreien zu errichten. Dazu formulierte er 1450 ein Petitionsschreiben an den Papst, um die Erhebung der beiden Kapellen zu Pfarrkirchen zu erreichen. Ergebnis war schließlich die Einrichtung der Kapellen als Filialkirchen zu St. Bartholomäus mit Friedhof und Taufrecht. Besetzung der Filialkirchen geschah durch Kapläne, die vom Stift eingesetzt und unterhalten wurden, wobei das Patronats- und Präsentationsrecht beim Rat verblieb.
Bestandsumfang und -inhalt: 41 Nummern, 0,75 Rm. Darin: Verhandlungen des Rats über die Reform der Pfarrseelsorge 15. Jh. Urkunden und Akten des Rats über die Johann Comenz´sche Stiftung. Diese Stiftung wurde für ein Gotteslehen zu St. Peter 1478 errichtet und unter die Aufsicht des Rats gestellt.
Findmittel: Rep. 12, 21: Ugb C 7 (Mgb C 13) 1478-1747, Rep. 21, 43 1403-1799.
Bemerkung: Wolff, Karl/Jung, Rudolf: Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main, Bd. 1, Frankfurt. 1896. - Battenberg, F. W.: Die alte und neue Peterskirche in Frankfurt am Main, Frankfurt. 1895. - Natale, Herbert: Das Verhältnis des Klerus zur Stadtgemeinde im spätmittelalterlichen Frankfurt, Frankfurt 1957.
1.12.15.2. St. Nikolaikapelle und Almosen zu St. Nikolai
Bestandsname: Nikolaikapelle und Almosen zu St. Nikolai: Urkunden und Akten des Rats
Laufzeit: 14. - 17. Jh.
Institutionsgeschichte: Die Kapelle war ursprünglich als Pfalzkapelle des staufischen Saalhofes eine königliche Eigenkirche und wurde bereits 1292 vom Bartholomäusstift inkorporiert. Im 15. Jh. wurde sie allmählich zur Ratskapelle umgewandelt.
Bestandsumfang und -inhalt: 125 Nummern, 0,75 Rm.
Findmittel: Rep. 12: Ugb C 5, 680. Revidiert 1981.
Bemerkung: Becher, Werner/Fischer, Roman: Die alte Nikolaikirche am Römerberg, Frankfurt 1992.
1.12.15.3. Allerheiligenkapelle
Bestandsname: Allerheiligenkapelle: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1366-1721
Institutionsgeschichte: 1366 geweiht.
Bestandsumfang und -inhalt: 16 Nummern, 0,25 Rm.
Findmittel: Unverzeichnet. Revidiert 1981.
Bemerkung: Wolff, Karl und Jung, Rudolf: Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main, Bd. 1, Frankfurt 1896.
1.12.15.4. Brückenkapelle St. Katharina
Bestandsname: Brückenkapelle St. Katharina: Urkunden
Laufzeit: 1343-1490
Institutionsgeschichte: 1338 geweiht und schon 1342 dem Hochwasser zum Opfer gefallen.
Bestandsumfang und -inhalt: 12 Nummern.
Findmittel: Unverzeichnet.
Bemerkung: von Oven und Becker: Die Kapelle der hl. Katharina auf der Mainbrücke zu Frankfurt mit gleichartigen Stiftungen des christlichen Mittelalters zusammengestellt, in: Neujahrsblatt des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main für das Jahr 1880, Frankfurt 1880
1.12.15.5. Maternkapelle
Bestandsname: Maternkapelle: Urkunden und Akten
Laufzeit: 1454-1552
Institutionsgeschichte: 1393 erstmalig erwähnt, 1531 vom Rat an den Almosenkasten überwiesen, 1804 abgerissen.
Bestandsumfang und -inhalt: 12 Nummern.
Findmittel: Unverzeichnet.
Bemerkung: Wolff, Karl und Jung, Rudolf: Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main, Bd. 1, Frankfurt 1896
1.12.16. Stadt und Katholisches Kirchenwesen
Bestandsname: Stadt und Katholisches Kirchenwesen: Verträge betr. die Gemeine Pfaffheit
Laufzeit: 1395-1467
Bestandsumfang und -inhalt: 5 Nummern, 0,25 Rm. Bestandsrest; u.a. Verträge mit Mainz betr. die Frankfurter Geistlichen, Akten über Streitigkeiten der Stadt mit dem Klerus über deren ökonomische Verhältnisse im 14. und 15. Jh., Abgabeverhältnisse des Klerus und Jurisdiktion über dieselben.
Findmittel: Rep. 20 Ugb E 83.
Bestandsname: Stadt und Katholisches Kirchenwesen: Ablösung der ewigen Zinsen der Geistlichkeit
Laufzeit: 1528-1580
Bestandsumfang und -inhalt: 2 Kästen. Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 7 Ugb A 57, 58.
1.12.17. Katholische Kirchen- und Schulkommission
Bestandsname: Proklamations- und Kopulationsgesuche von Katholiken
Laufzeit: 1818-1851
Institutionsgeschichte: Diese Kommission wurde durch die Konstitutionsergänzungsakte von 1816 zur Besorgung der katholischen Kirchen-, Schul- und Erziehungsangelegenheiten. 1872 aufgehoben.
Bestandsumfang und -inhalt: 26 Faszikel, Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 306. Revidiert 1997.
1.12.18. Gemischte Kirchen- und Schulkommission
Bestandsname: Proklamationsprotokolle mit Beilagen
Laufzeit: 1819-1851
Institutionsgeschichte: Eingesetzt durch die Konstitutionsergänzungsakte von 1816 hatte diese Kommission die Aufsicht über konfessionell gemischte Privatinstitute, über jüdische Lehranstalten, die Führung der Kirchenbücher, über die Kirchhöfe und das Begräbniswesen und über die gemischten Ehen und die Erteilung von Ehedispensen. 1872 aufgehoben.
Bestandsumfang und -inhalt: 150 Bände. Bestandsrest.
Findmittel: Rep. 307. Revidiert 1998.
1.12.19. Stadt und evangelisches Kirchenwesen
Bestandsname: Acta ecclesiastica des Rats
Laufzeit: 1522-1560
Bestandsumfang und -inhalt: nur 2 beschädigte Abschriftenbände, Bd. 1: 1466-1529, Bd. 2: 1530-1560.
Findmittel: Rep. 231. Revidiert 1998.
Bemerkung: Ritter, Johann Balthasar: Evangelisches Denkmal der Stadt Frankfurt am Mayn, Frankfurt. 1726. - Beck, Kurt: Rat und Kirche, Frankfurt 1981.
1.12.20. Konsistorien
Durch die Visitationsordnung von 1726 war die Einrichtung eines Konsistoriums (1728 eröffnet) vorgesehen. Ihm unterstand das evangelisch-lutherische Schulwesen in Stadt und Land, der Vorschlag der Geistlichen und Gymnasiallehrer, die Aufsicht über die Volksschullehrer, Ehestreitigkeiten, Proklamation von Verlobungen, Untersuchung und Bestrafung der Sittlichkeitsdelikte und die sonstige Sittenpolizei. 1812 gingen seine kirchlichen Befugnisse auf das evangelisch lutherische Konsistorium für das gesamte Großherzogtum Frankfurt über. 1814 begann das städtische evangelisch-lutherische Konsistorium seine Tätigkeit, beschränkt auf die religiösen, kirchlichen, Schul- und Erziehungsangelegenheiten der evangelisch-lutherischen Gemeinden. Zur Aufsicht über das Reformierte Kirchenwesen wurde gemäß Konstitutionsergänzungsakte 1820 das evanglisch-reformierte Konsistorium errichtet. 1823 wurde aus beiden evangelischen Konsistorien zur Aufsicht und Leitung der evangelischen Volksschulen eine besondere Behörde unter dem Namen Vereinte Evangelisch-protestantische Konsistorien errichtet. Ihm unterstanden die Musterschule, die Höhere und Mittlere Bürgerschule, die Katharinen-, Weißfrauen-, Allerheiligen- und Dreikönigsschule. Mit Errichtung der neuen städtischen Schulbehörden 1872 stellte diese Behörde ihre Tätigkeit ein.
1.12.20.1. Lutherisches Konsistorium
Bestandsname: Lutherisches Konsistorium: Protokolle
Laufzeit: 1743-1748, 1757-1759, 1780
Bestandsumfang und -inhalt: 10 Bände. Bestandsrest.
Findmittel: Unverzeichnet. Revidiert 1998.
Bestandsname: Lutherisches Konsistorium: Proklamationsprotokolle mit Beilagen
Laufzeit: 1750-1851
1.12.20.2. Evangelisch-Reformiertes Konsistorium
Bestandsname: Evangelisch-Reformiertes Konsistorium: Beilagen zum Proklamtionsprotokoll
Laufzeit: 1820-1851
Bestandsname: Evangelisch-Reformiertes Konsistorium: Akten
Laufzeit: 1819-1872
Bestandsumfang und -inhalt: 17 Faszikel Akten und 11 Faszikel Belege.
Findmittel: Rep. 65. Revidiert 1997.
1.12.21 Kirchliche Archive nichtstädtischen Ursprungs
1.12.21.1 Deutsch-Reformierte Gemeinde
Bestandsname: Deutsch-Reformierte Gemeinde
Laufzeit: 1570-1907
Bestandsumfang und -inhalt: 4 Rm. Bestandsrest: Bücher: Protokolle, Verhandlungen mit der Französisch-Reformierten Gemeinde, Gemeindemitglieder.
Findmittel: Unverzeichnet.
1.12.21.2 Französisch-Reformierte Gemeinde
Bestandsname: Französisch-Reformierte Gemeinde
Laufzeit: 1511-1967
Institutionengeschichte: 1550 verließen Französisch sprechende wallonische Glaubensflüchtlinge ihre niederländische Heimat und kamen 1554 über Süd-England unter Valérand Poullain nach Frankfurt. Einige Jahre mußte sich die Flüchtlingsgemeinde mit Privatgottesdiensten behelfen, da die Stadt den „Welschen“ keine Räumlichkeit zugestand. Erst 1601 erhielt die Gemeinde die Erlaubnis, außerhalb Frankfurts auf Ratsgebiet Wortverkündung und Abendmahl zu halten, nicht aber zu taufen und zu trauen. Bis Anfang des 19. Jh. hatte die Gemeinde innerhalb der Stadt keine Religionsfreiheit; erst ab der fürstl. primatischen Zeit wurde ihr das Recht eingeräumt, Taufen und Trauungen durch eigene Prediger vorzunehmen, eigene Schulen zu unterhalten und ein Konsistorium einzurichten. 1820 gliederte sich die reformierte Gemeinde in die Frankfurter. ev. Landeskirche ein. 1899 wurde ihr der Fortbestand der Presbyterialverfassung und die Selbstständigkeit ihrer Verwaltung gewährleistet und eine reformierte Stadtsynode geschaffen. Während der NS-Zeit wurde in der Kirche am Goetheplatz öfter die Synoden und theol. Tagungen der Bekennenden Kirche gehalten, wodurch sie zu einer Art Zufluchtstätte wurde. 1944 wurden die Gebäude am Goetheplatz zerstört und bis 1951 an der Eschersheimer Landstraße wieder aufgebaut.
Bestandsumfang und -inhalt: 268 Nummern, 11 Rm. Amtsbücher: Protokolle, Unterlagen über Gemeindemitglieder, Bücher der Diakonie, Kirchenbau, Kirchen- und Gottesdienstordnungen, Akten: zur Verfassung der Gemeinde, Verhandlungen mit den Behörden und der Deutsch-Reformierten Gemeinde, Finanzverwaltung, Karten und Pläne zu den Kirchenbauten.
Findmittel: Rep. 363, 653, 774 (=Register zu Rep. 653).
1.12.21.3 Niederländische Gemeinde Augsburger Confession
Bestandsname: Niederländische Gemeinde Augsburger Confession
Laufzeit: 1585-1985
Institutionengeschichte: Die Niederländische Gemeinde Augsburger Confessionen in Frankfurt. setzte die Tradition der lutherischen Gemeinde von Antwerpen fort. Die während der spanischen Protestantenverfolgung Mitte des 16. Jh. nach Frankfurt ausgewanderten Martinisten fanden in der Stadt bereitwillige Aufnahme, da sie sich zur Frankfurter. Staatsreligion bekannten und sich der lutherischen Gemeinde anschlossen. Zudem erbrachte ihre Integration wirtschaftliche Vorteile: Seiden- und Edelmetallindustrie, allerlei Handel sowie Tuch- und Seidenfärbereien wurden durch die Niederländer gefördert. Die anwachsende Zahl der Glaubensflüchtlinge nach der Kapitulation Antwerpens vor der Gegenreformation 1585 bedingte den Zusammentritt der „fremden Augsburger Konfessionsverwandten“ am 31. Mai 1585. Der Gottesdienst fand in der Weißfrauenkirche statt, beschränkten sich aber auf Predigt und Abendmahl. Für Taufen und Eheschließungen blieben (wie bei den Reformierten) die lutherischen Stadtgeistlichen der Barfüßerkirche zuständig. Persönlichkeiten der Gemeinde waren u.a. Cassiodorus de Reina, durch dessen Verbindung mit dem Frankfurter. Pfarrer Matthias Ritter die Antwerpener Gemeinde Anknüpfung an Frankfurt gefunden hat und der 1592 zum zweiten Prediger bestellt wurde, oder die großzügigste Wohltäterin Frau Schöff Magdalena Margaretha Andreae. Sie vermachte der Gemeinde 1787 ihr Haus im Großen Hirschgraben mit der Auflage, dort ein Waisenhaus für Kinder aus lutherischen verarmten Familien einzurichten.
Bestandsumfang und -inhalt: 23 Rm. Die Archivalien bieten Einblicke in die Gründung und Geschichte, Verwaltungsorganisation, Rechnungwesen, Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder sowie caritative Aktivitäten der Gemeinde.
Findmittel: Rep. 645 (auch gedruckt: Drummer, Heike: Findbuch zum Bestand Niederländische Gemeinde Augsburger Confessionen (1585-1985), Frankfurt 1988).
1.12.21.4 Oberländische Gemeinde
Bestandsname: Oberländische Gemeinde
Laufzeit: 1753-1893
Institutionengeschichte: Im Jahre 1753 vereinigte sich in Frankfurt am Main eine Anzahl von 100 Bürgern des evangelisch-lutherischen Glaubensbekenntnisses zu dem Entschluß, nach dem Vorbild der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession, durch das zusammengebrachte erste Stammvermögen und durch vierteljährige Beiträge der Stifter eine freiwillige Stiftung oder private Unterstützungsanstalt zu ihrem oder und der Ihrigen Besten zu errichten.
Bestandsumfang und -inhalt: 13 Bände, 1 Rm. Protokolle und Geschlechter- und Familienregister, unverzeichnet.
1.12.22. Witwen- und Waisenkasse der lutherischen Volksschullehrer
Bestandsname: Catalogus Ludimoderatorum Theutonicorum (Verzeichnis der deutschsprachigen Schulmeister)
Laufzeit: 1573-1730
Findmittel: Rep. 392.
1.12.23. Kirchen- und Standesbuchführung
Rep. 587 (Übersicht über die wichtigsten genealogischen Quellen im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt). Die Zivilstandsregister der Freien Stadt Frankfurt (1.1.1851-31.12.1875) und die Personenstandsregister (ab 1.1.1876) befinden sich im Standesamt.
Heinz F. Friederichs, Frankfurt am Main (Familiengeschichtliche Wegweiser durch Stadt und Land), Markschellenberg-Berchtesgaden 1940; Johann Georg Böhmer, Die Kirchenbuchführung der freien Stadt Frankfurt a.M., Frankfurt 1848; Heinrich v. Nathusius-Neinstedt, Die Frankfurter Kirchenbuchführung, in: Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst, 3 Folge, Bd. 6, 1899, S. 161-186.
1.12.23.1. Taufbücher
Bestandsname: Taufbücher 1533-1850 (auch auf Mikrofiche)
1.12.23.2. Heiratsbücher
Bestandsname: Heiratsbücher 1533-1848 (auch auf Mikrofiche)
1.12.23.3. Totenbücher
Bestandsname: Totenbücher 1565-1850 (auch auf Mikrofiche)
1.12.23.4. Sachsenhausen
Bestandsname: Sachsenhausen: Taufbücher 1703-1734, 1738-1833
Bestandsname: Sachsenhausen: Beerdigungsregister 1735-1833
1.12.23.5. Standesregister der Landgemeinden
Bestandsname: Niederrad, Evangelische Gemeinde 1857-1867
Bestandsname: Niederursel, Evangelische Gemeinde 1837-1873/74
Bestandsname: Oberrad, Evangelische Gemeinde 1811-1813
Bestandsname: Landaufgebotsbelege 1851-1866
1.12.23.6 Zertifikate über auswärtige Geburten, Trauungen oder Todesfälle 1811-1825
Bestandsname: Zertifikate über auswärtige Geburten, Trauungen oder Todesfälle 1811-1825
1.12.23.7 Wöchentliche Auszüge aus den Kirchenbüchern der Katholischen Gemeinde 1803-1807, 1810
Bestandsname: Wöchentliche Auszüge aus den Kirchenbüchern der Katholischen Gemeinde 1803-1807, 1810
1.12.23.8 Standesbücher der Jüdischen Gemeinde 1598-1717, 1808-1810
Bestandsname: Standesbücher der Jüdischen Gemeinde 1598-1717, 1808-1810
1.12.23.9 Jüdische Standesregister (1709-1877)
Bestandsname: Jüdische Standesregister (1709-1877), Findbuch zu den Microfiches Rep. 698
1.12.23.10 Standesbücher eingemeindeter Vororte
Bestandsname: Standesbücher eingemeindeter Vororte
Laufzeit: 1672-1874
Bestandsumfang und –inhalt: 611 Nummern und 1 Band Fotokopien ohne Nummer. Niederursel, Evangelische Gemeinde: Taufen 1837-1874, Nr. 421-458; Heiraten 1837-1873, Nr. 459-495; Todesfälle 1837-1874, Nr. 496-533. Rödelheim, Evangelische Gemeinde: Taufen 1808-1874, Nr. 1-65; Heiraten 1808-1874, Nr. 66-130; Beerdigungen 1834-1874, Nr. 131-193. Rödelheim, Katholische Gemeinde: Standesbuch 1833, Nr. 194; Taufen 1834-1874, Nr. 195-235; Heiraten 1834-1874, Nr. 236-276; Todesfälle 1834-1874, Nr. 277-317. Seckbach: Standesbücher 1672-1821, Fotokopien. Bockenheim Nr. 607-611. Standesregister jüdischer Gemeinde: Niederursel 1823-1874, Nr. 534-606; Rödelheim 1824-1848/1874. Nr. 318-420.
Findmittel: Rep. 626.
1.12.23.11 Akten der Kirchenbuchführung
Bestandsname: Akten der Kirchenbuchführung
Laufzeit: ca. 1840-1851
Intitutionsgeschichte: Nachdem seit dem 16. Jh. kontinuierlich Geburts-, Heirats, und Sterbebücher geführt wurden, gab es in der großherzoglichen Zeit dahingehend eine Änderung, dass durch die kurzzeitige Einführung des Code Civil vorübergehend konfessionsunabhängige Zivilstandsbücher eingeführt wurden. Die dafür zuständige Behörde unterstand dem Gericht erster Instanz.
Mit dem Ende der Napoleonischen Herrschaft schaffte man diese wieder ab und ließ die Hauptkirchenbuchexpedition die Personennachweise wiederum in Kirchenbüchern führen. 1851 wurde erneut die Zivilstandbuchführung eingeführt und die Standesbuchführung als Justizamt unter die behördliche Aufsicht der Justizverwaltung gestellt., die erst 1876 zugunsten eines einheitlichen deutschen Standesamtswesens aufgehoben wurde.
Bestandsumfang und -inhalt: Bestandsrest 2 Archivkartons. Inhaltlich bezieht sich der Bestand mit dem umfänglich größeren Teil auf die Aufgabenerledigung. Berichte Verordnungen, Instruktionen etc., lassen einen kleinen Einblick in die Verfahrensweise dieser Behörde zu.
Findmittel: Rep. 834
Bemerkung: Böhmer, Johann Georg: Die Kirchenbuchführung der freien Stadt Frankfurt a.M., Frankfurt 1848. Nathusius-Neinstedt, Heinrich von: Die Frankfurter Kirchenbuchführung, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 3. Folge, Bd. 6, S. 161-186, Frankfurt 1899