Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Beständeübersicht der Abteilung „Städtisches Archiv ab 1868“

2.5. Schul- und Hochschulwesen

2.5.1. Stadtschulamt

Bestandsname: Schulamt
Laufzeit: 1822-1979
Institutionsgeschichte: Das Schulwesen war vor 1866 in Frankfurt rein konfessionell organisiert. Jede der drei christlichen Konfessionen sollte ihre religiösen Schul- und Erziehungsangelegenheiten eigenständig besorgen. Zu diesem Zwecke bestand für die lutherische Gemeinde das lutherische Konsistorium, für die katholische Gemeinde die Kirchen- und Schulkommission. 1820 wurde zudem auch ein evangelisch-reformiertes Konsistorium für die beiden von den reformierten Kirchengemeinden unterhaltenen Schulen gebildet.
Das Gymnasium stellte eine Ausnahme dar. Es war interkonfessionell und unterstand dem evangelisch-lutherischen Konsistorium. Für die konfessionell gemischten Privatinstitute bestand eine besondere aus dem protestantischen Konsistorium und der katholischen Kirchen- und Schulkommission delegierte Inspektion von Mitgliedern aller drei Konfessionen. Dieser Behörde stand u.a. auch die Oberaufsicht über die Lehranstalten der jüdischen Gemeinden zu.
Nach 1870 fiel die Schulaufsicht im eigentlichen Sinne formal an das Land Preußen. Die Zuständigkeit für die Frankfurter Volks- und Mittelschulen lag nun beim Regierungspräsidium in Wiesbaden, für die höheren Schulen beim Provinzialschulkollegium in Kassel. Wesentliche Befugnisse blieben allerdings bei der Stadt, auch die Anstellung und Besoldung der Lehrkräfte.
1871 wurde schließlich eine Neuorganisation des Frankfurter Schulwesens durchgeführt. Für die von der Stadt Frankfurt dotierten oder unterhaltenen höheren Schulen wurde als eine Mittelinstanz zwischen den Anstalten und der staatlichen Aufsichtsbehörde das „Kuratorium für das Gymnasium und der sämtlichen höheren städtischen Schulen“ eingesetzt. 1872 fand diese Neuorganisation ihren Abschluss durch die Errichtung der Städtischen Schuldeputation.
Neben dem Kuratorium der höheren Schulen und der Schuldeputation folgte 1901 schließlich die Errichtung eines Schulvorstands der Fortbildungs- und Fachschulen. Alle drei Einrichtungen wurden zusammengefasst als „Städtische Schulbehörden“ bezeichnet.
Im Laufe der Zeit kam es zu einigen Namensänderungen, so wurde 1919 der Schulvorstand der Fortbildungs- und Fachschulen in Fachschulamt, 1922 in Deputation für das Fachschulwesen und 1924 in Berufsschulamt umbenannt.
1935 erfolgte die Aufhebung von Schuldeputationen, Schulvorständen und Schulkommissionen und die Berufung von Schulbeiräten für die verschiedenen Schulzweige.
Die heutige Bezeichnung „Stadtschulamt“ bekam das Amt 1953, um die städtische Schulverwaltung vom staatlichen Schulamt begrifflich mehr abzugrenzen.
Bestandsumfang und -inhalt: Der Bestand umfasst Unterlagen der Schulverwaltung zu übergreifenden Fragen, dann umfangreiches Material zu einzelnen öffentlichen und privaten, auch konfessionellen Schulen und zum Privatunterricht durch hierfür zugelassene Lehrer. 88,5 m.
Findmittel: Rep. 892 (Verwaltung der Schulen, Lehrer, Schüler und Sachwerte); Rep. 893 (Schulen im Einzelnen); Rep. 894 (Privatunterricht).
Bemerkungen: Schäfer, Kurt: Schulen und Schulpolitik in Frankfurt am Main 1900-1945, Frankfurt 1994. 

2.5.2. Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften

Bestandsname: Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften
Laufzeit: 1901-1941
Institutionsgeschichte: Die Akademie wurde 1901 unter städtischer Beteiligung als Handelshochschule gegründet und war eine der Keimzellen der 1914 gegründeten Frankfurter Universität, die ihr Archiv selbst verwaltet. Entscheidende Initiative ging vom Frankfurter Kaufmann Wilhelm MERTON und dem von ihm 1896 gegründeten Institut für Gemeinwohl aus.
Bestandsumfang und -inhalt: Anmelde- und Kollegienregister, laufende Listen, Namensverzeichnisse zu den Besuchern, Hospitanten und Hörern, sowie Exmatrikelbücher. 5 m.
Findmittel: Rep. 771.
Bemerkungen: Auffarth, Benjamin: Geschichte der Akademie für Sozial- und Handeslswissenschaften, in. Frankfurter Hochschulkalender 1914/14, S. 25-38; Hammerstein, Notker: Die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von der Stiftungsuniversität zur staatlichen Hochschule 1914-1950, Frankfurt 1989. 

2.5.3. Schulen

Die Unterlagen einzelner Schulen werden nur in Ausnahmefällen übernommen. Ziel ist in Übereinstimmung mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, den Schulen die Verwaltung ihrer Archive zu überlassen und sie dabei zu beraten.

Bestandsname: Helmholtzschule
Laufzeit: 1948-1972
Institutionsgeschichte: Die Helmholtzschule wurde 1912 als Realschule gegründet, 1919 zur Oberrealschule erhoben und war bis zur Aufnahme der ersten Mädchen 1968, die 1976 das Abitur machten, ein Gymnasium für Jungen.
Bestandsumfang und -inhalt: Abiturarbeiten 1948-1972 aus dem Vorzimmer des früheren Frankfurter Professors für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Dr. Hubert IVO. Die Abiturarbeiten der Helmholtzschule sind alle im Fach Deutsch geschrieben. Zum Teil liegen ihnen Themenlisten und Bemerkungen zur Themenauswahl durch die Schüler bei. Jeder Arbeit hängt ein Gutachten an.
Diese Serie gibt exemplarisch Aufschluss über das Bildungs- und insbesondere Sprachniveau von Abiturienten der jeweiligen Jahrgangsstufe und dient somit als Quelle zur Bildungs- und Sprachgeschichte. Sie zeigt auch, in wie fern die Themenvorschläge die Zeitgeschehnisse berühren und den Schülern eine Stellungnahme abverlangen. 1 m.
Findmittel: Rep. 846.

Bestandsname: Victoriaschule
Laufzeit: 1902-1950
Institutionsgeschichte: Ein direkter Vorläufer der Viktoriaschule war die 1855 gegründete Städtische höhere Bürgerschule für Knaben und Mädchen. Diese Einrichtung entwickelte sich zu einer reinen Mädchenschule weiter, die 1877 als Höhere Töchterschule zu Bockenheim eröffnet wurde. Als 1895 die Eingemeindung Bockenheims erfolgte, wurde die Schule der Städtischen Schuldeputation zu Frankfurt unterstellt. Diese verfügte 1898 eine Umbenennung der Schule zu Ehren der Kaiserin Viktoria in Viktoriaschule. 1920 erwarb die Schule ein eigenes Landheim in Eppenhain/Ts., das durch einen eigens gegründeten Verein über Elternspenden finanziert wurde. Im Krieg diente dieses Landheim als Kinderlandverschickungslager und nach dem Krieg als Flüchtlingslager. 1923 wurde die Viktoriaschule als Studienanstalt der Oberrealschulrichtung anerkannt und schloss mit dem Oberrealschulabitur ab. Von 1925-1929 erfolgte die Umwandlung in eine Deutsche Oberschule und 1936 in eine städtische Oberschule. Nachdem im März 1944 der Ostflügel der Schule völlig zerstört worden war und sämtliche Franfurter Schulen geschlossen waren, konnte der Unterrichtsbetrieb im Januar 1946 im unbeschädigten Teil der Schule wieder aufgenommen werden. Ein Jahr später benannte man die Viktoriaschule in Bettinaschule (nach Bettina von Arnim) um. Heute ist die Bettinaschule ein Gymnasium für Jungen und Mädchen mit mehr als 1000 Schülern und Schülerinnen.
Bestandsumfang und -inhalt: Der Schwerpunkt der Akten liegt in den 30er Jahren. 1 m.
Findmittel: Rep. 822.
Bemerkungen: Müller, Josef: Hundertjahrfeier der Bettinaschule, Frankfurt 1955.

Bestandsname: Schulen
Laufzeit: ca. 1850-1930
Bestandsumfang und -inhalt: Mischbestand. Bisher Varrentrappschule, Bezirksschule West, Bonifatiusschule, Katholische Schule Bockenheim.
Findmittel: EDV.

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