2.7.1. Sozialverwaltung
2.7.1.1. Wohlfahrtsamt
Bestandsname: Wohlfahrtsamt
Laufzeit: 1841-1958
Institutionsgeschichte: Das städtische Wohlfahrtswesen beginnt mit der Gründung des Armenamtes durch Inkrafttreten der städt. Armenordnung am 1. April 1883. Nach Übertragung der Aufgaben des Gemeindewaisenrates wurde das Armenamt zum 1. Juli 1900 in Waisen- und Armenamt und zum 1. Oktober 1918 in Wohlfahrtsamt umbenannt. Am 3. Juli 1914 wurde das Ortsstatut betr. Errichtung eines Jugendamtes erlassen. Bereits ab 1923 gab es Überlegungen, Wohlfahrtsamt und Jugendamt zusammenzulegen. Zunächst wurde inoffiziell der Name Jugend- und Wohlfahrtsamt benutzt. Durch Magistratsbeschluss vom 5. April 1928 erhielt das vereinigte Wohlfahrts- und Jugendamt die Bezeichnung Fürsorgeamt.
Bestandsumfang und -inhalt: 28 m.
Findmittel: Rep. 800.
Bemerkungen: Aufgaben und Organisation der städtischen Wohlfahrtsämter, Frankfurt 1921.
2.7.1.2. Fürsorgeamt
Bestandsname: Fürsorgeamt
Laufzeit: 1929-1973
Institutionsgeschichte: Das Fürsorgeamt bestand seit 1928 als Nachfolger des Wohlfahrtsamtes. Durch Magistratsbeschluss vom 27.08.1962 wurde es in Sozialamt umbenannt.
Ab 1957 war das Sozialverwaltungsamt aus der bis dahin bestehenden Verwaltungsabteilung hervorgegangen (ab 21.12.1973 Dezernatsverwaltungsamt DVA Soziales und Freizeit, ab 09.09.1974 DVA Soziales, Jugend und Wohnungswesen, ab 11.06.1977 DVA Soziales und Jugend, ab 02.07.1979 DVA Soziales, Jugend und Wohnungswesen, ab 01.03.1995 DVA Soziales und Jugend).
Ab 01.06.1998 wurden Fürsorgeamt, Jugendamt und DVA Soziales und Jugend zum Jugend- und Sozialamt zusammengelegt.
Bestandsumfang und -inhalt: Sachakten, Schwerpunkt liegt nach 1945, 55 m.
Findmittel: Rep. 942 (Hauptgruppe 1: Allgemeine Angelegenheiten).
Bestandsname: Fürsorgeakten
Laufzeit: 20.Jh.
Bestandsumfang und -inhalt: Fürsorgeerziehungslisten, Einzelfallakten. 217 m.
Findmittel: Kartei. Bestand gesperrt; Auskunft erteilt das Jugend- und Sozialamt.
2.7.1.3. Jugendamt
Bestandsname: Adoptionsakten
Laufzeit: ca. 1900-1945
Bestandsumfang und -inhalt: Akten des 1914 gegründeten und 1928 mit dem Wohlfahrtsamt zum Fürsorgeamt zusammengefaßten Jugendamtes (Laufzeit 1914-1931) wurden zusammen mit anderem Schriftgut der Sozialverwaltung übernommen und durch eine Liste erschlossen. Ad optionsakten und (Amts)Vormundschaftsakten sind über Karteien erfaßt. Während die Adoptionsakten Kinder ab ungefähr 1900 erfassen, setzen die (Amts)Vormundschaftsakten 1945 ein. 65 m.
Findmittel: Kartei. Bestand gesperrt; Auskunft erteilt das Jugend- und Sozialamt.
Bestandsname: Vormundschaftsakten
Laufzeit: 1945 ff.
Bestandsumfang und -inhalt: 667 m. Vgl. Jugendamt: Adoptionsakten.
Findmittel: Kartei. Bestand gesperrt; Auskunft erteilt das Jugend- und Sozialamt.
2.7.1.4. Städtische Arbeitszentrale für Erwerbsbeschränkte
Bestandsname: Arbeitszentrale für Erwerbsbeschränkte
Laufzeit: 1919-1943
Institutionsgeschichte: Hervorgegangen aus dem 1903 begründeten Verein Hausratsammelstelle e. V. 1920 als „Städtische Arbeitszentrale für Erwerbsbeschränkte“ verstadtlicht, 1933 aufgelöst und als Teil der Arbeitsfürsorge mit der Bezeichnung „Gemeinnützige Arbeitsstätte“ übernommen, 1934 „Volksdienst des Städtischen Fürsorgeamtesamtes“, 1938: Fürsorgeamt, Gemeinnützige Arbeitsstätte, 1943 aufgelöst.
Bestandsumfang und -inhalt: 1,5 m.
Findmittel: Rep. 736.
2.7.2. Gesundheitsverwaltung
2.7.2.1. Stadtgesundheitsamt
Bestandsname: Stadtgesundheitsamt - Sachakten
Laufzeit: 1941-1990.
Bestandsumfang und -inhalt: Sachakten des 1917 ins Leben gerufenen Stadtgesundheitsamtes sind in mehreren Ablieferungen übernommen worden. Aus der Zeit ab 1944 stammen weitere Ablieferungen von Sachakten des Stadtgesundheitsamtes und sind über Ablieferungslisten zugänglich. 19 m.
Findmittel: Rep. 888.
Bemerkungen: Bauer, Thomas; Heike Drummer; Leoni Krämer: Vom „stede arzt“ zum Stadtgesundheitsamt. Die Geschichte des öffentlichen Gesundheitswesens in Frankfurt am Main, Frankfurt 1992.
Bestandsname: Stadtgesundheitsamt
Laufzeit: 1917-1955
Bestandsumfang und -inhalt: 1. Jugendsichtungsstelle (1917 ff.). Zusammen mit den Erbgesundheitsakten wurden Einzelfallakten der 1917 eingerichteten Jugendsichtungsstelle zur Untersuchung und Begutachtung von Kindern und Jugendlichen, die 1933 in die Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke des Stadtgesundheitsamtes eingegliedert wurden, übernommen.
2. Erbgesundheitsakten (1925-1955). Diese zusammen mit den Akten der Jugendsichtungsstelle übernommene Aktengruppe setzt sich in erster Linie aus Akten zu Zwangssterilisationsverfahren und Vorgängen zu Ehestandsdarlehen zusammen (Akzession III/5-1985) und wird durch vorarchivische Karteien (Akzession III/1-1996) und eine für die gesamte Ablieferung einschließlich der Jugendsichtungsstelle begonnene Kartei erschlossen, nicht zuletzt deshalb, weil von der Jugendsichtungsstelle betreute Kinder und Jugendliche später Opfer der NS-Eugenik wurden. Das Stadtgesundheitsamt war nur für die rechtsmainischen Stadteile zuständig (Beratungsstelle I für Erb- und Rassenpflege). Die linksmainischen Stadtteile unterstanden dem Universitäts-Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene, Beratungsstelle II für Erb- und Rassenpflege (Prof. v. VERSCHUER), von dem sechs Akten mit erbbiologischen Gutachten 1972 von den Universitätskliniken abgegeben wurden (Akzession 38/72, Akzessionsanlage 580). Nachforschungen nach weiteren Akten dieser Art blieben erfolglos.
Zusammen 123 m.
Findmittel: Teilweise durch Kartei erschlossen.
Bemerkungen: Daum, Monika; Hans-Ulrich Deppe, Zwangssterilisation in Frankfurt a. M. 1933-1945, Frankfurt 1991.
2.7.2.2. Nervenklinik
Bestandsname: Nervenklinik
Laufzeit: Ca. 1880-1920
Bestandsumfang und -inhalt: Krankengeschichten, nach Geschlechtern alphabetisch abgelegt. 147 m.
Bemerkungen: Braum, Dagmar: Vom Tollhaus zum Kastenhospital. Ein Beitrag zur Geschichte der Psychiatrie in Frankfurt a. M., Hildesheim 1986; Maurer, Konrad; Ulrike Maurer: Alzheimer. Das Leben eines Arztes und die Karriere einer Krankheit, München 1998.
2.7.3. Sport
2.7.3.1. Sport- und Badeamt
Bestandsname: Sport- und Badeamt
Laufzeit: 1894-1990
Institutionsgeschichte: 1894 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Verwaltung der städtischen Badeanstalten, die den Namen Städtische Schwimmbad-Kommission tragen sollte. Mit der Ausführung der Aufgaben wurde die Inspektion des Städtischen Schwimmbades -ein Vorläufer des späteren Sport- und Badeamtes- betraut. 1911 erfolgte eine Umbenennung der Städtischen Schwimmbad-Kommission in Städtisches Badeamt. Die Aufgaben wurden nun von der Schwimm- und Badeinspektion ausgeführt. Als nach Beendigung des Ersten Weltkrieges die Turn- und Sportbewegung einen gewaltigen Aufschwung erfuhr, stellte sich die Notwendigkeit heraus, auch die Arbeit der turn- und sportpflegenden Vereine von der Gemeinde aus zu unterstützen. 1920 kam es deshalb zur Gründung eines Amtes für Leibesübungen. Es bestand aus zwei selbständig arbeitenden Dienststellen mit den Bezeichnungen Direktion für Turn-, Sport- und Spielwesen und der Direktion der städtischen Bäder. Ab 1925 trug dieses Amt die Bezeichnung Stadtamt für Turn-, Sport- und Badewesen. 1934 wurden im Zuge der Vereinfachung der städtischen Verwaltung die seinerzeit getrennten Dienststellen im Sportamt vereinigt und unter einheitliche Verwaltung gestellt. Seinen heutigen Namen erhielt es 1948 als das Sportamt schließlich in Sport- und Badeamt umbenannt wurde, um das Badewesen, welches immer noch ein großes Aufgabengebiet umfasste, wieder als eigenständigen Bereich in einer Abteilung zu führen.
Bestandsumfang und -inhalt: Unterlagen zu einzelnen Sportvereinen, Sportstätten und vor allem Badeanstalten im Frankfurter Stadtgebiet, ihre Errichtung und ihr Betrieb. 10,5 m.
Findmittel: Rep. 860.
Bemerkungen: Mueller, Martin L.: Turnen und Sport im sozialen Wandel. Körperkultur in Frankfurt a. M. während des Kaiserreiches und der Weimarer Republik, in: Archiv für Sozialgeschichte, 3, 1993, S. 107-136.
2.7.3.2. Büro Stadträtin Schenk
Bestandsname: Büro Stadträtin Schenk
Laufzeit: ca. 1989-2001
Personengeschichte: Die am 1. Juni 1952 in Rothenburg/Wümme geborene Sylvia SCHENK studierte nach ihrem Abitur im Jahre 1970 Jura in Marburg, ab 1971 dann in Frankfurt. Nach ihrem 1. Staatsexamen 1978 arbeitete sie ein Jahr als Rechtsanwältin in Frankfurt, anschließend bis 1989 als Arbeitsrichterin in Offenbach. Darüberhinaus war sie jedoch schon immer sportlich engagiert. Von 1970 bis 1974 war sie zehnfache deutsche Meisterin im 800- und 1.500-Meterlauf, 1972 errang sie bei den Olympischen Spielen in München Platz 9 im 800-Meterlauf.
1977 trat SCHENK in die SPD ein und wurde 1984 in das Frankfurter Stadtparlament gewählt. Im Juni 1989 wurde die Juristin zur Sportdezernentin ernannt. Ihr Aufgabenbereich dehnte sich im Laufe der Jahre jedoch noch kontinuierlich aus. Neben dem Bereich Sport kam 1991 der Bereich Recht, 1995 der Bereich Frauen und von 1995 bis März 2000 der Bereich Wohnungswesen hinzu.
Bestandumfang und -inhalt: Bei dem Schriftgut handelt es sich um die Vorzimmerregistratur der Stadträtin Sylvia SCHENK, die von 1989 bis 2001 Sportdezernentin der Stadt Frankfurt war.
Findmittel: Rep. 898
2.7.4. Kriegsfolgen und Flüchtlingswesen
2.7.4.1. Besatzungsamt
Bestandsname: Besatzungsamt
Laufzeit: 1944-1954
Institutionsgeschichte: Das städtische Besatzungsamt wurde im Mai 1945 gegründet, um die Folgen der amerikanischen Besatzung Frankfurts für die Bevölkerung zu regeln. Gemäß Geschäftsordnung beschäftigte sich das Besatzungsamt mit der Erfüllung aller Auflagen der Militärregierung an die Stadtverwaltung, der Vermittlung von Anliegen der Bevölkerung und der Stadtverwaltung an die Militärregierung, z.B. Wiederbeginn des Frankfurter Wirtschaftslebens, Betreuung des gesamten Kraftfahrwesens. Nach einer bereits kurzen Zeit hatte das Besatzungsamt folgende Aufgaben: Quartierleistungen für die Besatzungstruppen und Ausländer, Sonstige Quartierleistungen und Flüchtlingsbetreuung, Sachleistungen für die Besatzungsmacht, Arbeitsleistungen für die Besatzungsmacht, Finanzielle Abrechnung, Vermittlung von Anträgen aus der Stadtverwaltung an die Besatzungsmacht, Vermittlung von Anträgen aus der Bevölkerung auf Ausstattung von Passierscheinen, Fahrraderlaubnis usw., Unmittelbare Förderung städtischer Zwecke, einschließlich der Wirtschaft in Verbindung mit der Militärregierung (Arbeitsgebiet: Kraftfahrwesen und Bewirtschaftung der Treibstoffe).
Aus Gründen der Zweckmäßigkeit existierten 5 Bezirksstellen, um übermäßigen Andrang der Bevölkerung und lange Wege der Antragsteller zu vermeiden (Bezirksstellen Mitte, Nordost, Süd, West und Höchst).
Zwischenzeitlich wurde u.a. das städtische Informationsbüro in das Besatzungsamt eingegliedert; die Verteilung gewerblicher Räume, die bisher dem Besatzungsamt oblag, dem Wohnungsamt (bzw. dem Verkehrs- und Wirtschaftsamt) zugewiesen, die treuhänderische Verwaltung der bei NS-Aktivisten beschlagnahmten Möbel vom Besatzungsamt auf das Wohnungsamt übertragen und die bisherige Abteilung des Besatzungsamtes Raum- und Quartierbeschaffung bzw. „Sonderstelle Zweizonen Aktion“ dem Wohnungsamt als selbständige Nebenstelle mit der Bezeichnung Wohnungsbehörde, Sonderstelle für Besatzungsmacht und Zonenverwaltung, angegliedert.
Die innere Organisation des Besatzungs- und Schädenamtes erklärt sich durch den Geschäftsverteilungsplan vom 19. April 1948, in dem beide Ämter unter einem Amtsleiter zusammengefasst waren. Es existierten drei Abteilungen: Abteilung I kümmerte sich um Rechtsangelegenheiten sowie um die Verbindung zu amerikanischen Dienststellen, Abteilung II beschäftigte sich mit Besatzungskosten, Abteilung III war zuständig für Kriegsschäden.
Mit Wirkung vom 01.07.1950 ging das Besatzungsamt in die Staatsverwaltung als Besatzungskostenamt Frankfurt am Main, zuständig für den Stadtkreis Frankfurt und die Landkreise Main-Taunus-Kreis, Obertaununskreis und Usingen, über. Das Schädenamt wurde ab 01.04.1952 organisatorisch in das Soforthilfeamt eingegliedert.
Bestandsumfang und -inhalt: 2 m.
Findmittel: Rep. 840.
2.7.4.2. Anmelde- und Vorprüfstelle zur Durchführung des Entschädigungsgesetzes
Bestandsname: Anmelde- u. Vorprüfstelle zur Durchführung des Entschädigungsgesetzes
Laufzeit: 1945-1958
Institutionsgeschichte: Nachkriegsbehörde.
Bestandsumfang und -inhalt: Einzelfallakten unter der Bestandsbezeichnung NS-Verfolgte, u. a. in Einzelfällen von Widerstand und Verfolgung heranzuziehen. Sachakten und Anträge. 48 m.
Findmittel: Rep. 813, Kartei.
2.7.4.3. Ausgleichsamt
Bestandsname: Ausgleichsamt
Laufzeit: 1945-1992
Institutionsgeschichte: Während des 2. Weltkrieges war vielen Menschen Schaden entstanden, zu dessen Ausgleich durch Magistratsbeschluss Nr. 496 vom 04.07.1949 das Amt für Soforthilfe eingerichtet wurde. Es war gemäß Gesetz zur Milderung dringender sozialer Notstände (Soforthilfegesetz) vom 08.08.1949 für die Soforthilfeaufgaben zuständig. Das Amt für Soforthilfe wurde 1952 umorganisiert zum Ausgleichsamt und bearbeitete Anträge auf Grund des Gesetzes über den Lastenausgleich (Lastenausgleichsgesetz), des Gesetzes über die Feststellung von Vertreibungsschäden und Kriegssachschäden (Feststellungsgesetz) und des Gesetzes über einen Währungsausgleich für Sparguthaben Vertriebener (Währungsausgleichsgesetz) vom 14.08.1952 sowie des Gesetzes zur Milderung von Härten der Währungsreform (Altsparergesetz) vom 01.04.1959. Hinzu kamen dann noch weitere Aufgaben u. a. auf Grund des Allgemeinen Kriegsfolgegesetzes, des Kriegsgefangenenentschädigungsgesetzes und des Häftlingshilfegesetzes. Mit Organisationsverfügung vom 12.01.1999 wurde das Ausgleichsamt in das Jugend- und Sozialamt integriert.
Bestandsumfang und -inhalt: Von 1988 bis 1996 übergab das im Zuge des Lastenausgleiches nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtete Ausgleichsamt in mehreren Ablieferungen Sachakten zum Flüchtlingswesen, seine nach Straßen und Häusern angelegte Frankfurter Gebäudeschädenkartei, Antragsakten nach dem Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz (Buchstabe L) und ausgewählte Akten zu Aufbaudarlehen für die gewerbliche Wirtschaft. 17 m.
Findmittel: Rep. 825.