Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Beständeübersicht der Abteilung „Sammlungen“

3.3. Kartensammlung

Bestandsname: Kartensammlung
Laufzeit: 1550 ff.
Bestandsumfang und -inhalt: Die Kartensammlung entstand im Jahr 1755, als die verschiedenen Pläne und Risse von den Lagerstätten in den Magazinräumen zusammengetragen und vereint wurden. 1810 erfolgte eine Revision und Neuordnung des Bestandes. Schon im 19. Jahrhundert wurden einige Karten, besonders die bau- oder kunstgeschichtlich interessanten dem Historischen Museum der Stadt Frankfurt überlassen. Eine erneute Revision wurde 1892 vorgenommen, 1910 wiederum eine Neuordnung. Die bis 1943 neu hinzukommenden Pläne wurden eher kursorisch als systematisch in den alten Findmittel nachgetragen. Das Kartenverzeichnis wuchs so auf über 500 Nummern mit einer allerdings sehr viel größeren Anzahl an zugehörigen Blättern, so dass die alte Kartensammlung mehrere tausend Stück umfasste.
Nur etwa ein Zehntel der Sammlung überstand den Krieg. Der Neuaufbau erfolgte durch gezielte Ankäufe, Abgabe von Ämtern, Schenkungen und zum Teil durch Ergänzungen aus der Dublettensammlung des Historischen Museums.
Die frühesten Frankfurter Karten vom Ende des 16. Jahrhunderts waren - abgesehen von gedruckten Stadtplänen, die allein dekorativen Zwecken dienten - handgezeichnete sog. Augenscheinkarten, die topografische Gegebenheiten eines bestimmten Gebietes darstellten. Sie dienten als visualisierendes Hilfsmittel in Gebiets- oder Rechtsstreitigkeiten mit an die Frankfurter Gemarkung angrenzenden oder in Frankfurt ansässigen Herrschaften. Abgesehen von diesen Mitteln der Beweissicherung entstanden Karten in einer sich diversifizierenden Verwaltung als Produkte neuer Tätigkeitsfelder, zuerst im Bereich der Forst-, dann auch der Bauverwaltung. Zunehmend wurde es wichtig, nicht nur den status quo im Kartenbild festzuhalten, sondern auch Planungen darzustellen. So entstanden schon im 18. Jahrhundert Entwurfszeichnungen für Neu- oder Wiederaufbaugebiete (Wiederaufbau Judengasse 1711, Stadterweiterung Fischerfeld ab 1792). Von diesen frühen Karten hat keine den Krieg überstanden.
Insgesamt umfasst die Kartensammlung ca. 70.000 Blätter. Sie versammelt Materialien zur Entwicklung der Stadt Frankfurt einschließlich der nahen Umgebung. Da die Frankfurter Bauakten vernichtet wurden, gibt es fast keine Überlieferung zu Privatbauten der Vorkriegszeit. Einen gewissen Ersatz können die ursprünglich von den Stadtwerken, ab 1998 Mainova AG, verwalteten Bewässerungspläne bieten, die 2001 vom Institut für Stadtgeschichte übernommen worden sind.
Die Kartensammlung speist sich heute aus den Abgaben städtischer Grün-, Bau- und Planungsämter sowie von Stadtvermessungs- und Katasteramt. Zukäufe füllen Lücken im Bereich der älteren Überlieferung.

Wichtige Bestandteile der Kartensammlung sind:

Findmittel: Findbücher für die untergegangene alte Kartensammlung: Rep. 281, 282
Findmittel für die aktuelle Sammlung: Kartei bis 4/1998, PC-Recherche ab 5/1998. Die Pläne des Hochbauamtes sind durch eine Abgabeliste erschlossen, die wichtigsten Gebäude als Stichwort in die Kartei eingearbeitet. Der Nachlass Senf ist noch unverzeichnet.
Die Stadtpläne und Stadtgrundkarten bis ca. 1975 sind mikroverfilmt und können mittels eines Lese-Kopier-Gerätes vervielfältigt werden. Kopien sind nur von verfilmten Karten möglich, alle anderen müssen fotografisch reproduziert werden.
Bemerkungen: Ritter, H.: Die alten Frankfurter Stadtpläne, in: Frankfurt am Main 1886-1910. Ein Führer durch seine Bauten, Frankfurt 1910, S. 27 ff. - Neunhöfer, Emilie: Beiträge zur Geschichte der Karten des Rhein-Main-Gebietes. Diss. Frankfurt, 1933. - Ehrlich, Wilfried: „nach besten synnen und vernunften“. Geschichte der Stadtvermessung in Frankfurt am Main. Frankfurt, 1987. - Klötzer, Wolfgang: Frankfurts Entwicklung im Kartenbild, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 60 (1985), S. 36 ff.

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