Teil 1: Vom Mittelalter bis 1860
Keimzelle der Frankfurter Siedlungsgeschichte war der Domhügel. Siedlungsspuren
lassen sich auf der hochwasserfreien Erhebung seit dem ersten vorchristlichen
Jahrhundert nachweisen. Die Vorgängerkirche des heutigen Doms war eine
Kapelle der dort gelegenen karolingischen Pfalz. Begrenzt im Süden durch
den Main, im Norden durch einen verlandeten Mainarm, „die“ Braubach (Braubachstraße),
im Osten durch das sumpfige, bis in die Neuzeit unbebaute Fischerfeld, im Westen
durch die in den Karmeliterhügel übergehende Römerbergsenke,
erhielt das Areal im 10. Jahrhundert eine Befestigungsmauer.
Während der Stauferzeit wuchs die Siedlung zur Stadt, für die die
alten Grenzen zu eng wurden. So schützte etwa ab 1200 eine neue Mauer,
deren Reste heute noch am östlichen Ende der Töngesgasse zu sehen
sind, die sich rasch entwickelnde Stadt.
Der nächste Schritt erfolgte 1333 als Kaiser Ludwig der Bayer den Frankfurter
Bürgern eine Erweiterung des Stadtgebietes und eine neue Stadtmauer zugestand.
Das neue Stadtareal, drei Mal so groß wie das bisherige, umfasste die
heutige Innenstadt und reichte bis weit in die Neuzeit als Siedlungsfläche
für die Bevölkerung aus. Für mehrere Jahrhunderte bildete die
Stadtmauer bis auf einige befestigte Gutshöfe und burgähnliche Sitze
im Weichbild der Stadt auch die Bebauungsgrenze. Eine sich etwa im Abstand
von zwei Kilometern um die Stadt ziehende Landwehr aus Gebück und Graben
schützte im Vorfeld das Gebiet dieser Landwirtschafts- und Gärtnereizone.

Frankfurt vom frühen Mittelalter bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts
Quelle: Geschichtlicher Atlas von Hessen, bearbeitet von Fred Schwind und Marianne Schalles-Fischer
Zur großen Abbildung
In den unsicheren Zeiten des dreissigjährigen Krieges setzte man ab 1628
vor die mittelalterliche Stadtmauer dem Stand der Kriegstechnik entsprechende
bastionäre Befestigungen, die sich heute noch in den Zacken des Anlagenringes
nachvollziehen lassen.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts schätzt man die Frankfurter Bevölkerungszahl
auf knapp über 20.000 Einwohner.
Als einziges zusammenhängendes Stadtviertel innerhalb der alten Befestigungungsanlagen
entstand ab 1792 die klassizistische Fischerfeldbebauung, deren Fertigstellung
sich allerdings weit ins 19. Jahrhundert hineinzog .
Während des 18. Jahrhunderts übersprang die Bautätigkeit die
bisherigen Stadtgrenzen. Entlang der großen Ausfallstraßen und
beider flussabwärts gelegener Mainufer bauten sich begüterte Frankfurter
Familien Sommerwohnhäuser, die im Laufe der Zeit auch zum dauernden Aufenthalt
dienten. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die sich besonders nach
der Niederlegung der Festungswälle ab 1804 verstärkt fortsetzte.
Etwa ab 1830 begann die Entwicklung der Außenstadt durch gesteigerte
Bautätigkeit in der ehemaligen Gärtnereizone vor dem Anlagenring.
Bauvorschriften von 1849/51 versuchten, die vorher regellose Bautätigkeit
in geordnetere Bahnen zu lenken, indem sie Fluchtlinien, Bauhöhe und Abstand
zu Nachbarn vorgaben.
Frankfurt am Main in der Zeit von 1845-1860
Autor: Werner Hebebrand, Leiter des Planungsamtes 1946-48
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Ab 1839 hielt in Frankfurt das neue Verkehrsmittel Eisenbahn Einzug . Als
erste Strecke ging die Verbindung Frankfurt Höchst in Betrieb mit Fortsetzung
nach Wiesbaden 1840. 1846 folgte die Bahnlinie nach Darmstadt. Bis 1852 nahmen
auch die Strecken nach Kassel und Hanau den Verkehr auf. Die zweite Brücke über
den Main war eine Eisenbahnbrücke.
Bis 1860 stieg die Einwohnerzahl auf etwa 75.000 Personen.
Die Entwicklung nach 1860 erfahren Sie im 2. Teil dieser Reihe im nächsten
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© Klaus Rheinfurth