Am 14. Dezember 1918 marschierten französische Truppen in Höchst
ein, das zusammen mit Sossenheim, Nied, Griesheim, Schwanheim und den 1917
nach Höchst eingemeindeten Orten Sindlingen, Unterliederbach und Zeilsheim
bis 1930 zum französisch besetzten Brückenkopf Mainz gehörte.
Die Nidda war zunächst Ostgrenze des besetzten Gebietes, das im April
1919 um Nied links der Nidda und Griesheim erweitert wurde.
Die Besatzung dauerte bis 1930, auch wenn die letzten französischen Soldaten,
darunter Truppen aus den Kolonien, im Dezember 1929 abzogen. Der Besetzung
folgten Verkehrsbeschränkungen zwischen dem besetzten und dem unbesetzten
Gebiet sowie Kontrollen mit besonderen Ausweisen. Die Besatzer regierten zunächst
mit harter Hand. Als die Belegschaft der Farbwerke im Juni 1919 nach dem Ausruf
der „Rheinischen Republik“ durch Separatisten streikten, wurden
der Höchster Oberbürgermeister Dr. Janke und der Landrat des Kreises
Höchst, Dr. Klauser, ausgewiesen.
Ab 1924 wurde die Herrschaft der Besatzung milder, deren Truppen Ende desselben
Jahres die an der heutigen Windthorststraße gebaute Kaserne bezogen.
Diese Kaserne, einige Wohnhäuser für Offiziere und Unteroffiziere
und das Kommandanturgebäude erinnern noch heute an die französische
Besatzungszeit.
© Dr. Konrad Schneider
Berichtigung (Transkript)
Der Herr Platzkommandant hat den Herrn Oberbürgermeister [Dr. Janke]
beauftragt, folgende Berichtigung im „Kreisblatt“ bekannt zu geben:
Frankfurter Zeitungen vom 24. Dezember haben Nachrichten veröffentlicht,
welche falsch und geeignet sind, die öffentliche Meinung gegen die französischen
Besatzungstruppe zu stimmen.
1. Es ist falsch, dass der Kommandant der französischen Truppen die Beziehungen
zwischen dem besetzten Gebiete und der neutralen Zone vollständig untersagt
habe; die Arbeiter sind nie verhindert worden in den Fabriken zu Arbeiten,
wo sie regelmäßig beschäftigt sind.
2. Die Identitäts-Nachweise, um über die Grenze und zurückzukommen,
sind ungültig, es sei denn, dass sie von dem General Mangin, Kommandant
der 10. Armee in Mainz, unterzeichnet sind.
3. Es ist unbedingt falsch, dass die Franzosen die Eisenbahnschienen in der
Grenzstation Nied entfernt hätten: zum Beweise davon dient, dass die
Arbeiterzüge nach beiden Richtungen weiter fahren; die Arbeiter aus
der Bannmeile von Frankfurt sind nie verhindert worden in den Fabriken
zu arbeiten, wo sie regelmäßig eingeschrieben sind, wenn sie
Träger eines
ordnungsmäßigen Personal-Ausweises sind, welcher von der französischen
Militärbehörde genehmigt ist.
4. Es ist falsch, dass die Franzosen in Nied Geiseln genommen hätten,
die das Wohlverhalten der Arbeiter gewährleisten sollten. Zwei Leute von
Nied sind festgenommen und ins Gefängnis gebracht worden; dieses sind
zwei Trunkenbolde oder zwei Narren, welche gedroht hatten, den ersten besten
Franzosen, dem sie begegnen würden, umzubringen.
Höchst a. M., den 25. Dezember 1918
Der Oberstleutnant, Platzkommandant von Höchst:
C. Legneux
Quelle: Höchst, 1.072, S. 7 (Höchster Kreisblatt vom 27. Dezember 1918)
Verkauf von Pferdedung aus französischen Armeebeständen
Als die Franzosen in Höchst einmarschierten, verlangten sie Quartiere
für 3.500 Mann, 1.200 Pferde und 150 Fahrzeuge. Die Pferde der bespannten
Einheiten produzierten erhebliche Mengen von Dung, dessen Verwertung damit
die Militärverwaltung beschäftigte.
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Quelle: Höchst, 1.071, fol. 70
Bestrafung der Stadt Höchst
in Person von Oberbürgermeister Dr. Janke für den Diebstahl und
das Zerreißen einer französischen Fahne
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Quelle: Höchst, 1.071, fol. 208

Von Dezember 1918 bis April 1919 war die Nidda Grenze zwischen dem
besetzten
und dem unbesetzten Gebiet und die Niddabrücke Grenzübergang