Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 2

Am Dom fing alles an

Die Frankfurter Stadtentwicklung vom Mittelalter bis heute

Teil 2: 1860-1890

Einschneidende politische Veränderungen brachte das Jahr 1866, als Frankfurt seinen Status als freie Stadt und seine dörflichen Besitzungen verlor und im Königreich Preußen aufging. Der Gründerzeitboom nach dem gewonnen Krieg gegen Frankreich brachte der Stadt einen starken Aufschwung. Die einst reine Handelsstadt wandelte sich zögernd zur Industriestadt und zum Knotenpunkt des Eisenbahnverkehrs (neuer Zentralbahnhof mit Hauptgüterbahnhof 1888). Innerhalb von zwanzig Jahren verdoppelte sich die Bevölkerung durch Zuzug und die Eingemeindung Bornheims 1877 und stieg bis 1890 auf 180000 Einwohner, was zu entsprechender Wohnungsnachfrage führte. Nach Pariser Vorbild entwickelte sich entlang diagonaler und rasterförmiger Trassen geschlossene Blockrandbebauung in den Stadterweiterungsgebieten, die sich ringförmig um die Innenstadt legten vor allem im West-, Nord- und Ostend, aber auch in Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad, Bornheim und Bockenheim. Träger der Bautätigkeit waren private Terraingesellschaften, deren Interessen nach bester Grundstücksausnutzung die neue Bauordnung (1884) sehr entgegenkam. Einheitlich für das gesamte Stadtgebiet wurde eine Gebäudehöhe von fünf Stockwerken festgelegt und eine Bebauung der Grundstücke zu drei Vierteln zugelassen, was eine massive Verdichtung bedeutete. 

Karte, Frankfurt 1860-1880Frankfurt am Main in der Zeit von 1860-1880

Autor: Werner Hebebrand, Leiter des Planungsamtes 1946-48

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Trotz reger Bautätigkeit fehlte billiger Wohnraum. Anfänge des sozialen Wohnungsbaues entstanden auf Initiative von gemeinnützigen Vereinen, nicht von Seiten der Kommune. Privater Initiative sind auch zahlreiche Einrichtungen zu verdanken, die in jenem Zeitraum entstanden und von denen die Einwohner noch heute profitieren (Palmengarten, Zoologischer Garten, Opernhaus, Neubau Museum Städel).

Die Grundlagen einer großstädtischen Entwicklung wurden nach 1866 gelegt. Es entstanden die Einrichtungen der Ver- und Entsorgung (Kanalisation ab 1867, Kläranlage 1887, Trinkwasserleitungen Vogelsberg und Spessart 1873/75, Markthalle 1878, Schlachthof 1885). Straßendurchbrüche und neue Verkehrsmittel veränderten das Erscheinungsbild der Innenstadt (Pferdebahn 1872, elektrische Straßenbahn 1884). Mainkanalisation mit neuem Hafen (1886) und neue Brückenbauten (Eiserner Steg 1869, Untermainbrücke 1874, Obermainbrücke 1878, Eisenbahnbrücken Main-Neckar-Brücke und Niederrad) dienten einer besseren Verkehrserschließung. 

Karte, Frankfurt 1880-1890Frankfurt am Main in der Zeit von 1880-1890

Autor: Werner Hebebrand, Leiter des Planungsamtes 1946-48

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© Klaus Rheinfurth

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