Teil 3: 1890 - 1914
In der Ära des Oberbürgermeisters Franz Adickes (1890-1912) forcierte
sich der Ausbau zur Industriestadt und Wirtschaftsmetropole und Frankfurt wuchs
auch flächenmäßig zur wirklichen Großstadt. Die Einwohnerzahl
stieg bis zum 1. Weltkrieg durch Eingemeindungen (1895: Bockenheim, 1900: Niederrad,
Oberrad, Seckbach, 1910: Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim,
Hausen, Heddernheim, Niederursel, Praunheim, Preungesheim, Rödelheim)
und Wanderungsgewinn (bis 1905 rund 110.000) auf 437.000 Personen.
Frankfurt am Main in der Zeit von 1890-1900
Autor: Werner Hebebrand, Leiter des Planungsamtes 1946-48
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In dieser Ära gab es zum ersten Mal eine Stadtentwicklung, die einer
Gesamtplanung folgte. Ein 1891 verabschiedeter Bebauungsplan unterschied erstmals
Wohngebiete von Industrie- und Mischgebieten und dämmte die städtebaulichen
Auswüchse der Miquel-Ära ein, indem er den Geltungsbereich der alten
Bauordnung auf die Kernstadt festlegte und für die Außenbezirke
neue Vorschriften erließ. Das 1902 erlassene Umlegungsgesetz ermöglichte
eine gezielte städtische Planungspolitik, mit der die Bodenpreise der
bloßen Spekulation entzogen wurden.
Die weitere Entwicklung der Stadt wurde bestimmt durch einen großzügig
dimensionierten zweiten Ring, der die Innenstadt in einem Abstand von ein bis
eineinhalb Kilometer Entfernung umspannte und von der Messe bis nach Bornheim
reichte. Dieser Alleenring wie auch weitere repräsentative Straßenanlagen
erschlossen neue Bau- und die sich weiter verdichtenden citynahen Wohngebiete.
Hier siedelten sich die Verwaltungsbauten der wilhelminischen Ära an (Polizeipräsidium
1914, Eisenbahndirektion (1908), Oberpostdirektion (1907), Senckenbergmuseum
(1907). In Alt- und Innenstadt entstanden entlang weiterer Straßendurchbrüche
neue Verwaltungs-, Geschäfts- und Wohnbauten (neues Rathaus 1908).
Es entstanden die ersten städtischen Parks bzw., gingen von privater Hand
an die Stadt über (Günthersburgpark 1891, Ostpark 1910, Holzhausenpark
1913, Huthpark 1913).
Um dem Raumbedarf der weiter prosperierenden Industrie Rechnung zu tragen,
wurde im Osten der Stadt ein weitläufiges Industriegebiet ausgewiesen,
zu dessen Versorgung ein neuer Osthafen (1912) diente, der Dank der bis Offenbach
weitergeführten Mainkanalisierung (1901) direkt an den Rhein angebunden
war.
Die Einweihung des neuen Hauptbahnhofes und des Hauptgüterbahnhofes
(1888) war die Initialzündung für ein neues Wohn- und Geschäftsviertel
zwischen Innenstadt und Bahnhof (Bahnhofsviertel) bzw. neuer Industrie- und
Wohnflächen zwischen Güterbahnhof und Main westlich davon (Gallus-
und Gutleutviertel). Die noch den Dimensionen der älteren Eisenbahnverhältnisse
entsprechenden Ost- und Südbahnhof wurden aus dichterer Bebauung verlegt
und dem Stand der Technik angepasst (1913). Als Verbindung zwischen ihnen entstand
die Deutschherrnbrücke.
Frankfurt am Main in der Zeit von 1900-1914
Autor: Werner Hebebrand, Leiter des Planungsamtes 1946-48
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Nördlich des Güterbahnhofes erhielt die Frankfurter Messe mit der
Festhalle (1909) einen festen Standort und eine Keimzelle für den späteren
Ausbau.
Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, wurde die Universität, als private
Stiftung eingeweiht.
Den nach wie vor großen Bedarf an billigem Wohnraum suchten gemeinnützige
Wohnungsbaugesellschaften zu mindern. Erstmals in Deutschland wurden dazu auch
Bauplätze im Wege des Erbbaurechts vergeben. Es entstanden beispielsweise
Siedlungen und Wohnanlagen an der Mainzer Landstraße (Erbbaublock 1901/09,
Galluswarte 1898), im Nordend (Burgstraße 1897, Hallgartenstraße,
Friedberger Landstraße 1899/1907), im Gallusviertel (Frankenallee, Hellerhofsiedlung
1910), in Eckenheim (Marbachweg 1910) und Riederwald (Riederwaldkolonie 1910).
© Klaus Rheinfurth