Unerfüllte Träume: Bad Frankfurt? - Bad Nied? - Bad Sossenheim?
Frankfurt liegt am Rand eines außerordentlich reichen Gebietes mit Mineralquellen
unterschiedlicher Art in der Wetterau und im Taunus. Im Stadtgebiet können
heute noch drei bekannte Mineralquellen benutzt werden, der Faulbrunnen und der
Selzerbrunnen in Nied und der Faulbrunnen in Sossenheim. Als „Faulbrunnen“ bezeichnet
man Quellen, deren Wasser durch Schwefelwasserstoff einen unverwechselbaren Geruch
nach faulen Eiern haben und deren Wasser als Heilwasser auch für Hautkrankheiten
benutzt wird. Der bekannteste Brunnen dieser Art im Untermaingebiet ist der 1783
entdeckte Schwefelbrunnen von Weilbach bei Flörsheim, dessen Wasser vom
späten 18. Jahrhundert bis nach 1900 in Flaschen abgefüllt und in alle
Welt versandt wurde.
Alte Trinkhalle mit dem Grindbrunnen.
Ein Kurgast hält sich wegen des Schwefelwasserstoffgeruchs die Nase zu (Frankfurter
Latern 12/1881)
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Der Frankfurter Schwefelbrunnen, wegen seiner Heilwirkungen bei Hautkrankheiten
auch Grindbrunnen genannt, wird schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Er erreichte
als schwache Quelle mit einer geringen „Schüttung“ nie den Ruhm der Quellen
von Bad Soden, Bad Homburg, Wiesbaden und Bad Schwalbach, auch wenn im 19.
Jahrhundert Analysen seines Wassers vorgenommen und Werbeschriften verfasst
wurden. Weitere Bemühungen auch um einen Kurbetrieb führten 1873
zur Eröffnung einer Trinkhalle, in der neben handelsüblichen Mineralwässern
auch Molke angeboten wurde.
Erhebungsbogen für das 1907 erschienene Deutsche Bäderbuch (Magistratsakten,
T 1.861)
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Der Brunnen lag im Gebiet des schon 1876 projektierten und 1886 fertiggestellten
Westhafens. Geologische Untersuchungen führten zur Erbohrung einer ähnlichen
Quelle im Nizza in der Untermainanlage und zur Erbauung einer Halle für
die Kurgäste, die nun ähnlich wie in Karlsbad und Bad Ems ihr Heilwasser
im Flanieren genießen sollten. Zum Bedauern vieler unterblieb der Bau
einer dafür eigens gewünschten Wandelhalle. Nach dem Vorbild anderer
Kurorte wurden Gurgelquellen eingerichtet, um das die Passanten störende
Gurgeln und Ausspucken von Wasser auf der Promenade zu unterbinden.
Kurbetrieb im neuen Pavillon am Nizza:
„Nun weiß ich endlich, was mit den vielen verdorbenen Eiern gemacht wird.“
Vorne rechts ein in der Öffentlichkeit unerwünschter Gurgler (Stadt
Latern vom 10. Juli 1919)
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Die geringen Mengen von Heilwasser aus dem Grindbrunnen und ein bereits ausreichender
Bestand von Badeorten mit entsprechender Infrastruktur ließen den Betrieb
am Nizza schon vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verkümmern, der
für viele Badeorte und Mineralbrunnen schwere Einbrüche und oft auch
das Ende bedeutete.
Alte Trinkhalle am Exerzierplatz beim Grindbrunnen vor dem
Bau des Westhafens
(Frankfurter Latern 13/1880)
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Die Frankfurter suchten ihren Grindbrunnen jedoch auch weiterhin auf und
bemühten sich um seine Erhaltung. Die vom Verschönerungsverein 1888
errichtete Trinkhalle wurde 1936 durch die Stadt neu errichtet. Zum Leidwesen
seiner Freunde musste der Grindbrunnen 1963 wegen Grundwasserverschmutzung
geschlossen werden.
Beschwerde des Ortsgruppenleiters der NSDAP von Bockenheim während
einer Reparatur des Grindbrunnens (Magistratsakten, 1.673)
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Der Faulbrunnen in Nied wurde schon Ende des 16. Jahrhunderts in der balneologischen
Literatur mit umfangreichen Heilanzeigen gepriesen, stand aber im Schatten
des Weilbacher Schwefelbrunnens. Weder Kurmainz noch Nassau mit seinem Staatsmonopolbetrieb
für Mineralwasser als Landesherren wünschten eine Konkurrenz im eigenen
Land, so dass gewerbliche Nutzung und Versand von „Nieder Schwefelwasser“ neben
der eingeführten Marke „Weilbacher Schwefelwasser“ unterblieben. Der kochsalzreiche
und kohlensäuregashaltige Selzerbrunnen im Niedwald hatte seit jeher nur
lokale Bedeutung.
Bei der Suche nach Trinkwasser wurde 1925 am Sulzbach in Sossenheim ein schwefelwasserstoffhaltiger
Sprudel entdeckt, der zunächst zwölf Meter hoch sprang und in Sossenheim
große Hoffnungen über eine Entwicklung zum blühenden Kur- und
Badeort erweckte. Doch leider enthielt das Wasser keine besonderen Elemente,
die es zum Heilwasser qualifizierten, und nicht einmal Kohlensäuregas.
Auch der eindrucksvolle Sprudel ließ bald nach und damit die Begeisterung
der Sossenheimer.
Der Faulbrunnen in Sossenheim, Abb.
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Konrad Schneider, Bad Frankfurt? - Bad Nied? Bad Sossenheim? Zum Vorkommen
schwefelwasserstoffhaltiger Brunnen und zu Vorstellungen ihrer Nutzung, in:
Hessische Heimat, 46, 1996, S. 27-36; ISG, Magistratsakten, T 1.861, Magistratsakten;
1.673.
© Dr. Konrad Schneider