Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 3

Wenn alle Künste untergeh´n, Kochkunst bleibt ewig besteh´n

Frankfurt war einst als die Stadt der Kochkunst in aller Munde. Denn schon seit 1895 hatte in Frankfurt der Internationale Verband der Köche seinen Sitz, zudem fand die Internationale Kochkunstausstellung auch hier in Frankfurt statt. So lag es auch nicht fern, dass 1908 in dieser tafelfreudigen Stadt ein Kochkunstmuseum durch den schon erwähnten Internationalen Verband der Köche ins Leben gerufen wurde. Dieses Museum sollte zum einen das Geschichtsbewußtsein der Berufsköche stärken, zum anderen aber auch über aktuelle Entwicklungen informieren und die Kochkunst fördern.

Szenenwechsel: Frankfurt 1915. Der Erste Weltkrieg war in vollem Gange und wirkte sich direkt auf das tägliche Leben der Bevölkerung aus. Die Ernährungslage der Stadt Frankfurt wurde durch Sperrung der Zufahrtswege und die dadurch fehlende Nahrungsversorgung u. a. aus dem Umkreis Frankfurts von Tag zu Tag angespannter. Die Bevölkerung der Stadt wurde deshalb zu mehr Sparsamkeit im Umgang mit Lebensmitteln aufgerufen. 

10 KriegsgeboteDie 10 Kriegsgebote (aus: Lebensmittelamt 151)

Abbildung  vergrößern!

Im Februar und Anfang März desselben Jahres führte der Magistrat der Stadt deshalb die Zählung der Einwohner, Bestandsaufnahme der Mehlvorräte, Einrichtung einer Mehlverteilungs- und Brotverteilungsstelle, Einsetzung von 54 Brotkommissionen in ebenso vielen Bezirken der Stadt durch. Es wurden Bezugskarten verteilt, die für verschiedene Lebensmittel einlösbar waren. Für die Bevölkerung hieß es in diesen Tagen vor allem viel Geduld aufzubringen beim Einlösen der Karten, besonders der Brotkarte, die jeder Haushaltsvorstand bekam. Auf ihr war die Zahl der Haushaltsangehörigen und das ihnen zustehende Quantum Mehl oder Brot verzeichnet. Im Ganzen fügte sich die Bevölkerung aber rasch und willig den Vorschriften, die jedermann als notwendig anerkannte.

Dazu trug auch eine großzügige Aufklärungsarbeit bei, die im Frühjahr 1915 von verschiedenen Verbänden der Stadt unternommen wurde, u. a. durch den Nationalen Frauendienst, der Vorträge über die Kriegsernährung hielt und auch praktische Vorführungen wie Kochkurse veranstaltete. 

Wohlfahrtsküche Küche der Gesellschaft für Wohlfahrtseinrichtungen, 1916 (Quelle: S7A 1998/28.145)

Abbildung  vergrößern!

Im Februar 1915 richtete dieser Verband gemeinsam mit dem Magistrat der Stadt eine Hausfrauenberatungsstelle ein, dort gaben einige erfahrene Hausfrauen Anleitung in der Zubereitung einfacher Speisen, wie sie den veränderten Verhältnissen entsprachen. Rezepte, die man vervielfältigte, ein Musterspeisezettel für je zwei Wochen und kurze Kochbücher für die Kriegszeit sollten eine weitere Hilfe für das häusliche Kochen bieten. Nun war Kochkunst gefragt, die man mit wenigen Mitteln bewerkstelligen konnte. Hilfsmittel, wie das „Fortlaufende Kriegskochbuch“, sollten der Hausfrau beim Anrichten des täglichen Mahls unterstützen und neue Ideen liefern, z.B. wie man Reste vom Vortag für den nächsten Tag noch einmal verwerten konnte. Selbst unvermeidliche Küchenabfälle hatten ihre Bestimmung, sie sollten als Viehfutter verwendet werden. 

Kriegskochbuch_1   Kriegskochbuch_2
Fortlaufendes Kriegskochbuch (aus: Lebensmittelamt 151)
Abb. links  vergrößern!   Abb. rechts  vergrößern!

Fleisch war zur Kriegszeit Mangelware. Der Frankfurter Ärztliche Verein wies deshalb auf einem von ihm herausgegebenen Merkblatt daraufhin, dass der Verzicht auf Fleisch bzw. das Einschränken des Fleischgenusses durchaus keine nachteiligen Folgen auf die Gesundheit haben wird. Als wichtigen Ersatz empfahl er jedoch Seefisch, der genauso gesund, aber in größeren Mengen noch vorhanden war. Obst und Gemüse sollte man einkochen bzw. dörren, um auch für den nächsten Winter einen gewissen Vorrat zu haben. Vor übertriebenem und verschwenderischem Gebrauch von Fett warnte er wiederum und als ein wertvolles Ersatzmittel für Fett nannte er den Zucker, der auch in Kriegszeiten reichlich vorhanden war.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so wurde das wenig Vorhandene zu mancherlei Speisekreationen zusammengemischt und gemengt, so dass neues noch nie da gewesenes entstand. Das damalige Nahrungsmittel-Untersuchungsamt, das Lebensmittelkontrollen durchführte, bekam natürlich um so mehr zu tun. Es mußte prüfen, ob auch das drin war, was außen auf den Verpackungen auch drauf stand, denn wo Fleisch-Würfel draufsteht, ist nicht immer unbedingt auch Fleisch-Würfel drin. Und auch mit der Haltbarkeit (das uns heute bekannte Mindesthaltbarkeitsdatum - heute ein Muß auf jeder Packung - kannte man damals noch nicht), nahm man es nicht ganz so ernst in diesen schwierigen Zeiten. Und so entdeckte das Nahrungsmittel-Untersuchungsamt so mancherlei Überraschungen. 

Abbildung  vergrößern!   Lebensmittelkontrolle 1   Lebensmittelkontrolle 2   Abbildung  vergrößern!
Lebensmittelprobe (aus: Lebensmittelamt 224) 

Karikatur Die Kochkunst wurde also selbst noch in den schwierigen Tagen des Krieges in Frankfurt stets gepflegt, wohlgemerkt unter doch eher ungünstigen Bedingungen. Doch wie heißt es so schön: „Wenn alle Künste untergeh´n, Kochkunst ewig bleibt besteh´n“!

Na dann, guten Appetit! Abbildung  vergrößern!

Quelle: Drüner, Hans: Im Schatten des Weltkrieges. Zehn Jahre Frankfurter Geschichte. Frankfurt 1934.

© Karin Haab

 nach oben

Instituts-Logo Startseite | Aktuelles | Abteilungen | Service | Veranstaltungen | Newsletter | Hilfe, Sitemap | Impressum  © 2000-2007 Institut für Stadtgeschichte