Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 4

Beerdigungsbücher und NS-Opfer - Oder: Der Tod hat viele Gesichter

Die Beerdigungsbücher des Frankfurter Hauptfriedhofs stellen eine kompakte Quelle über nichtjüdische Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Krieges dar. Sie sind in zwei Serien geteilt: einerseits Erdbestattungen (incl. Urnen von auswärts Eingeäscherten) ohne Angabe der Todesursache, andererseits Feuerbestattungen mit Angabe der Todesursache.

Schon vor dem vielseitigen Massensterben während der Kriegsjahre gab es Opfer des NS-Regimes. So wurden politische Gegner verhaftet, verhört und mißhandelt. Vor dem drohenden Urteil sahen manche nur den Selbstmord als Ausweg in der Haft. 

Anerkennungsschreiben

Paul Kaczmarek (aus Grünflächenamt 22)

Abbildung  vergrößern!

Das systematische Ermorden Unerwünschter begann mit der „T4-Aktion“ - benannt nach der Adresse Tiergartenstraße 4 in Berlin der „Gemeinnützigen Stiftung für Anstaltspflege“, Zentrale der Tötungsaktion - in den Landesheilanstalten Brandenburg/Havel, Berneburg a. d. Saale, Sonnenstein/Pirna, Hadamar/Limburg, Grafeneck/Württemberg und Hartheim/Linz. Dort wurden von Januar 1940 bis August 1941 über 70.000 geistig und körperlich behinderte und kranke Menschen vergast. 

Liste Euthanasieopfer

Euthanasieopfer aus Hadamar etc. (Grünflächenamt 154)

Abbildung  vergrößern!

Von 1942 bis Mitte 1943 fnden sich in den Beerdigungsbüchern des Hauptfriedhofs zahlreiche Einträge von in KZ Verstorbenen, danach fast keine mehr. Vermutlich war es bei der großen Zahl der Toten nicht mehr möglich, die sterblichen Überreste der Ermordeten in die Heimatstädte zu überführen. Außerdem ist der jüdische Friedhof hier nicht berücksichtigt. 

Liste mit KZ-Opfern

Opfer aus Konzentrationslager

Abbildung  vergrößern!

In Frankfurt wurden ab 1942/1943 verstärkt Fremdarbeiter beschäftigt. Neben angeworbenen Westeuropäern wurden aus dem besetzten Osteuropa Menschen nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Wer Glück hatte, wurde als Hausgehilfin eingesetzt. Bei den Adlerwerken, Kleyerstraße 17 (Außenlager „Katzbach“ des KZ Natzweiler im Elsaß), waren die Bedingungen derart schlecht, dass besonders viele Menschen an Krankheiten und Schwäche starben. Wer sich strafbar machte (Arbeitsverweigerung, Diebstahl etc.) wurde zu Arbeitserziehungslager, KZ oder zum Tode verurteilt. Da manchmal den Ausländern der Zugang zu den Luftschutzbunkern verwehrt wurde, starben viele auch durch Fliegerangriffe. Insgesamt hatte Frankfurt am Ende des Krieges 5.559 Bombenopfer zu beklagen. 

Liste Adlerwerke   hingerichtete Ausländer

links: Verstorbene Arbeiter der Adlerwerke, Kleyerstraße 17 (Grünflächenamt 161) Abbildung  vergrößern!
rechts: Wegen „Plünderns“ hingerichtete Ausländer (Fürsorgeamt 2.358)  Abbildung  vergrößern!

Es wurden aber auch amerikanische, englische und kanadische Flieger abgeschossen oder gelandete Flieger völkerrechtswidrig erschossen. 

alliierte Flieger

Verstorbene alliierte Flieger (Grünflächenamt 155)

Abbildung  vergrößern!

In der Strafvollzugsanstalt Preungesheim wurden viele deutsche Soldaten enthauptet, vermutlich wegen Desertion, „Zersetzung der Wehrkraft“ o. ä. 

hingerichtete Soldaten

Hingerichtete deutsche Soldaten (Grünflächenamt 161)

Abbildung  vergrößern!

Mit Einverständnis der Angehörigen wurden 1958 die Opfer der Gewaltherrschaft von 1933-1945 auf ein gemeinsames Ehrenfeld umgebettet.

© Sigrid Kämpfer

 nach oben

Instituts-Logo Startseite | Aktuelles | Abteilungen | Service | Veranstaltungen | Newsletter | Hilfe, Sitemap | Impressum  © 2000-2007 Institut für Stadtgeschichte