Durch die Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges herrschte in der Nachkriegszeit große Wohnungsnot. Für 269.000 Einwohner standen nach Abzug von 7.861 beschlagnahmten Wohnungen nur 93.372 Wohnungen zur Verfügung. Alt-Frankfurter, die während des Krieges evakuiert worden waren, mußten jahrelang auf eine Zuzugsgenehmigung warten. Ausgebombte Bürger, zugewiesene Flüchtlinge und Bewohner einsturzgefährdeter Häuser waren als erstes unterzubringen. Als Notlösung wurden Barackenlager der Fremdarbeiter und Bunker genutzt.
Da sich nicht jeder eine der neugebauten Wohnungen leisten konnten, sammelten sich nach und nach die sozial schwächeren Einwohner in den Bunker-Notquartieren. Zahlreiche Männer waren arbeitsscheu, tranken und vernachlässigten die Familie. Da sie keine Gewähr für Ruhe, Ordnung und regelmäßige Mietzahlungen boten, waren kaum Wohnungsbaugesellschaften und private Vermieter bereit, sie aufzunehmen. Ständig kam es zu Streitereien unter den Bunkerinsassen. Besonders schlimm waren die Verhältnisse im Ostbahnhofbunker in der Nähe der Großmarkthalle - was sich ja bis in jüngste Zeit gehalten hat -, weswegen dieser durch ein Obdachlosenasyl abgelöst wurde. Auch moralisch lag einiges im Argen, was zu einer Trennung nach Männer, Frauen und Familien führte. Denn bei einer gemischten Belegung bekamen ja die Kinder die „Männerbesuche“ mit. Es wurde darauf geachtet, daß Besucher die Wohnungen in den Frauenbunkern abends verließen. Die Situation war natürlich schwierig, da sich (noch) nicht verheiratete Paare erst eine gemeinsame Wohnung suchen und bis dahin in verschiedenen Bunkern leben mußten und sich nur besuchen konnten.
(Nebenbei bemerkt: Unabhängig von den Bunkern gab es das Problem der „Onkelehen“, d. h. Kriegerwitwen heirateten ihren neuen Lebengefährten nicht, um die Witwenrente nicht zu verlieren. Dies führte zu einem Anstieg der Anzahl scheinehelicher Kinder.)



