Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 5

Ein neuer Kran für Frankfurt 1787

Wie in anderen Hafenstädten gehörten in Frankfurt Kräne zum Stadtbild. Einige alte Kräne Neuzeit stehen noch als bewunderte Denkmäler der Technikgeschichte, so in Andernach, Bingen; Oestrich und Trier. Die meisten älteren Kräne waren Schwergutkräne an Land, deren Hebemechanismen im inneren von Menschen über Treträder betrieben wurden. Neben diesen gab es auch schwimmende Kräne, die im Fluss verankert waren, im 15./16. Jahrhundert jedoch zunehmend durch Landkräne ersetzt wurden. Aus Frankfurt gibt es schon für 1331 einen Beleg für einen Kran und ab der Mitte des 14. Jahrhunderts für zwei ortsfeste Kräne und möglicherweise drei hölzerne Schiffskräne und ab 1381 für zwei steinerne Kräne an Land. Die Kosmographie von Sebastian Muster von 1550 zeigt zwei Landkräne in Frankfurt, ebenso die Stadtansicht vom Main von Hans Grav vom selben Jahr. Besonders zu Zeiten der Messe dürfte an den beiden Frankfurter Kränen, Andrang zum Be- und Entladen geherrscht haben [1].

Der Frankfurter Hafen befand sich unmittelbar zwischen der Stadtmauer und dem Main. Abbildungen zeigen drehbare Schwergutkräne in Holzkonstruktion, einen am Fahrtor und einen am Leonhardstor. Sie hatten die Größe eines zweistöckigen Hauses mit einem drehbaren Oberteil unter einem kegelförmigen Dach. Sie wurden im Inneren von einem Tretrad angetrieben. Als die beiden Holzkräne in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts baufällig wurden, traten zwischen 1834 und 1840 drei gusseiserne Kräne an ihre Stelle, denen weitere folgten. Jetzt löste auch die Dampfmaschine die Menschenkraft ab, die die Kräne bislang allein betrieben hatte. Als Folge der Mainkanalisierung nach 1883 wurde der Hafenbetrieb vom Mainkai zwischen Fahrtor und Friedensbrücke in den unlängst aufgegebenen und damals neu errichteten Westhafen verlegt, dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Osthafen als Haupthafen der Stadt folgte [2].

Entwurf - Wippe mit MastWippe mit Mast und an diesem in alle Richtungen beweglichem Arm, Entwurf 1787, betrieben über eine senkrechte Haspel von Menschenkraft mittels Flaschenzug
Rechnei vor 1816, 512, fol. 1

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Nach 1784 führten organisatorische und auch sicherheitstechnische Probleme im Hafen, nachdem sich auch die Verlader (Schröter) und die Radgänger im Kran über mangelnden Unfallschutz beschwert hatten, zur Überlegung, einen neuen Kran nach dem Vorbild einer „kölnischen Wippe“ für mittelschwere Lasten anzuschaffen. Dieser leichte Krantyp erfüllte die Funktion eines Krans und war überdies mobil einsetzbar. Schwere Lasten sollten weiterhin den bisherigen Kränen überlassen bleiben. Nach Zustimmung aller politischen Gremien kamen Zeichnungen aus Köln, wurden aber von Stadtbaumeister Johann Georg Christian Hess (1787-1816 im Amt) nur nach Prüfung der Zeichnungen verworfen, ihm die Möglichkeiten zur Drehung der Last zum Land hin nicht ausreichten. Ebenso hatte er Bedenken gegen die neun Fuß tiefe unterirdische Verankerung aus Eichenholz, die verfaulen konnte. Die städtischen Gremien ließen das Projekt daraufhin fallen und bemerkten, dass es auch am Platz für die neue Hebemaschine fehle. Ein Gutachter im städtischen Rechneiamt bemerkte, dass die Kölner Wippen gute Dienste leisteten und wollte einen erneuten Versuch beim Stadtbaumeister unternehmen. Dieser sollte sich bei dem „Erfinder“ der Wippe aus Köln, der demnächst in Mainz erwartet wurde, über die Funktionsweise unterrichten. Wichtig war, dass dieser Kran die Lasten nicht nur hob, sondern mit ihnen am Haken auch drehbar war. Wichtig war auch die Höchstbelastung des Krans und die Anzahl des Bedienungspersonals [3].

Wippe mit MastWippe mit Mast und am Fuß befestigtem Arm 1830, ebenfalls über eine senkrechte Haspel betrieben
Rechnei nach 1816, 1.264

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Die Wippe war jedoch keine Erfindung des ausgehenden 18. Jahrhunderts, sondern ein im Grunde sehr einfacher Krantyp, der schon im 15. Jahrhundert bekannt und von Segelschiffen übernommen worden war: Auf einem senkrechten Mast konnte der Kranarm wie eine Rah gedreht, geneigt und angehoben, also „gewippt“ werden [4]. Ein anderer Typ verfügte über einen festen Standbaum, an dessen Fuß ein beweglicher Kranarm oder Spriet befestigt war. Auch in Frankfurt waren im Hafen Wippen des letzteren Typs im Einsatz. Als der Eisgang des Winters 1829/30 den oberen Kran unbrauchbar gemacht hatte, entstand hier eine Wippe mit Standbaum und Spriet, und in den Jahren 1835/36 und 1838 wurden die Wippen am Fahrtor und Metzgertor repariert bzw. neu errichtet [5].

© Dr. Konrad Schneider

Anmerkungen:
[1] Michael Matheus, Hafenkrane. Zur Geschichte einer mittelalterlichen Maschine am Rhein und seinen Nebenflüssen von Straßburg bis Düsseldorf, Trier 1985.
[2] Manfred Beinhauer, Dietmar Blech u. Walter Gahn, Hafenstadt Frankfurt, Frankfurt 1986; zum Neubau der Kräne s. a. ISG, Rechnei nach 1816, u. a. 1.262-1.263, 1.292, 1.300, 1.305.
[3] ISG, Rechnei vor 1816, 512, fol. 1-16 (sorgfältige kolorierte Zeichnungen: fol. 1-3), 526, fol. 71-72; zu Stadtbaumeister Hess: Frankfurter Biographie, hrsg. v. Wolfgang Klötzer, 1, Frankfurt 1994, S. 324f.
[4] Matheus (wie Anm. 1), S. 12-14, mit Abb. des Ingenieurs Taccola aus Siena (1381-1453).
[5] ISG, Rechnei nach 1816, 1.263 (mit sorgfältiger kolorierter Zeichnung), 1.287, 1.290, 1.302; s. a. S 7 A 1998/1296: Ansicht des Mainkais am Fahrtor mit Wippe um 1840, nach Vorlage im Historischen Museum Frankfurt a. M.

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