Schon in der Frühzeit des Automobilbaues schlugen, stärker noch als heute, Autorennen die Massen in ihren Bann. Das mag an den neuen Fortbewegungsmitteln gelegen haben, das lag aber auch an den hohen Geschwindigkeiten, die die tollkühnen Männer mit ihren Kisten erzielten.
Wie heute wurden die Rennen nicht mit Alltagsautos bestritten, sondern mit eigens entwickelten Prototypen. Im Gegensatz zu heute aber nicht auf eigenen Strecken, sondern auf normalen Straßen. Anfänglich gab es keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen, vielmehr fand die Wettbewerbe bei Alltagsverkehr statt, natürlich nicht dem heutigen vergleichbar. Nachdem es aber zu schweren, auch tödlichen Unfällen gekommen war, durften die Rennen nur mehr auf abgesperrten Strecken stattfinden.
So wurde auch das Autorennen, das vor einhundertzwei Jahren im Juni 1904 im Hintertaunus auf einem Rundkurs zwischen Bad Homburg und Limburg stattfand, auf einer mit großem Personal- und Materialaufwand abgesperrten Strecke ausgetragen. So waren zum Beispiel in den Ortsdurchfahrten einmündende Straßen und Hauseingänge durch Drahtzäune abgesichert und 1200 Mann preußischen Militärs sicherten unterwegs in regelmäßigen Abständen die Piste.

Postkarte mit Darstellung der Rennstrecke, Abbildung
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Das Ereignis war benannt nach dem Stifter des Wanderpokals, einem amerikanischen Zeitungsverleger, James Gordon Bennett. Mehr als eine Million Zuschauer, so schätzte man, säumten am 17. Juni, einem Freitag, die Rennstrecke. Start und Ziel befanden sich an der Saalburg unweit Bad Homburgs, wo auf einer großen Tribüne auch das deutsche Kaiserpaar samt Entourage dem Rennen beiwohnte.
Wie auch heute noch üblich, unterlagen die Rennwagen einem bestimmten technischen Reglement. Unter anderem war auch das zulässige Gesamtgewicht festgelegt. Die Kontrolle fand am Tag vor dem Rennen auf einer öffentlichen Waage in Bad Homburg statt.

Postkarte mit Ansicht Bad Homburgs und des Schlosses, Abbildung
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Die nun folgende Passage aus einem längeren Vorbericht zum Rennen, veröffentlicht in der Frankfurter „Kleinen Presse“ vom 17.6.1904, berichtet, auf welch „originelle“ Weise einer der Teilnehmer versuchte, das Gewichtslimit einzuhalten.
„Es wird alles sehr streng gehandhabt und wo das vorgeschriebene Gewicht von 1007 Kilo übertroffen wird, müssen einzelne Teile, die nicht absolut notwendig sind, entfernt werden…
Beim Auffahren der Wagen ereignete sich ein Zwischenfall. Der Engländer Edge, um seinen Wagen zu erleichtern, ließ das Benzin und Oel ablaufen. Durch Unvorsichtigkeit eines Zuschauers geriet es in Brand und verursachte eine große Panik. Das Feuer wurde ohne Schaden gelöscht.“
Heute verblüfft uns der ungeheuer naive Umgang mit – wir würden jetzt sagen – umweltgefährdenden Stoffen. Nicht nur, dass offenbar keinen interessierte, was da im Boden versickerte, gibt der Tenor der Berichterstattung auch bezeichnenderweise nicht dem Verursacher der Beinahekatastrophe die Schuld an dem Malheur, sondern einem sorglosen Zuschauer, der bei dem allgemeinen Gedränge wahrscheinlich gar nicht mitbekommen hatte, was da gerade über die Straße floss.

Postkarte mit Darstellung des Wanderpokals, Abbildung
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Die gleiche, zeitbedingte Unbefangenheit legte auch der veranstaltende Deutsche Automobilclub an den Tag, der, um Staubentwicklung auf der Rennstrecke, zu vermeiden, die über nur in den seltensten Fällen befestigte Straßen führte, die Strecke komplett von Sprengwagen mit Westrumit besprühen ließ, einem Gemisch aus Ammoniak und Wasser, dem auch ein guter Teil Petroleum zugesetzt war.
Es musste noch viel Treibstoff fließen, bevor die Auswirkungen chemischer Produkte auf die Umwelt ins Blickfeld der Forschung rückten.
© Klaus Rheinfurth