Nachdem die Frankfurter Altstadt im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört worden war, entstand eine heftige Diskussion über die Gestaltung des Wiederaufbaus. Die „Modernisierer“ setzten sich letztlich mit einer völligen Neugestaltung der Altstadt durch.
Ausdrücklich ausgespart blieb das Zentrum der Altstadt, das Gebiet zwischen Dom und Römerberg. In mehreren Wettbewerben wurde intensiv um die Gestaltung gerungen. Deren letzter 1980 führte erst zur heutigen Bebauung des Areals.
Ergebnis einer früheren Ausschreibung war die Ausgestaltung von Randbereichen des Gebietes mit Technischem Rathaus und Historischem Museum Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Nach dem beschlossenen Abriss von Technischem Rathaus und Umbau des Historischen Museums bzw. Abriss von einigen Teilen des Baues flammt die Diskussion um die neue Gestaltung des Herzstücks der Altstadt wieder auf. Zur Kenntnis der Bebauung der Stadt vor 1800, als die mittelalterliche Bausubstanz noch prägend war, hat der Geistliche Johann Georg Battonn wesentlich beigetragen.
Johann Georg Battonn, am 14. Mai 1740 in Mainz getauft, war das älteste von fünf Kindern des Bierbrauers und Mainzer Stadthauptmanns Johann Georg Battonn und seiner Frau Anna Sophia, geb. Balser. Johann Georg Battonn – gemeint ist im Folgenden immer der Sohn – trat bereits am 6. Dezember 1759 in das Bartholomäusstift ein, in dem er bis zum dessen Auflösung 1802 bleiben sollte.
Er war im Übrigen nicht der einzige der Familie, der eine engere Bindung an die Kirche aufwies. Sein Vater wurde nach Angaben des Stadtarchivs Mainz 1748 als Kirchengeschworener erwähnt. Der Zweitgeborene des Ehepaares Battonn, Simon Leopold Battonn, war Domvikar in Mainz. Der Viertgeborene der Ehe, Carolus Antonius Battonn, war zwar kein Geistlicher, verstarb aber ebenso unverheiratet wie seine Brüder, nämlich als Angehöriger des Österreichischen Militärs.

Johann Georg Battonn, 1764
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In den Ratskalendern für die Jahre 1772 bis 1776 wurde Johann Georg Battonn als Scholar des Stifts aufgeführt, ab 1778 als Kapitular. Bald danach wandte er sich einem Tätigkeitsfeld zu, das ihn mit der Geschichte in Verbindung brachte. Ab 1782 war er zusätzlich Bibliothekar und ab 1789 auch Archivar des Stifts.
Diese Funktion verschaffte ihm die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit historischen Themen. Aus der Übersicht der 1909 im Stadtarchiv befindlichen Handschriften Battonns geht eine Beschäftigung mit eine breiten Palette lokalhistorischer Themen hervor. Über das Bartholomäusstift hinaus – es lagen damals Abschriften aus den Büchern des Bartholomäusstifts, Ausarbeitungen zum liturgischen Kalender der Kirche, zum Gebäude selber und zu den Kanonikern des Stifts vor – ging Battonn auch den Verbindungen des Kaisers zu Frankfurt nach, verfasste Manuskripte zu allgemeinen kirchlichen Themen, zur Reformationsgeschichte und zu spätmittelalterlichen Patrizierfamilien.
Battonns bekanntestes Werk ist aber die „Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main“, die ab 1861 – 34 Jahre nach seinem Tod – von Ludwig Heinrich Euler, dem damaligen Direktor des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, herausgegeben wurde. Das Manuskript, mit Zusätzen des Historikers Johann Karl von Fichard versehen, – wurde wie Battonns andere Manuskripte 1830 aus dem Nachlaß Fichards erworben und gelangte über die Stadtbibliothek an das Stadtarchiv. Dieses Manuskript hat – wie die anderen Schriften Battonns – den Krieg nicht überlebt, wurde aber unverändert nachgedruckt. Eine Überarbeitung würde – so Euler im Vorwort – „die Kräfte eines Einzelnen weit übersteigen“ und „den Zeitpunkt der Herausgabe …auf Jahre hinausgeschoben haben“. Wenn man sich vor Augen führt, dass der Druck auf sieben Bände anwuchs, war die Einschätzung wohl richtig.
Battonn setzt im ersten Band mit einer Darstellung der sagenhaften Ursprünge Frankfurts an, um sich schrittweise durch die Siedlungsgeschichte von der Fränkischen Zeit durch das Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert durchzuarbeiten. Es folgen Beschreibungen sowohl der Stadtmauer als auch der Landwehren, an die noch einige Straßennamen erinnern, und Warten, von denen noch vier im Stadtbild vorhanden sind. Nach Ausführungen zur damals einzigen Brücke und dem der Stadtmauer vorgelagerten Gelände kommt der Hauptteil. In den Bänden 2 bis 7 handelt Battonn die Baugeschichte einzelner Gebäude ab. Dabei arbeitet er sich von der Ostseite der Fahrgasse – er beginnt passender weise mit dem Gebäude Lit. A. No. 1 an der nicht mehr existierenden Bornheimer Pforte – nach Westen vor. Für den Bereich nördlich der Zeil – also der so genannten Neustadt – verfährt er nach demselben Prinzip.
Zur Freude Sachsenhäuser Lokalpatrioten hat Battonn der Eigenständigkeit dieses Stadtteils in seinem Werk Rechnung getragen und dem Südmainischen Stadtteil immerhin 200 Seiten gewidmet, wobei der Autor analog zu den Ausführungen zum Nordmainischen Stadtteil mit sagenhaften Nachrichten aus der Zeit der Franken beginnt, um sich dann der Beschreibung einzelner Gebäude zuzuwenden.
Battonns Schwerpunkt liegt auf der Zeit vor 1600, was sich auch am Aufbau der Bände ablesen lässt. Die Altstadt zwischen Main und Zeil nimmt die Bände 2-4 und den größten Teil des Bandes 5 ein, die so genannte Neustadt wird auf etwas mehr als einen Band beschränkt.
Die Geschichte der einzelnen Häuser beginnt bei Battonn im Regelfall mit dem 14. Jahrhundert und wird in die Zeit um 1600 fortgeführt, wobei verschiedentlich auch Angaben aus dem 18. Jahrhundert zu finden sind. Battonn hat dabei verschiedene Quellen ausgewertet, die am Anfang des 2. Bandes aufgelistet werden. Darunter befinden sich auch Schriften des im 14. Jahrhundert zum Bartholomäusstift gehörenden Geistlichen Baldemar von Petterweil, der für die Verwaltung der Besitztümer des Stifts Beschreibungen von Anwesen in der Stadt verfasst hatte. Neben älteren Schriften des Bartholomäusstifts finden sich in der Aufzählung der Quellen auch Archivalien, die heute nicht mehr existieren, z.B. die Bedebücher und Bederollen, die über die finanziellen Verhältnisse in der Stadt Auskunft gaben, oder Schöffengerichtsprotokolle des Stadtarchivs vor 1500. Anhand dieser Quellen wird die Geschichte eines Hauses chronologisch wiedergegeben. Soweit es ermittelbar war, wurden die Besitzverhältnisse der jeweiligen Zeit in Battonns Text aufgeführt. Das Ganze ist zwar recht kleinteilig und mit Sicherheit keine fesselnde Lektüre, aber für den, der sich für ein bestimmtes Haus der Vorkriegszeit interessiert, ist es noch heute von Interesse. Bei der Erfassung unseres Bestandes Hausurkunden konnte zur inhaltlichen Klärung des Urkundentextes häufig auf die Beschreibung Battonns zurückgegriffen werden.
Wissen muss man natürlich, dass sich Battonn an der damals nicht nur in Frankfurt verwendeten Bezeichnung der Quartiere nach Buchstaben und der Nummerierung der Häuser mit Nummern unabhängig von der Straße orientierte. Die Quartierseinteilung gab es in Frankfurt seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das oben schon erwähnte Haus Lit. A No. 1 in der Fahrgasse wurde nach der Umstellung auf die heute übliche Systematik zur Fahrgasse 140, die heute nicht mehr existiert.

Sterbehaus Battonns, Domplatz 11, 1901
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1802 ging das Bartholomäusstift mit den katholischen Klöstern in den Besitz der Stadt Frankfurt über, von der die Geistlichen im Gegenzug Pensionen auf Lebenszeit erhielten. Battonn führte das Leben eines zurückgezogenen Gelehrten, der sich im Kreis der historisch interessierten Zeitgenossen großer Wertschätzung erfreute. Zum Schluß erblindet, starb Battonn am 21.April 1827 im Senioratshaus des Bartholomäusstifts, am Domplatz 11, das kurz nach 1900 im Zug des Baus der Domstraße abgerissen wurde.
© Volker Harms-Ziegler