Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 7

Das Archiv des Amerika Hauses Frankfurt

Research Report
Research Report (V 113, ohne Nummer)

Das Archiv des Amerika Hauses Frankfurt kam als Schenkung im Jahr 2006 in das Institut. Seitdem wird der Bestand konservatorisch bearbeitet und in unserer Archivdatenbank verzeichnet. Diese Arbeiten werden im März abgeschlossen sein. Der Bestand umfasst umfangreiches Material wie Flyer, Einladungen, Broschüren und eine große Fotosammlung zu den im Amerika Haus durchgeführten Veranstaltungen seit der Gründung 1946 bis in die 1990er Jahre hinein, allerdings keinen Schriftverkehr zur Organisation der Veranstaltungen. Interessant für Forscher könnten 248 als „Research Reports on German Public Opinion“ bezeichneten Meinungsumfragen zu verschiedensten Themen aus den Jahren 1949-1956 sein. Auch Informationsmaterialien für die Öffentlichkeitsarbeit wie die bekannten „Cultural Affaires Packets“, Broschüren der NASA oder Material für die amerikanischen Präsidentenwahlen sind im Bestand enthalten. Sogar ein Ordner mit Material zu dem früh geschlossenen Amerika Haus Wiesbaden ist Teil des Bestandes.

Aufbau der Blockhütte Abraham Lincolns 1959
Aufbau der Blockhütte Abraham Lincolns mit Zuschauern vor dem Amerika Haus im Februar 1959
(V 113, noch ohne Nummer); Größere  Abbildung

Was machte das Amerika Haus eigentlich in Frankfurt? Das Haus war sowohl vermietbarer Veranstaltungsort, führte aber die meisten Veranstaltungen selbst durch und fungierte als Träger u. a. einer großen Bibliothek sowie von Diskussionsgruppen wie der German-American Discussion Group, des Hot Clubs Frankfurt und einer eigenen Theatergruppe (Junge Bühne 57). Zum breiten Spektrum an Veranstaltungen gehörten Vorträge, Ausstellungen, Filmvorführungen, Stereokonzerte, Englischkurse, Lesungen, Podiumsgespräche, Quizveranstaltungen, Konzerte, Liederabende, Seminare, Buchbesprechungen, Film-Workshops, Theateraufführungen und Diskussionen zu aktuellen Themen. Im Jahr 1957 fanden beispielsweise eine englischsprachige Diskussion zum Thema „The Wife´s Place in the Modern Home“, ein Filmabend „Segnungen der Atomenergie“, aber auch eine Lesung des Tagebuchs der Anne Frank statt. Dabei wurden durchaus kritische Themen wie Rassenunruhen in Amerika (der Vortrag „Die Revolution der amerikanischen Neger 1963“ wurde im September 1963 im Amerika Haus gehalten) oder Umweltverschmutzung (Vortrag „Ist die Luft schon vergiftet?“ im Jahr 1970) zeitnah angesprochen. Dadurch bereicherte das Amerika Haus auf vielfältige Weise das kulturelle Leben Frankfurts vor allem in der direkten Nachkriegszeit.

Veranstaltungsprogramm
Ausschnitt aus Veranstaltungsprogramm Mai 1968 (V 113/ 326)
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Offiziell gegründet wurde das Amerika Haus im Mai 1946 in der Taunusanlage 11 in Frankfurt. Die ursprüngliche Bezeichnung des Hauses lautete „United States Information Center (USIC)“, der Name „Amerika Haus“ war eigentlich eine Bezeichnung der deutschen Besucher für das Haus, die sich dann rasch durchsetzte. Die Entstehung des Hauses geht zurück auf eine bereits im November 1945 in der Frankfurter Börse eingerichtete American Library, außerdem war die Gründung kultureller Einrichtungen Teil des Marshallplans (Re-education-Programm). Die Umerziehung der vom Nationalsozialismus geprägten Bevölkerung und die Vermittlung demokratischer Werte sollte nicht nur in Politik und Verwaltung, sondern auch durch kulturelle Angebote gefördert werden. Die politischen Ziele der Amerika Häuser umfassten außerdem die Verbreitung von Information über die USA als Welt-, Wirtschafts- und Kulturmacht, die Einbindung Westdeutschlands in das westliche Bündnissystem und den Eintritt für ein vereintes und freies Europa. Im Jahr 1948 zog das Haus in die Taunusanlage 12 um, 1954 in die Bockenheimer Anlage 11, im Mai 1957 erfolgte dann der Umzug in das heute noch existierende Gebäude in der Staufenstraße 1.

1999 wurde die United States Information Agency in das State Department integriert. Die Mitarbeiter im Amerika Haus koordinieren nun die Öffentlichkeitsarbeit des Amerikanischen Generalkonsulats in Frankfurt, und sind daher für den Konsularbezirk, der Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland umfasst, die Anlaufstelle für Medienarbeit und kulturelle Beziehungen. 2005 konnte das 60-jährige Bestehen mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm gefeiert werden. Im Herbst des Jahren wurden das Konsulat, die „Public Affairs Section“ aus dem Amerika Haus, und weitere amerikanische Einrichtungen am neuen Standort an der Gießener Straße 30 in Eckenheim im ehemaligen 97th General Hospital zusammengelegt.

Titelblatt Photobiography
Titelblatt der „Photobiography“ des Amerika Hauses Frankfurt ca. 1954-1957 (V 113/ 351)
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© Claudia Schüßler

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