Moder, Schimmel, Pilz, Verwesung – das alles sind Namen für dasselbe Phänomen, der Befall alter und auch neuer Akten mit Mikroorganismen. Das Papier ist in solchen Fällen zumeist rötlich, bläulich-violett gefärbt, nicht selten ist auch ein weißlicher oder rötlichbrauner Schimmelbelag zu erkennen. Das Papier fühlt sich in solchen Bereichen oft wattig und gelockert an, bei fortgeschrittenem Befall wird das Papier ganz zerstört und zerfällt regelrecht und mit ihm die wichtigen schriftlichen Quellen.
Stark fortgeschrittener Schimmelschaden mit herausgebrochenen Fehlstellen im Papier
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Was sind die Ursachen für Schimmelbefall? Zum einen ist der Befall mit Mikroorganismen oft ein Folgeschaden von Brandkatastrophen mit nachfolgender Löschung oder sonstigen Wassereinbrüchen. Denn der Schimmelpilz, von dem es viele verschiedenste Arten gibt, wächst besonders gut in einer feuchten und warmen Umgebung. Somit erklärt sich auch die zweithäufigste Schadensursache, nämlich die ständige Lagerung in einem zu feuchten und zu warmen Klima. Überall dort, wo die Luftfeuchtigkeitswerte dauerhaft über 70% erreichen, ist in wenigen Tagen mit massivem Schimmelbefall zu rechnen. Im Falle eines Wasserschadens muss also schnell gehandelt und die Materialien so schnell wie möglich getrocknet oder eingefroren, was eine spätere Gefriertrocknung ermöglicht, werden.
Alter Wasserschaden am unteren Aktenrand, starker Papierverlust durch mittlerweile inaktive Mikroorganismen
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Wenn nun aber der Schimmelbefall schon eingetreten ist, sollte man mit größter Vorsicht vorgehen! Denn Schimmel ist im höchsten Maße toxisch und wirkt stark allergen. Bis abgeklärt ist, ob der Schimmel noch aktiv oder (wie meist bei alten Akten der Fall) schon abgestorben ist, kann nur ein Fachmann klären! Bis dahin ist das Benutzen von Einweghandschuhen und einer Atemschutzmaske Pflicht!
Wasserschaden mit deutlich sich abzeichnenden Schmutzwasserrändern, schwarzer Schimmelrasen im unteren Bereich
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Wenn Archivaren im Institut für Stadtgeschichte ein möglicher Schimmelbefall an einem Objekt auffällt, dann separieren Sie die fraglichen Akten sofort vom übrigen Bestand und schicken diese in die hauseigene Restaurierungswerkstatt. Dort wird zuerst überprüft, wie es um die Aktivität des Schadens bestellt ist. Wenn die Mikroorganismen noch aktiv sind, müssen die Akten außer Haus bestrahlt werden. Dies geschieht mittels Gammastrahlen, die alle lebenden Kulturen abtöten. Dann erfolgt der zweite wichtige Arbeitsschritt, der sich auch bei den Akten deren Befall inaktiv war anschließt. Die einzelnen Seiten werden gründlich auf der so genannten „Reinen Werkbank“, das ist ein speziell konstruierter Abzug, der die Schimmelsporen filtert, mittels Radierschwämmen und Bürsten gereinigt.
Reinigen einer schimmelgeschädigten Akte auf der Sicherheitswerkbank
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Nach dieser sorgfältigen Reinigung, bei der so gut wie alle lose anhaftenden Schimmelstoffe entfernt werden, kann die Akte wieder dem Benutzer zugänglich gemacht werden. Voraussetzung für die Verhinderung eines erneuten Auskeimens der Mikroorganismen ist natürlich eine stabile klimatische Magazinlagerung bei der die Idealwerte 18°C und 50% Luftfeuchtigkeit anzustreben sind.
© Jana Moczarski