Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 8

Moderne Selbstklebestreifen - Nichts für die Ewigkeit
Schäden an Archivalien durch Selbstklebestreifen

(Alle Abbildungen können durch Anklicken vergrößert werden!)

Einmal die Seite zu rasch umgeblättert, schon ist es passiert, ein Riss im Lieblingsbuch. Was kann man in einem solchen Fall tun, wäre da nicht ein Selbstklebestreifen eine schnelle und wenig aufwändige Lösung? Für ein Taschenbuch oder eine Zeitung, also für Alltagsgegenstände ist solch ein Vorgehen möglich, sollen Bücher oder Schriften jedoch länger aufbewahrt werden, so sollten die bequemen Selbstklebestreifen keinesfalls verwendet werden. Handelsübliche Selbstklebebänder bestehen zumeist aus PVC oder PE als Trägermaterial, sowie Harzen und Acrylaten als Klebmasse. Alle diese Bestandteile altern durch die Oxidation mit Luftsauerstoff, beschleunigt durch Lichteinstrahlung und Wärme. Erste Schadensbilder sind das seitliche ausfließen der Klebemasse oder die Veränderung von Schriften unter dem Klebestreifen, welche durch enthaltene Weichmacher ausgelöst wird.

Schadensbild Klebestreifen
Schadensbild gealteter Klebestreifen

Im weiteren Verlauf der Alterung kommt es zu einer Quervernetzung der Klebmasse, die inzwischen immer weiter in das Papier auf das sie aufgeklebt worden ist eingedrungen ist. Der Klebestreifen vergilbt und verbräunt immer mehr und auch das darunter liegende Papier verbräunt und wird durch den eingedrungenen spröden Klebstoff sehr brüchig.

Verbräunter Klebstoff
Verbräunter Klebstoff, stark in das Papier eingedrungen

Im letzten Zerfallsstadium fällt der Träger des Klebestreifens gänzlich ab und das Papier welches nun ganz mit dem Klebstoff durchdrungen ist wird so stark abgebaut, das es heraus bricht.

Fehlstellen durch Versprödung
Fehlstellen durch Versprödung des Klebstoffes

Es ist also in jedem Fall abzuraten Selbstklebestreifen, auch die qualitativ besseren und alterungsbeständigeren Acrylatstreifen für Objekte zu verwenden, welche länger als 50 Jahre aufbewahrt werden sollen. Im Archivbereich sind solche Klebestreifen also nur bei zeitlich begrenzt aufzubewahrenden Medien zulässig. Klebt ein Selbstklebestreifen erstmal auf einem Papier, so ist er auch nur mit großem restauratorischen Aufwand, und zwar mithilfe von Lösungsmittel entfernbar.

In der Restaurierungswerkstatt werden Risse im Papier mit selbst gekochtem Weizenstärkekleister und dünnen Japanpapieren (langfasrige zähe Papiere z.B. aus Kozo -Rinde des Maulbeerbaums) geschlossen. Dies garantiert eine mögliche rückstandslose Entfernung der Verklebung und eine stabile Haltbarkeit ohne beschleunigte Alterung des Papiers. Wenn Massenrestaurierungen anstehen, werden alterungsbeständige hitzeaktivierbare Japanpapierstreifen verwendet.

Kleben eines Papierrisses
Kleben eines Papierrisses mit Weizenstärkekleber und Japanpapier

© Jana Moczarski

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