Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 9

Die drei Privilegien der Kopf-Apotheke

(Alle Abbildungen können durch anklicken vergrößert werden!)

Im Dezember 2005 erhielt das Institut für Stadtgeschichte von dem Apotheker Helmut Schambacher drei kaiserliche Privilegien aus den Jahren 1706, 1713 und 1770, die für die fünf privilegierten Frankfurter Apotheken ausgefertigt worden waren. Die drei Urkunden lagen in einem Tresor und hatten die Zeitläufte überlebt.

Der Apotheker Helmut Schambacher war seit 1970 Pächter und ab 1976 Inhaber der Kopf-Apotheke gewesen, die zu den ältesten Apotheken Frankfurts gehörte und bis 1989 bestand. Ihr Gründungsdatum lässt sich nicht genau nachweisen, sie hat aber bereits 1435 bestanden. Aufgrund einer untragbaren Mieterhöhung schloss Helmut Schambacher nach über 550jährigem Bestehen am 28.02.1989 die Kopf-Apotheke.

Seit dem 15. Jahrhundert hatten sich fünf Apotheken herauskristallisiert, die 1691 ein kaiserliches Privileg erhielten, nämlich die Apotheken im Goldenen Kopf, im Weißen Schwan, im Goldenen Engel, im Goldenen Hirsch und im Einhorn. Darin wurde erwähnt, dass dieses Privileg schon seit unerdenklichen Zeiten bestanden hatte. Es besagte, dass es allein den fünf genannten Apotheken erlaubt sei, Medikamente zu verkaufen. Dieser Schutz war den Apotheken viel wert. In den beiden Privilegien von 1706 und 1713 wird auf das Jahr 1690 Bezug genommen, in dem die fünf Apotheken dafür 5000 Reichstaler an den Rat zahlten, dass für weitere vierzig Jahre keine weitere Apotheke errichtet werde. Der Wortlaut der beiden Urkunden ist ähnlich. Die Privilegien erteilte der Kaiser, die Genehmigung zur Errichtung einer Apotheke der Frankfurter Rat. Um die Rechtskraft eines Privilegs zu bewahren, mussten sich die Inhaber dieses nach einem Herrscherwechsel bestätigen lassen. Dies geschah dann durch eine Neuausfertigung.

Der erste Sitz der Kopf-Apotheke war auf dem Alten Markt Lit. L. Num. 139. Das Haus war mit einem Haus in der Gasse Hinter dem Lämmchen verbunden. Nach der Einführung von Hausnummern 1847 hatte das Haus dann zwei Adressen: Alter Markt 36 und Hinter dem Lämmchen 9. Die Apotheke war in letzterem Haus.

Haus Hinter dem Lämmchen 9Abb. 1: Das Haus „Hinter dem Lämmchen 9“ in der sich die Kopf-Apotheke bis 1886 befand. An der Hauswand sieht man den im 19. Jahrhundert eingesetzten Brunnen zum Lämmchen, der ursprünglich frei in der Gasse stand, um 1910, (aus S1/264:2)

Die verschiedenen Inhaber der Kopf-Apotheke sind erst seit dem 18. Jahrhunderts lückenlos bekannt. 1435 wird ein Apotheker Conrad beim Guldenen Haupt genannt, 1462 dann Wigand Faust. 1552 wird in einer Urkunde der Apotheker Johann Nese und seine Frau Katharina und dann 1579 die Witwe Katharina Nese erwähnt. Vermutlich diese Witwe Nese, geb. Rensfeld, heiratete 1584 einen Apotheker Johann Müller, der 1636 starb.1642 pachtete Matthias Bansa die Kopf-Apotheke. 1658 musste er sie aber an den inzwischen herangewachsenen Sohn des früheren Eigentümers, Johann Stephan Müller, wieder abgeben. Er selbst hatte sich vergeblich um eine eigene Konzession bemüht, die der Rat ihm aufgrund des Apothekenprivilegs verwehrte. 1693 forderte der Apotheker Johann Wilhelm Müller beim Rat die Verhängung einer Strafe für den Materialisten Johann Matthias Bansa, dem Sohn des Matthias Bansa, wegen unerlaubten Verkaufs von Medikamenten. In dem Privileg von 1713 wird noch Johann Wilhelm Müller als Besitzer genannt.

1742 erhielt der Apotheker Caspar Conrad Rühle dann die Ernennung zum kaiserlichen Hofapotheker. Dieses Privileg wurde in dem dritten übergebenen Privileg von 1770 dessen Sohn Johannes Rühle bestätigt. Es gewährt Rühle allen Schutz und alle Freiheiten zur Ausübung seiner Tätigkeit. Wer auch immer Rühle behindern sollte, dem wurde eine Strafe von 20 Mark angedroht. Dafür sollten sich Mitglieder des kaiserlichen Hofs, eingeschlossen vorbeiziehender kaiserlicher Truppen oder bei Truppenwerbungen zum günstigsten Preis mit Medikamenten versorgen können.

1802 verkauften Johannes Rühle und seine Frau Susanna Margaretha, geb. Saltzwedel die Apotheke an Carl Bernhard Strubberg. Strubberg starb 1824. Seine Witwe heiratete 1825 Friedrich Wilhelm Buchka. Nach deren Tod noch im gleichen Jahr 1825 ging die Apotheke dann an Friedrich Wilhelm Buchka und ab 1852 an dessen Sohn aus zweiter Ehe, Franz Anton Buchka, über. 1879 übernahm sein Schwiegersohn Dr. Alfred Raab die Apotheke, der sie 1881 in das Hause Neue Kräme 1/3 verlegte. 1896 erwarb Carl Weinreben Haus und Konzession. 1910 erfolgte der nächste Besitzerwechsel. Die Apotheke ging an Paul Meyer über. Wegen des Durchbruchs der Braubachstraße wurde das Haus Neue Kräme abgerissen und ein neues Grundstück gegenüber an der Ecke Neue Kräme/Braubachstraße 36 erworben. Meyer führte die Apotheke unter dem Namen F. Buchka’s Kopf-Apotheke weiter. Nach seinem Tod 1956 übernahm seine Tochter Inger Freifrau von Göler, die Geschäftsführung. 1970 verpachtete sie diese dann an Helmut Schambacher, der bereits seit 1967 dort angestellt war. Auch die berühmten Frankfurter Pillen, ein Abführmittel, wurden noch in den 1970er Jahren verkauft, allerdings nach Rezeptänderungen unter der Bezeichnung „Meyers Kräuterpillen“, wie sie von dem früheren Inhaber Paul Meyer umbenannt worden waren.

Kopf-Apotheke
Abb. 2: Die Kopf-Apotheke im Haus Ecke Neue Kräme/Braubachstr. 36, um 1970 (aus S1/264:2)

Im Bestand der Kopf-Apotheke befinden sich außerdem ein Giftbuch und ein so genanntes Herstellungsbuch. Zur Führung von Giftbüchern sind die Apotheken verpflichtet. Das Giftbuch enthält den Namen des verkauften Gifts, seinen Verwendungszweck und Name und Adresse des Käufers bzw. Abholenden. Die gängigen Verwendungszwecke beispielsweise für den Zeitraum 1896 bis 1942 waren Mäuse- und Rattenvertilgung mit Strychninweizen oder Arsen. Das Herstellungsbuch hat eine Laufzeit von 1894-1987 und gibt Auskunft über hergestellte Medikamente.

Weitere Dokumente und Gegenstände aus dem Besitz der Kopf-Apotheke befinden sich im Deutschen Apothekenmuseum in Heidelberg.

© Sylvia Goldhammer

Quellen:
Dietz, Alexander: Handelsgeschichte, S. 202, 216; Stalburg-Archiv: Urkunden 160; Hausurkunden 1.433 und 3.288; Nachlassakten 1826/2.229; S1/264: 2; W3/77: 1-9; Gespräch mit Herrn Schambacher am 27.09.2007.

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