Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 9

Die Gewürz- und Farbholzmühle in Frankfurt am Main

(Alle Abbildungen können durch anklicken vergrößert werden!)

In Frankfurt a. M. stand bis 1818 am Schneidwall an der Südwestecke der Stadt am Main unter anderem eine wasserbetriebene Mühle für Farbhölzer und Gewürze. Schon aus dem 15. Jahrhundert wissen wir vom Handel mit tropischen Gewürzen in der Stadt wie Nelken, Pfeffer, Ingwer und dem besonders teuren Safran. Der hohe Preis der Gewürze führte dazu, dass sie gerne verfälscht wurden. Daher führte die Stadt Gewürzkontrollen, einen Konzessionszwang für Gewürzhändler und einen Mahlzwang in einer städtischen Gewürzmühle ein.

Schneidwall
Der Schneidwall vor dem Abbruch um 1810 (Institut für Stadtgeschichte, S 7 A 1998/1261)

Schon 1332 bestand an der Südwestecke der Stadt am Main eine Mühle, 1434 als neue Mühle bezeichnet. 1542 arbeitete dort auch eine Gewürzmühle und eine Mühle für Farbhölzer. 1670 begegnet erstmalig der Name Schneidmühle. Der neue Betrieb verarbeitete außer Gewürzen auch tropische Farbhölzer. Gängige Sorten waren das auch in Frankfurt am meisten verarbeitete Blau- oder Campecheholz aus Zentralamerika und dem nördlichen Südamerika, benannt nach dem Hafen Campeche auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Dessen im 17. und 18. Jahrhunderts als Farbstoff für Baumwoll- und Leinenstoffe sehr beliebtes purpurrotes Kernholz ist das Rohmaterial für den in heißem Wasser oder Alkohol gut löslichen Farbstoff Hämatoxylin. Kocht man geraspeltes Blauholz mit Laugen, färbt sich die Lösung purpurrot, unter Lufteinwirkung auf Textilen blau-violett, ist aber nicht ganz lichtecht. Im 19. Jahrhundert wurde es wie andere natürliche Farbstoffe von Anilinfarben abgelöst. Blauholz wird geraspelt, gemahlen und fermentiert, oxidiert dabei und erhält dabei ein blutrotes Aussehen. Weitere Farbhölzer waren Rot- und Gelbholz sowie Sandelholz. Rotholz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Hölzer aus Ostasien und Südamerika, aus denen der Farbstoff Brasilin gewonnen wird. Das farbstoffreichste und teuerste ist das Pernambukholz (auch Fernambuck), benannt nach Pernambuco in Nordostbrasilien (heute Recife). Gelbholz wird aus dem gelben Stammholz des Färbermaulbeerbaums gewonnen. Das rote, gelbe und weiße Sandelholz stammt aus Indien, Ceylon und Timor. Rotes Sandelholz dient vornehmlich als Farbholz für Textilien und ergibt eine tiefrote Farbe, gelbes wird zu Möbeln verarbeitet.

Stampfwerk mit Kollergang
Rötelzeichnung eines Stampfwerks und eines Kollergangs, hier für einen Antrieb mit einem Pferdegöpel, rechts
(Institut für Stadtgeschichte, Rechnei vor 1816, fol. 3)

Farbholz wurde erst gehackt, dann zerstoßen und schließlich fein gemahlen. Alle nachfolgend genannten Maschinen wurden durch Wasserräder im Main betrieben. Aus der Zeit des Neubaus zwischen 1713 und 1729 liegen Inventare der Blauholzmühle, der Trass- und Schmirgelmühle, der Sandelmühle und der Gewürzmühle vor. Wichtig war ein großer Platz zum Hacken und Lagern von Farbhölzern. Dieses Inventar benennt zwei Kammräder, zwei Stocktriebe und je einen alten und neuen Läufer mit einem Bodenstein und damit ein Mahlwerk wie bei einer Getreidemühle. Die Trass- und Schmirgelmühle bestand im Kern aus eisernen Mörsern, hölzernen Stempeln mit eisernen Schuhen zum Stampfen und einem großen Kasten für gestoßenen Trass, einem wichtigen Mörtelzuschlag vulkanischen Ursprungs. Die Sandelmühle war mit Bronzemörsern und hölzernen Stempeln mit Bronzeschuhen ausgestattet. Die Bronzeteile kamen aus der städtischen Geschütz- und Glockengießerei. Stampfen waren nach der Erfindung der Daumenwelle im 11./12. Jahrhundert gebräuchlich und wurden zum Zerstoßen von vielerlei Produkten verwendet. Die Gewürzmühle war mit Bronzemörsern und Stempeln sowie Zubehör ausgestattet und alle Mühlen mit Waagen und Gewichten.

Untersuchung von Gewürzen
Untersuchung von Gewürzen bei einzelnen Händlern 1546, abgebildet ein Mörser sowie zwei Längenmaße
(Institut für Stadtgeschichte, Rechnei vor 1816, 28)

Die Stadt lag in einem ständigen Kampf mit Gewürzfälschern, illegalen Gewürzmüllern und billiger auswärtiger Konkurrenz. Im Jahr 1772 wandelte sie den Regiebetrieb in einen Pachtbetrieb um. Dieser verlor während der Kriege Ende des 18. Jahrhunderts an Bedeutung. Die nach 1627 errichteten Wallanlagen. waren Ende des 18. Jahrhunderts veraltet. Die Stadt begann 1804 auf Druck Frankreichs mit ihrer Schleifung sowie der Parzellierung und dem Verkauf der Wallgrundstücke. Die Niederlegung der Schneidwallbastion und damit auch der dortigen Mühlenbetriebe bildete 1818 das Ende von Frankfurts Entfestigung. Heute stehen an der Stelle des Schneidwalles Verwaltungsgebäude der Degussa (Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt), die ihrerseits wieder Gegenstand weiterer städtebaulicher Planungen sind.

© Konrad Schneider

Quellen:
Rechnei vor 1816, 26, 28, 29, 1183
Rechnei nach 1816, 267.

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