Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 9

Die Stadt und die Aufbewahrung von Sammlungsgut im Wandel der Zeit

(Alle Abbildungen können durch anklicken vergrößert werden!)

Bereits vor über hundert Jahren gab es ein Interesse, die Veränderungen und den damit einher gehenden Wandel der Altstadt fotografisch festzuhalten.

Ein wichtiger Zeitzeuge für die Geschichte Frankfurts ist die von 1896 bis 1911 entstandene umfangreiche lose Blattsammlung „Bilder aus dem alten Frankfurt“, erschienen in 26 Heften mit mehreren hundert Lichtdrucken von Carl Friedrich Fay und Franz Rittweger. Es handelt sich hierbei um das umfangreichste veröffentlichte Bildmaterial zu einer historischen Altstadt. Dargestellt sind vor allem Plätze, historische Häuser mit ihren beeindruckenden Innenhöfen, Innenraumansichten der Altstadtkirchen sowie Brücken und Stadttore. Ergänzt wird das Bildmaterial durch die informativen und ausführlichen Erläuterungen der jeweiligen Hefte.
Carl Friedrich Fay (1853-1918), einem der berühmtesten Fotografen seiner Zeit, gelang es, in einer erstaunlich nüchternen und ungeschönten Art und Weise ein einzigartiges Porträt einer uralten Stadt zu schaffen, von der heute praktisch nichts mehr zu sehen ist.

Damit im Institut für Stadtgeschichte auch in den nächsten Jahrhunderten die „Zeitzeugen“ eingesehen werden können, benötigen sie lebensverlängernde Maßnahmen. Wie zum Beispiel spezielle Schutzverpackungen, um mechanischen Schäden vorzubeugen, säurefreie Materialien und stabile klimatische Lagerbedingungen, um den Papierzerfall stark zu verlangsamen.

Ursprüngliche Mappen
Alte Aufbewahrung: Fay - Bilder aus dem alten Frankfurt
Neue Aufbewahrungskassetten
Neue Aufbewahrung: Fay - Bilder aus dem alten Frankfurt

Bei Papieren, die Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre hergestellt wurden, ist säurebedingter Papierzerfall ein häufig auftretendes Problem. Durch den ab Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden industriellen Herstellungsprozeß wurden zwei wichtige Faktoren in der Papierherstellung verändert, welche sich nachteilig auf die Qualität und Haltbarkeit auswirken. Zum einen wurde der bisherige textile Hauptrohstoff durch Holz verdrängt. Textile Fasern bestehen nahezu aus reiner Cellulose. Im Gegensatz dazu weist Holz einen wesentlich geringeren Anteil an Cellulosefasern auf, die im Holz von dem schwer löslichen Lignin umgeben sind. Lignin ist für das Vergilben und das frühzeitige Altern des Papiers verantwortlich. Durch die Alterung von Lignin entsteht Säure, die im Laufe der Zeit die Cellulosefasern zerstört und somit das Papier brüchig werden lässt - bis hin zum Zerfall. Der Säuregrad von Papier sollte nicht unter dem pH-Wert 5,0 liegen. Eine weitere Quelle für entstehende Säure ist die Veränderung der Leimstoffe und die Art der Leimung. Ursprüngliche Leimstoffe bestanden aus Stärke und tierischen Leim, die auf die Oberfläche der Papierbögen aufgestrichen wurden. Bei der industriellen Masseleimung wird ein säurehaltiges Gemisch aus Harz und Alaun direkt der Papiermasse beigemischt. Auch hierbei wirkt der säurebedingte Abbau der Cellulosefasern direkt von innen heraus. Diese Zusammenhänge wurden erst relativ spät erkannt.

Die chemischen Vorgänge der Alterung von Papier können wir leider nicht aufhalten, aber wir können sie verlangsamen. Zum einem durch Verwendung von archivgerechtem, konservatorisch unbedenklichen Material, zum anderen durch stabile Klimabedingungen. Säurehaltige Materialien werden dort, wo es möglich ist, ausgetauscht; an denen, die den Erhalt des Originals bedingen, werden Barrierepapiere eingebracht.

Säurehaltiger Umschlag
Alte Aufbewahrung: Der säurehaltige Umschlag sowie das säurehaltige Titelblatt liegen direkt auf dem Text bzw. auf den Lichtdrucken
einfügen von Barrierepapier
Neue Aufbewahrung: Ein säurefreies und gepuffertes Barrierepapier trennt den Inhalt vom säurehaltigen Titelblatt
Mappe mit Klappen
Neue Aufbewahrung: Zur Vermeidung von mechanischen Schäden erhält jedes Heft eine Mappe mit Klappen.

Ebenso wichtig wie konservatorisch hochwertige Materialien sind die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur.
Papier ist ein hygroskopisches Material, das bei einer Luftfeuchtigkeit um 50% seine größte Festigkeit, Elastizität und Geschmeidigkeit aufweist. Unter 40% trocknet Papier aus und wird spröde. Eine relative Luftfeuchtigkeit von über 65 % bis 70% begünstigt das Wachstum von Pilzen und Bakterien. Je niedriger die Raumtemperatur, umso langsamer verläuft die natürliche Alterung, folgerichtig verkürzen höhere Temperaturen die Lebensdauer von Papier! Erstrebenswerte Temperaturen für die Aufbewahrung liegen zwischen 15 und 18 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45% bis 55%.

© Heike Herrmann

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