Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 9

Der Frankfurter Künstlerclub im Portrait

(Alle Abbildungen können durch anklicken vergrößert werden!)

Das Archiv des Frankfurter Künstlerclubs e. V. kam Ende 2006 als Dauerleihgabe in das Institut für Stadtgeschichte. Die Berichte in den Akten reichen von der Gründung am 22.08.1955 bis in das Jahr 2001, außerdem gehören Jahrbücher und Dokumente zur Feier des 50jährigen Bestehens des Clubs im Jahr 2005 wie Festschrift, Kalender, Plakat und eine Aufzeichnung des Festaktes sowie eine Videokassette mit Filmmaterial über den Club zum Bestand dazu. Inzwischen wurde das Archiv komplett in der institutseigenen Archivdatenbank (www.stadtgeschichte-ffm.de, Menüpunkt „Archivdatenbank“) verzeichnet und liefert interessierten Nutzern Material zu Frankfurter Künstlern, zu Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen wie Matineen und Konzerten. Zum Bestand gehört außerdem eine umfangreiche fotografische Dokumentation der Veranstaltungen.


Aufruf zur Gründung des Clubs „Gebende Hände e.V.“, Ausschnitt (V 115/ 1)

Gegründet wurde der Club unter dem Namen „Gebende Hände e. V.“ als gemeinnütziger Verein zur Unterstützung freischaffender Künstler. Gründungsmitglieder waren Franz Buechler (Komponist), Otto Cezierski (Schriftsteller), Dodo van Doeren (Schauspielerin), Richard Eller (Sänger), Martha Palm (Malerin), Titty Schwerin (Schriftstellerin) und Karl Wittig (Schriftsteller). Im Aufruf zur Werbung weiterer Mitglieder kurz nach der Gründung heißt es: „Im Zuge der Zeit – unserer Zeit – im Zeichen des „Wirtschaftswunders“, haben sich 7 Künstler zusammengefunden, um eine Gemeinschaft zu Unterstützung freischaffender Künstler zu gründen. Die „Gebenden Hände“ sind keine Wohltätigkeitsvereinigung im üblichen Sinne – sondern eine Gemeinschaft von Künstlern und Kunstfreunden, die die Nöte der Kunstschaffenden aus Erfahrung oder nächster Nähe kennen und lindern wollen.“

Ferdinand Hardt mit Frau im Atelier
Der Maler Ferdinand Hardt mit Frau in seinem Atelier, ca. 1957 (V 115/ 1)

In der ersten Satzung des Vereins ist als Zweck die finanzielle, materielle und ideelle Unterstützung freischaffender Künstler eingetragen. Vor allem für ältere Künstler, die während der NS-Zeit mit einem Arbeitsverbot belegt waren und nun keinen Anschluss an die Nachkriegszeit fanden, sollte eine Möglichkeit zur Präsentation geschaffen werden. So war die erste Ausstellung im Nebbienschen Gartenhaus im Oktober 1957 dem 90jährigen Emaillemaler Ferdinand Hardt gewidmet. Auch Institutionen mit ähnlicher Zielsetzung wie z. B. die Theatergruppe „Das Frankfurt Ensemble“ unterstützte der Club. Der Vereinszweck sollte auch durch Schaffung einer Zentrale zur Erfassung aller arbeitslosen Künstler, Einrichtung von Künstlerfreitischen, die unentgeltliche Benutzung eines Probenraums, wechselnde Ausstellungen und Auftrittsmöglichkeiten sowie Errichtung eines Künstler-Altersheimes erreicht werden.

Schon ab 1958 fanden regelmäßige Ausstellungen der Sparten Malerei und Bildhauerei im Nebbienschen Gartenhaus statt, dass dem Club von der Stadt Frankfurt kostenlos überlassen wurde und sich immer mehr zum festen Stammsitz des Vereins entwickelte. 1959 kamen erstmals Briefköpfe mit dem Signet des Künstlerclubs in Umlauf, welches alle im Club vertretenen Kunstgattungen symbolisieren sollte und auch nach der Umbenennung des Vereins 1980 weiter verwendet wurde. Erst im Jahr 1995 wurde es durch eine stilisierte Zeichnung des Nebbienschen Gartenhauses ersetzt. Bis 1974 waren die Kunstgattungen Musik, Schriftstellerei, Schauspiel, Malerei und Bildhauerei im Verein gleichberechtigt vertreten, was vor allem auch ein Anliegen der langjährigen Geschäftsführerin des Vereins Dodo van Doeren war.

Dodo van Doeren
Postkarte von Dodo van Doeren (V 115/ 8)

Unter dem neuen Vorsitzenden Gerd Ammelburg und der neuen Geschäftsführerin Erika Limpert sollte sich das Nebbiensche Gartenhaus zu einem Kulturzentrum für Frankfurt weiter entwickeln. Da sich das Gartenhaus für Gemäldeausstellungen besonders eignete, erfuhr diese Kunstgattung in den folgenden Jahren eine stärkere Förderung. Beispielsweise rief der Verein zu seinem 25jährigen Bestehen 1980 zu einem Bilderwettbewerb „Natur in unserer Stadt“ unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Walter Wallmann auf. Hinzu kam, dass die ursprüngliche soziale Funktion des Vereins nicht mehr in dem Umfang benötigt wurde, wie es in der frühen Nachkriegszeit der Fall gewesen war. 1979/ 80 erfolgte die folgerichtige Umbenennung in Frankfurter Künstlerclub. Diesen Namen führt der Verein heute noch. So entwickelte sich der Frankfurter Künstlerclub zu einem Forum speziell für Frankfurter Künstler, u. a. Ferry Ahrlé, Fred Brosius, Karl Busch, Edwin Grazioli, Kurt Fauldraht, Erwin Haug, Wilhelm Raab, Lina von Schauroth, Kurt Thorandt und Tomi Ungerer stellten im Gartenhaus aus.

Ausstellungeröffnung von Ferry Ahrlé
Ausstellungseröffnung von Ferry Ahrlé November 1977 (V 115/ 13)

Seit 1982 gab es neben den Kunstausstellungen auch regelmäßige Matineen und Konzerte, für die ein eigener Konzertflügel genutzt werden konnte. Auch der seit 1996 tätige Vorsitzende Ernst-Dietrich Haberland setzte sich das Ziel, wieder allen Kunstsparten des Vereins gleiche Geltung zu verschaffen. Heute versteht sich der Künstlerclub als Begegnungsinitiative für darstellende Künstler. Neben den 12 Ausstellungen pro Jahr im Nebbienschen Gartenhaus finden ungefähr 70 weitere begleitende Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Literatur, Tanz und Schauspiel statt. Zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses kooperiert der Künstlerclub mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und der Schule für Mode.Grafik.Design. in Offenbach. Außerdem bietet der Verein thematische Konzertreihen, beispielsweise zu Frankfurter Komponisten und Jazz, an. Durch diese neue Ausrichtung hat der Bekanntheitsgrad des Vereins deutlich zugenommen. Annähernd 10.000 Besucher strömten im Jubiläumsjahr 2005 in das Nebbiensche Gartenhaus. Heute zählt der Frankfurter Künstlerclub ungefähr 350 Mitglieder.

© Claudia Schüßler

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