Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 10

Wenn der Mittlere Hasenpfad „baden“ geht oder ...
Die Restaurierung eines Parzellierungsplans von 1784

(Alle Abbildungen können durch anklicken vergrößert werden!)

Der vorliegende Plan zeigt die Flurstücke der Gemarkung „Mittler Hassenpath Weg“ und der angrenzenden Gebiete des „Krumeweg“ und der „Mehrfelder Landstraß“ sowie ein Verzeichnis der Eigentümer. 1784 hat Johannes Wicker, seinerseits „ackergerichts geschworner“, diesen Parzellierungsplan auf Papier mit Tusche, farbig laviert, wiedergegeben. Es handelt sich hierbei vermutlich um einen Auszug aus einem alten Wegebuch von 1536.
Sichtbare Falzungen und Heftstichlöcher lassen den Rückschluß zu, dass der Plan ehemals einer Akte beigeheftet war.

Zustandsbeschreibung
Durch einen ehemaligen Schimmelschaden ist der Plan stark geschädigt. Zum einen ist das Papier stark abgebaut und brüchig, zum anderen haben Mikroorganismen starke Verfärbungen und papierschädigende Stoffwechselprodukte im Papier hinterlassen. Durch die starken Schädigungen ist der Plan für die öffentliche Benutzung gesperrt.

Detailansicht vor der Restaurierung
Detailansicht vor der Restaurierung

Schimmelpilze treten überall in unserer Umgebung auf. Zusammen mit anderen Pilzen und Bakterien tragen sie zum Abbau organischer Materie wie zum Beispiel Papier, Textilien oder Leder bei - Materialien, die sich im großen Umfang in Bibliotheken und Archiven befinden. Wenn die Temperatur über 25 Grad und die relative Luftfeuchtigkeit über 65% dauerhaft ansteigt, erwachen die Mikroorganismen zum Leben. Sind jedoch diese Lebensbedingungen für Mikroorganismen nicht gegeben, besteht keine Gefahr.
Haben sie sich Papier als Grundnahrungsstoff ausgesucht, ernähren sie sich von dem Grundbaustein des Papiers, der Celullose, sowie von tierischen Leimstoffen oder von Verschmutzungen, die sich auf dem Papier befinden. Durch Zerstörung der Cellulosefasern durch die Mikroorganismen verliert Papier seine Zugfestigkeit und Elastizität.
Der vorliegende Plan ist soweit durch Mikroorganismen geschädigt, dass eine Nutzung für die Öffentlichkeit nicht mehr möglich ist.

Ziel der Restaurierung ist es, den Plan zu reinigen, zu stabilisieren und in Planlage der Benutzung wieder zugänglich zu machen.

Beschreibung der Restaurierung

• Trockenreinigung:
Mit einem Latexschwamm werden Oberflächenverschmutzungen wie Staub und Schmutz abgenommen.

• Abnahme des Gewebes:
Das rückseitige Gewebe ist größtenteils gelöst. Da es keine Informationen enthält, wird es mechanisch abgelöst und zu gegebener Zeit durch ein Japanpapier ersetzt.

Mechanische Abnahme des Gewebes
Mechanische Abnahme des Gewebes

• Nassreinigung:
Da der Plan mit wasserempfindlichen Farben koloriert ist, darf die Behandlung nicht im Wasserbad durchgeführt werden, sondern nur auf einem Saugtisch. Durch Unterdruck wird aufgesprühtes Wasser direkt nach unten weggesaugt. Somit ist die Verweildauer des Wassers im Papier zu gering, um die Farben ausbluten zu lassen,
andererseits ausreichend, um Verschmutzungen oder Säuren aus dem Papier auszuwaschen.

Reinigung mit Wasser auf dem Saugtisch
Reinigung mit Wasser auf dem Saugtisch
Ausgespülte Verschmutzungen und Abbauprodukte der Mikroorganismen
Ausgespülte Verschmutzungen und Abbauprodukte der Mikroorganismen

• Leimung:
Durch die Reinigung mit Wasser werden auch Stoffe ausgespült, die im Papier erwünscht sind, zum Beispiel Leimstoffe. Mittels eines feinen Sprühers wird eine Nachleimlösung ebenfalls auf dem Saugtisch aufgesprüht.

• Stabilisierung:
Um dem Plan so viel Festigkeit zu verleihen, dass er wieder bedenkenlos benutzt werden kann, wird er vollflächig auf ein Japanpapier kaschiert.

Auf Japanpapier kaschierter Plan
Auf Japanpapier kaschierter Plan

• Archivierung:
Zur Schonung des aufwendig restaurierten Plans sowie dessen besserer Lesbarkeit wird der Plan in Planlage in ein Passepartout montiert.

Plan montiert im Passepartout
Plan montiert im Passepartout

Auch hierbei wurde der Grundsatz der Restaurierung angewendet: So wenig wie möglich und soviel wie notwendig.
In diesem Sinne konnte auch hier wieder einmal ein Objekt vor den totalen Zerfall gerettet werden.

© Heike Herrmann

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