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Anfang des Jahres 2002 trat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels
an das Institut für Stadtgeschichte mit der Anfrage heran, das Archiv
des Börsenvereins als Depositum abzugeben. Im Dezember 2004 folgte nach
zweijährigen vorangegangenen Sichtungs- und Verpackungsarbeiten eine erste
Abgabe der Zentralregistratur. Die in 37 Hängeregistraturschränken
untergebrachten Akten befinden sich nun auf rund 58 laufenden Regalmetern im
neuen Außenmagazin Borsigallee. Die nächste Abgabe folgte im November
2007 und weitere Abgaben sind in Vorbereitung. Der Bestand enthält Unterlagen
zum deutschen Buch- und Verlagswesen nach 1945. Darüber hinaus enthält
er aber auch vielfältiges Material für sozial- und kulturpolitische
Fragestellungen.

Zentralregistratur des Börsenvereins im Großen Hirschgraben
17-21, September 2002
Der 1825 in Leipzig gegründete Börsenverein des Deutschen Buchhandels
gilt als ältester deutscher Wirtschaftsverband und darüber hinaus
war er der erste gesamtdeutsche Verband in einer Zeit als der Deutsche Bund
aus 39 Einzelstaaten bestand. Ursprünglich als Abrechnungsgesellschaft
für Verleger und Buchhändler gegründet, standen aber auch zwei
drängende berufsständische Anliegen zur Beratung, der als „Schleuderei“ bezeichnete
Kundenrabatt und der Nachdruck von Druckwerken. Beide Problemkreise konnten
erst 1871 nach Gründung des Deutschen Reichs mit dem neuen Urheberrechtsgesetz
und 1887 mit der Einigung auf die Buchpreisbindung gelöst werden. Das
Urheberrechtsgesetz hat mittlerweile – in enger Zusammenarbeit mit dem
Börsenverein - zahlreiche Änderungen und Erweiterungen erfahren.
Die Buchpreisbindung dagegen musste immer wieder neu verteidigt werden.1961
kam der reduzierte Umsatz-/bzw. Mehrwertsteuersatz für Verlagserzeugnisse
dazu. Mit der Etablierung eines kalkulierbaren Marktes steht der Buchmarkt
in einer freien Marktwirtschaft einzigartig dar, jedoch konnte dadurch ein
vielfältiger deutscher nationaler Buch- und Verlagsmarkt entstehen.
Bedingt durch die deutsch-deutsche Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg kam
es auch zur Teilung des Verbands. In Frankfurt wurden 1948 der Börsenverein
Deutscher Verleger- und Buchhändler-Verbände, seit 1955 Börsenverein
des Deutschen Buchhandels e. V., und in Leipzig der Börsenverein der Deutschen
Buchhändler zu Leipzig neu gegründet. Der Frankfurter Verband hatte
im neu errichteten Haus des deutschen Buchhandels im Großen Hirschgraben,
direkt neben dem Goethe-Haus, seit 1953 seinen neuen Sitz in Frankfurt am Main.
1991 wurden die beiden Vereine wieder vereinigt.

Bestand Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Außenmagazin
Borsigallee 8, Februar 2008
Der Wirtschaftsverband steht zwischen den Polen einer kommerziellen Interessenvertretung
für das Buch- und Verlagswesen und der Förderung des Kulturguts Buch. Kommerz und Kultur stehen
in starkem Kontrast zueinander. Ein Konflikt, der nicht zuletzt auf das Selbstbild
des Berufsstands zurückwirkt. Seit 1951 vergibt der Börsenverein
alljährlich während der Buchmesse in der Paulskirche den Friedenspreis
des Deutschen Buchhandels. Mit dem international renommierten Kulturpreis drückt
sich nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs der ideelle Wille des Buchhandels
aus, aktiv für Völkerverständigung und zur Verwirklichung des
Friedensgedankens beizutragen. Und schon seit Ende der 1950er Jahre, lange
bevor durch die PISA-Studien die öffentliche Aufmerksamkeit auf schwindende
Lesekompetenz deutscher Schüler fiel, verschrieb sich der Börsenverein
der Aufgabe, durch Leseförderung für Kinder und Jugendliche das Interesse
am Buch zu steigern. Dazu gehören Projekte wie der seit 1959 in deutschen
Schulen stattfindende Vorlese-Wettbewerb und seit 1984 die Aktion „Das
lesende Klassenzimmer“.
Der Bestand umfasst eine Laufzeit von 1945 bis 2003. Die Akten bis 1978 sind über
eine einfache Titelliste mit Laufzeitangabe bereits benutzbar. Die Übersicht
ist jedoch wegen der aktuellen Laufzeit nicht öffentlich einsehbar. Der
Bestand bietet für zahlreiche Themen des deutschen Buch- und Verlagswesens
Material für eine wissenschaftliche Bearbeitung. Verbandspolitische Meinungsbildung
spiegelt sich in Protokollen der Haupt- und Abgeordnetenversammlungen, Korrespondenzen
der fachinternen Ausschüsse, insbesondere Zwischenbuchhandel, Sortimenter
und Verlage, und den Landesverbänden wider. Die berufsständische
Interessenvertretung nach außen äußert sich in Korrespondenzen
auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene sowie mit fachverwandten und auch internationalen
Vereinigungen. Neben den bereits oben aufgeführten Aspekten findet sich
auch Material zu den Tochtergesellschaften Ausstellungs- und Messe GmbH für
die Organisation der Buchmesse, der Buchhändler-Vereinigung GmbH mit Herausgabe
des Börsenblatts für den Deutschen Buchhandel, des Verzeichnisses
lieferbarer Bücher und des Adressbuchs für den Deutschen Buchhandel
und der Buchhändler-Abrechnungsgesellschaft. Weitere Unterlagen sind zur
Buchmarktforschung vorhanden, die auch die Marktbeobachtung des ausländischen
Buchmarktes einschließt. Der Börsenverein war nach dem Zweiten Weltkrieg
an der Gründung der Deutschen Bibliothek beteiligt, übernahm 1952
die Buchhändlerschule und gründete 1965 die Stiftung Buchkunst.
Literaturhinweis:
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 1825-2000.
Ein geschichtlicher Aufriss. Hrsg. i. A. der Historischen Kommission von Stephan
Füssel u. a. Frankfurt: Buchhändler-Vereinigung, 2000.
© Sylvia Goldhammer