Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 12

Schlüsselkinder, Sekretärinnen, Gastarbeiter - Die fünfziger und sechziger Jahre im Bild
Institut für Stadtgeschichte erwirbt Aufnahmen des Fotografen Gustav Hildebrand

(Alle Abbildungen können durch anklicken vergrößert werden!)

Die Fotosammlung des Instituts ist seit kurzem um eine Besonderheit reicher, denn aus dem Archiv des Fotografen Gustav Hildebrand konnten rund 60 Bilderserien zu Frankfurter Themen erworben werden.

Unterricht im Sekretärinnen-Studio Helga Braun
Unterricht im Sekretärinnen-Studio Helga Braun, Roßmarkt 7 (1957)

Gustav Hildebrand wurde 1925 in Schlüchtern geboren. Er ist freischaffender Fotojournalist und war beruflich weltweit tätig. 1982 wurde er in die „Deutsche Gesellschaft für Photographie“ (DGPh) berufen.

Hildebrand verfasste vor allem Reportagen für Magazine wie „Stern“, „Scala“ und „Neue Illustrierte“, für die er neben den Fotos auch den gesamten Text lieferte. Darüber hinaus publizierte er Fotobücher zu hessischen und fränkischen Landschaften sowie zu regionalgeschichtlichen Themen, zuletzt „U-Bahn, Zeil und Wolkenkratzer“ (2007).

Haltepunkt für die fahrbare Zweigstelle der Frankfurter Sparkasse
Haltepunkt für die fahrbare Zweigstelle der Frankfurter Sparkasse von 1822 (1957)

Die vom Institut erworbenen Aufnahmen bieten einen Querschnitt durch das Frankfurt der fünfziger und sechziger Jahre und enthalten viele Motive, die in den Sammlungen des Instituts bisher kaum vertreten waren: amerikanische Gemeinde (High School, Soldatensender AFN, Naturwissenschaft und Medizin (Georg-Speyer-Haus, Herzchirurgie in der Universitätsklinik, Battele-Institut), Flughafen (Luftfahrtschule, Flugsicherung, Tierstation), öffentliche Verwaltung (berittene Polizei, Deutsche Bibliothek, Haus der Jugend) und schließlich stark zeitgebundene Themen der Epoche (Gastarbeiterlager, Sekretärinnenschule, Schlüsselkinder, Fischsterben auf dem Main, erstes Gartencenter) und anderes mehr.

Praktischer Verkehrsunterricht auf dem Schulhof der Anna-Schmidt-Schule
Praktischer Verkehrsunterricht auf dem Schulhof der Anna-Schmidt-Schule (1967)

Obgleich es sich überwiegend um arrangierte Aufnahmen handelt, bieten die Bilder doch einen Blick auf Zeiterscheinungen, Arbeitsplätze und Milieus hinter sonst verschlossenen Türen. Diese Fotografiegattung – in der Sprache der Agenturen „people-Fotografie“ genannt - gewinnt im Institut für Stadtgeschichte, das traditionell über starke Bestände in den Bereichen Stadtbild, Porträt und Ereignis verfügt, immer mehr an Bedeutung.

Im Haus der Jugend am Sachsenhäuser Ufer
Im Haus der Jugend am Sachsenhäuser Ufer (ca. 1975)

Die Auswertung der Aufnahmen wird in Kürze abgeschlossen sein. Diejenigen Fotos, die zur dauernden Aufbewahrung bestimmt sind, werden dann signiert. Damit sind die Fotos vor Ort benutzbar. Digitalisierung und Erfassung in der Datenbank sind für 2009 geplant.

© Tobias Picard

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