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Frankfurt war bis ins 19. Jahrhundert eine Fachwerkstadt mit wenigen Massivgebäuden.
Die Stadt verlangte ab 1485 feste Dächer aus Ziegeln oder Schiefer und
ab 1578, zumindest die Straßenseite des Erdgeschosses in Steinbauweile
auszuführen. Ebenso forderte sie Schornsteine aus Backstein und Brandmauern
zwischen den Häusern. Nach wurde 1809 die Errichtung von Massivbauten
zur Regel. Als Dachmaterial diente meist Schiefer. In Frankfurt sind seit dem
ausgehenden 13. Jahrhundert Ziegler nachzuweisen. In und um Frankfurt wurden
Dachziegel (Biberschwänze) und Backsteine hergestellt, oftmals in Verbindung
mit Kalk für Mauermörtel und zum Weißen von Wänden. Rohstoffe
waren in der Umgebung der Stadt und den städtischen Dörfern vorhanden.
Die Kalkbrenner wohnten ebenso wie die Häfner fast alle in Sachsenhausen.
1392 wird ein Kalkofen in Sachsenhausen erwähnt. Im Bürgermeisterbuch
von 1468 ist die Rede von einer Ordnung der Kalkbrenner. In Oberrad wird 1449
ein Kalkofen in der Nähe von Deutschordensbesitz genannt und 1480 ein
Kalkofen am Ulrichstein, einem Stadtturm am Schaumaintor in Sachsenhausen,
wo auch Häfner und Kachelmacher ansässig waren. 1458 wird ein Kalkofen
mit Ziegelhof erwähnt, den die Stadt inzwischen eingerichtet hatte und
1486 und 1488 verpachtete. 1552 ist von einem städtischen Kalkofen die
Rede. Die Ziegelhütte am Riedhof am heutigen Ziegelhüttenplatz ist
erstmals 1607 belegt.
Nach 1627 betrieb der Ziegel- und Kalkbrenner Israel Carlier den alten und verfallenen
Kalkofen vor der Landwehr bei der Sachsenhäuser
Warte. Daraus entwickelte sich eine Ziegelhütte, die1688 ebenso wie der
Riedhof und Oberrad von französischen Truppen in Brand gesteckt wurde.
Der Betrieb erholte sich wieder und arbeitete noch im 19. Jahrhundert. Zeichnungen
von Friedrich Philipp Usener (1773-1867) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
zeigen eine bereits verfallene Ziegelhütte mit einem ebenfalls verfallenen
Ofen, deren Reste 1958 abgebrochen wurden. Als das Bauen von massiven Häusern
zunahm, wollte der Gastwirt Heinrich Christoph Heuss in Bornheim 1819 mit einem
Kalk- und Ziegelofen sein Glück versuchen. Trotz der amtlichen Feststellung,
das nicht an Zunftbeschränkungen gebundene Ziegel- und Kalkbrennen sei
für Bornheim von Vorteil, und der Ofen habe den erforderlichen Sicherheitsabstand,
wurde der Antrag abgelehnt. Der bekannte Bauunternehmer Johann Philipp Holzmann
(1805-1870) baute Ende 1864 am Röderberg eine Kalkbrennerei mit Steinkohlefeuerung
trotz Einspruchs der Nachbarn und zunächst ohne amtliche Genehmigung,
um seine Bauunternehmung mit Kalk zu versorgen. Seit 1863 betrieb Holzmann
eine Baufabrik in der Obermainstraße, kaufte 1871 die bereits 1701 begründete
Ziegelei Gehspitz westlich von Neu-Isenburg und legte dort ein Betriebsgelände
an, das bis zum Zusammenbruch des Unternehmens genutzt wurde.
1871 erhielt ein Unternehmer die Genehmigung für zwei Kalköfen in Schwanheim,
in denen Kalk aus Flörsheim und aus Rheinhessen gebrannt werden sollte.
Um die gleiche Zeit entstand um Frankfurt eine Reihe von Ziegeleien, die die
wachsende Stadt mit Baumaterial versorgten, unter anderem in Sindlingen, Höchst.
Sossenheim, Rödelheim, Praunheim und Hausen. Die meisten von ihnen waren
Ringofenziegeleien, regelrechte Backsteinfabriken, neben denen auch Feldbrandbetriebe
unterhalten wurden, in denen zu Meilern aufgesetzte Backsteine unter freiem
Himmel gebrannt wurden. Die Ringofenziegeleien arbeiteten nur von Frühjahr
bis Herbst mit meist fremdem Personal, das in eigenen Schlafhäusern untergebracht
war. Heute besteht keine dieser Betriebsstätten mehr, seitdem ein industrialisiertes
Bauen den Backstein als Werkstoff nach und nach aufgegeben hat.
Quellen:
Willi Bender, vom Ziegelgott zum Industrieelektroniker. Geschichte der Ziegelherstellung
von den Anfängen bis heute, Bonn 2004.
Rolf Reutter, Zur Geschichte der Kalkproduktion im Rhein-Main-Neckar-Gebiet,
in: Volkskunde im Odenwald, Gotthilde Güterbock zum 80. Geburtstag gewidmet,
hrsg. v. d. Sammlung zur Volkskunde in Hessen, Museum Otzberg, Otzberg 1986,
S. 47-56.
ISG, Schwanheim, 696
ISG, Senatssupplikationen, 51/26
ISG, Senatssupplikationen, 641/5
ISG, Rechnei nach 1816, 3.813.
© Dr. Konrad Schneider