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Bereits im Mittelalter galt die besiegelte Urkunde als typische Erscheinungsform
schriftlich fixierter Rechtsgeschäfte. Aus dieser Zeit stammt die bekannte
Redewendung „jemanden etwas mit Brief und Siegel geben“. In heutiger
Zeit hat überwiegend die eigenhändige Namensunterschrift den Sinn
und Zweck eines Siegels abgelöst. Von einem Siegel spricht man, wenn
die Siegelmasse aus Wachs, Lack oder Papier besteht. Besteht sie hingegen
aus Metall - sei es Blei, Gold oder Silber - spricht man von einer Bulle
( abgeleitet von lat. bulla = Buckel, buckelförmige Kapsel, in der sich
ein Siegel oder ähnliches aufbewahren ließ). Siegel aus Wachs,
Lack oder Papier können auf der Urkunde angebracht sein. Metall- oder
Wachssiegel können an Stoffschnüren aus unterschiedliche Materialien,
Leder- oder Pergamentstreifen angehängt sein. Diese Schnüre bezeichnet
man als „Pressel“. Urkunden mit besonders vielen angehängten
Siegeln nennt man auch Igel.

Urkunde mit ausgelegten Siegeln
Das Institut für Stadtgeschichte verfügt über einen umfangreichen
Bestand dieser Art von Urkunden. Urkunden mit angehängten Siegeln werden
in ursprünglich gefalteter Form in Umschlägen oder ausgelegt in speziellen
Urkundenschachteln aufbewahrt. In gefalteter Form nehmen die Urkunden bedeutend
weniger Platz im Magazin ein, jedoch sind die Faltungen die Schwachstellen
der Zukunft, da die Pergamentfasern dadurch an diesen Stellen ihre Flexibilität
verlieren und brechen.

links: gefaltete Urkunde, rechts: ausgelegte Urkunde in einer Urkundenschachtel montiert
Um die Siegel vor mechanischen Schäden während der Benutzung, wie
z. B. Druck- und Stoßschäden, Abrieb, Kratzern und Verschmutzungen
zu bewahren, bedarf es einer separaten Umhüllung. Ein Vliesmaterial aus
100% Polyester bietet Polsterung, Luftdurchlässigkeit und Alterungsbeständigkeit.
In Zeiten knapper Finanzmittel freut sich ein jeder, wenn mit wenig Kosten,
geringem Werkzeugbedarf zu jeder Zeit selbst herzustellende Spezialverpackungen
in verschiedenen Größen für angehängte Wachssiegel gefertigt
werden können.
Hier eine kurze Anleitung (Nachmachen erwünscht):
- Entsprechend der Größe der Siegeltasche werden Streifen aus Meterware
abgeschnitten.
- Diese in die entsprechende Breite unterteilen.
- Auf die so erhaltenen Rechtecke wird eine Schablone aufgelegt, entlang der Kanten werden alle überstehenden Teile mit einem Messer weggeschnitten.
- Wie bei einem Briefumschlag wird zuerst das untere Seitenteil auf das Mittelteil
hochgeklappt, darauf folgend die Seitenteile auf das Mittelteil umfalzen.
- Abschließend seitlich mit einem kleinen Handbohrer ein Loch anbringen, durch welches am „Unterteil“ sowie
am „Oberteil“ ein Kördelchen befestigt wird.