Dieses Dokument, das Testament einer Frau namens Dyne von 1400, kam in die
Restaurierungswerkstatt um für die kommende Ausstellung „Die Geschichte
der Alten Brücke“ restauriert zu werden. In der Urkunde vermachte
die Frankfurterin Dyne ihren Besitz zu gleichen Teilen dem Bau der Brücke
und dem Heilig-Geist-Hospital.
Schmutzig und mehrfach gefaltet landete sie auf meinem Tisch. Zudem hat das
Wachssiegel einen Riss und eine große Fehlstelle. Nach einer gründlichen
Vorbesprechung und dem Ausfüllen eines Restaurierprotokolls, bearbeitete
ich die Urkunde unter der Anleitung der Restauratorinnen.
Zuerst musste das Testament in der Trockenreinigung von seiner Schmutzschicht
befreit werden. Dafür nahm ich einen Kautschukschwamm und einen speziellen
Radiergummi zur Hilfe. Das Siegel reinigte ich mit einem weichen Pinsel. Wenn
die Brösel des Radiergummis nicht mehr dunkel verfärbt sind, ist
aller oberflächliche Schmutz entfernt.
Zusammengefaltet, wie die Urkunde jetzt noch war, konnte sie schlecht in der
Ausstellung gezeigt werden. Um das Pergament von seiner Starrheit zu befreien
kam es in unsere Befeuchtungskammer, in der Wasser mittels Ultraschall verdampft
eingeblasen wird. So konnte sich das Pergament bei ca. 95%iger Luftfeuchtigkeit
einen Tag lang langsam entspannen. Danach kam es ausgebreitet zwischen Bretter,
und wurde leicht beschwert, damit es die ausgebreitete Form beibehielt. Somit
waren die Arbeiten an der Urkunde abgeschlossen und ich wendete mich der Siegelrestaurierung
zu. Durch den Riss bestand die Gefahr, dass das Siegel in zwei einzelne Teile
zerbrach. Ich schloss den Riss, indem ich mit einem dünnen, heißen
Draht die Ränder des Risses minimal erweichte und sie vorsichtig aneinander
drückte. Den Riss füllte ich anschließend mit gleichfarbigem
Bienenwachs, das ich mir zuvor angefärbt hatte, auf und glättete
die Stelle mit einem Skalpell.
Mit dem Schließen des Risses war auch meine Arbeit am Siegel beendet.
Die Fehlstelle wurde nicht vollständig ergänzt, denn das Siegel war
durch die Rissschließung bereits stabil und die Gefahr zu groß,
das vorhandene Siegelbild zu beschädigen. Außerdem wäre der
ergänzte Teil nur eine einzige glatte Fläche, denn es ist nicht mehr
zu erschließen, wie das Bild an dieser Stelle ausgesehen hat.
Das Siegel bekam noch ein maßgefertigtes Täschchen aus polsterndem
und luftdurchlässigem Paramoll. In einem Schutzumschlag verpackt, wartet
die Urkunde jetzt auf ihren großen Auftritt.
© Maria Krämer (absolvierte ein 6-monatiges Praktikum in unserem
Haus, in Vorbereitung auf ein Studium der Restaurierung von Bibliotheks-
und Archivgut.)