Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 13

Ein Testament zugunsten des Baus der Alten Brücke
Restaurierung einer Pergamenturkunde - ein Praktikumsbericht

Urkunde, alter Zustand
Die Urkunde vor der Restaurierung

Dieses Dokument, das Testament einer Frau namens Dyne von 1400, kam in die Restaurierungswerkstatt um für die kommende Ausstellung „Die Geschichte der Alten Brücke“ restauriert zu werden. In der Urkunde vermachte die Frankfurterin Dyne ihren Besitz zu gleichen Teilen dem Bau der Brücke und dem Heilig-Geist-Hospital.

Schmutzig und mehrfach gefaltet landete sie auf meinem Tisch. Zudem hat das Wachssiegel einen Riss und eine große Fehlstelle. Nach einer gründlichen Vorbesprechung und dem Ausfüllen eines Restaurierprotokolls, bearbeitete ich die Urkunde unter der Anleitung der Restauratorinnen.

Zuerst musste das Testament in der Trockenreinigung von seiner Schmutzschicht befreit werden. Dafür nahm ich einen Kautschukschwamm und einen speziellen Radiergummi zur Hilfe. Das Siegel reinigte ich mit einem weichen Pinsel. Wenn die Brösel des Radiergummis nicht mehr dunkel verfärbt sind, ist aller oberflächliche Schmutz entfernt.

Siegel, vor und nach der Restaurierung
Das Siegel, vor und nach der Restaurierung

Zusammengefaltet, wie die Urkunde jetzt noch war, konnte sie schlecht in der Ausstellung gezeigt werden. Um das Pergament von seiner Starrheit zu befreien kam es in unsere Befeuchtungskammer, in der Wasser mittels Ultraschall verdampft eingeblasen wird. So konnte sich das Pergament bei ca. 95%iger Luftfeuchtigkeit einen Tag lang langsam entspannen. Danach kam es ausgebreitet zwischen Bretter, und wurde leicht beschwert, damit es die ausgebreitete Form beibehielt. Somit waren die Arbeiten an der Urkunde abgeschlossen und ich wendete mich der Siegelrestaurierung zu. Durch den Riss bestand die Gefahr, dass das Siegel in zwei einzelne Teile zerbrach. Ich schloss den Riss, indem ich mit einem dünnen, heißen Draht die Ränder des Risses minimal erweichte und sie vorsichtig aneinander drückte. Den Riss füllte ich anschließend mit gleichfarbigem Bienenwachs, das ich mir zuvor angefärbt hatte, auf und glättete die Stelle mit einem Skalpell.

Mit dem Schließen des Risses war auch meine Arbeit am Siegel beendet. Die Fehlstelle wurde nicht vollständig ergänzt, denn das Siegel war durch die Rissschließung bereits stabil und die Gefahr zu groß, das vorhandene Siegelbild zu beschädigen. Außerdem wäre der ergänzte Teil nur eine einzige glatte Fläche, denn es ist nicht mehr zu erschließen, wie das Bild an dieser Stelle ausgesehen hat.

Das Siegel bekam noch ein maßgefertigtes Täschchen aus polsterndem und luftdurchlässigem Paramoll. In einem Schutzumschlag verpackt, wartet die Urkunde jetzt auf ihren großen Auftritt.

Restaurierte Urkunde
Die Urkunde nach Abschluss der Arbeiten

© Maria Krämer (absolvierte ein 6-monatiges Praktikum in unserem Haus, in Vorbereitung auf ein Studium der Restaurierung von Bibliotheks- und Archivgut.)

 nach oben

Instituts-Logo Startseite | Aktuelles | Abteilungen | Service | Veranstaltungen | Newsletter | Hilfe, Sitemap | Impressum  © 2000-2009 Institut für Stadtgeschichte