Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 14

„In bleibender Erinnerung an den Besuch des Führers ...“
Institut für Stadtgeschichte erwirbt Fotoalbum vom Hitlerbesuch 1938

Hitler soll nicht gern und nicht oft in Frankfurt gewesen sein. Insgesamt waren es wohl zehn Aufenthalte, meist veranlasst durch Kundgebungen in der Festhalle, zuletzt am 31. März 1938. Von diesem letzten Besuch, der als einziger offiziell der Stadt galt und mit einer Visite im Römer begann, konnte das Institut kürzlich ein wohl einzigartiges Bilddokument erwerben. Wir sind dem Vermittler dankbar, dass er das Objekt zuerst einer öffentlichen Einrichtung und nicht auf den Märkten für Nazi-Devotionalien im In- und Ausland angeboten hat.

Fotoalbum
Das in Kunstleder gebundene Fotoalbum

Die Rede ist von einem in blaues Kunstleder eingebundenen und mit dem Stadtwappen verzierten Fotoalbum, etwa 20 x 30 cm groß, mit 34 Schwarz-Weiß-Abzügen im Format 13 x 18 cm. Hineingedruckt ist die Ansprache von Oberbürgermeister Krebs und die kurze Antwort Hitlers. Auf der zweiten Seite steht mit Schablone geschrieben: „In bleibender Erinnerung an den Besuch des Führers im Frankfurter Römer am 31. März 1938 gewidmet, Frankfurt am Main, im Dezember 1938, Kremmer, Bürgermeister“. Gemeint ist Joseph Kremmer (1886-1976), der 1937 auf Betreiben des Gauleiters Jakob Sprenger in dieses Amt eingesetzt worden war.

Albumseite mit Widmung
Die Widmung mit der Unterschrift Kremmers

Es ist nicht so, dass der Hitler-Besuch nicht gut dokumentiert wäre, denn aus den Akten und der Presse geht der ganze Ablauf hervor: Empfang für die geladenen Gäste um 16.30 Uhr, Eintreffen Hitlers vor dem Römer um 17.10 Uhr, Vorstellung der Ratsherren sowie verdienter Männer aus der Wehrmacht und dem Gau Hessen-Nassau im Kaisersaal, Ansprache des Oberbürgermeisters, Hinaustreten auf den Römerbalkon, Eintragung ins Goldene Buch, Abfahrt zum Hotel „Baseler Hof“, Imbiss, von dort 20.40 Uhr Abfahrt zur Festhalle, Übertragung der Rede auf zentrale Plätze der Stadt als Veranstaltung der Partei.

Es ist auch nicht so, dass es bislang keine Abbildungen gegeben hätte: ein Teil der Motive war bereits in der Sammlung vorhanden, und vor einigen Jahren gab es den spektakulären Sperrmüllfund von mehreren Farbdias, die wahrscheinlich diesem Ereignis zuzuordnen sind. Eine offizielle Zusammenstellung, wie sie das Album enthält, ist indes neu. Die 34 Aufnahmen betreffen die Hauptstationen des Besuchs: Anfahrt, Ankunft und Begrüßung in der Römerhalle (1-5), Vorstellung der Generäle, Gauamtsleiter und Ratsherren durch den Gauleiter (6-10), Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters und Dank des „Führers“ (10-18), Eintragung ins Goldene Buch (19-22), auf dem Römerbalkon (23-25), Verabschiedung und Abfahrt (26-34). Die Aufnahmen stammen vor allem von Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann, dann von den örtlichen Lichtbildnern Otto Emmel, Sepp Jäger, H. V. Müller, Georg Schmidter sowie Paul Wolff & Tritschler.

Anfahrt uber die Neue Kräme
Die Anfahrt über die neue Kräme

Wie bei den meisten Bildquellen muss man auch hier die Fotos mit Hilfe von schriftlichen Zeugnissen zum Sprechen bringen. Dabei hilft die einschlägige Magistratsakte 3579 „Empfang des Führers am 31. März 1938“ weiter. Hier ist festgehalten, welcher Fotograf in welchem Raum seinen Standort hatte, was eine genaue Zuordnung der Aufnahmen ermöglicht. Aber nicht nur das: der Akte ist zu entnehmen, dass die Verwaltung bei den genannten Fotografen später Abzüge bestellte, um sie als Weihnachtspräsent zu verschicken. Darüber hinaus sollte ein Erinnerungsalbum zusammengestellt und in sechs Prunkexemplaren ausgefertigt werden. Als Empfänger sind dann aber nur fünf genannt: Hitler selbst, Gauleiter Sprenger, Oberbürgermeister Krebs, Bürgermeister Kremmer und das stadtgeschichtliche Museum; der Verwendungszweck des sechsten Exemplars bleibt unbekannt.

Eintgrag in das Goldene Buch
Der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt

Unbekannt ist auch die Geschichte des jetzt erworbenen Stücks. Es könnte sich um das fragliche Sechste handeln. Es könnte aber auch dasjenige Exemplar sein, das einmal Friedrich Krebs gehört hat, denn die Widmung entspricht im Wortlaut ganz derjenigen, die in den Entwürfen für ihn vorgesehen war. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass das Exemplar aus einer Reihe von 50 vorgesehenen Ausfertigungen mit einfacherem Einband stammt. Diese fünfzig sind offenbar tatsächlich hergestellt worden, da die Stadtverwaltung insgesamt 1890 Fotoabzüge angekauft hat. Es ist also nicht einmal unwahrscheinlich, dass weitere Exemplare des Albums existieren.

© Text: Tobias Picard M.A.
© Fotos: Michél Schmidt

 nach oben

Instituts-Logo Startseite | Aktuelles | Abteilungen | Service | Veranstaltungen | Newsletter | Hilfe, Sitemap | Impressum  © 2000-2009 Institut für Stadtgeschichte