Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Newsletter, Ausgabe 15

„Mir haben die alten Bücher gefallen, am meisten das große“
Premiere mit der LeseEule, Grundschulkinder im Institut für Stadtgeschichte

Die jährlich stattfindende Kinderbuchausstellung im Römer „Frankfurter LeseEule“ stand zum 50jährigen Jubiläum unter dem Thema „Frankfurt“. Passend dazu bot das Institut für Stadtgeschichte erstmals eine Archivführung für Grundschulkinder an. Die „Entdeckungen im Archiv“ führten eine dritte Klasse der Gruneliusschule in den Kreuzgang des Karmeliterklosters, sie sahen die Bibliothek, ein Magazin, den Lesesaal und den Gruppenraum. Überall gab es etwas zu sehen. Zuerst des Wandbild im Kreuzgang von der Geburt Jesu, auf die unsere Zeitrechnung zurückgeht. Das Gespräch über alles, was früher war und wie wir etwas davon wissen können, reichte bis zu den Dinosauriern.

Bei der nächsten Station in der Bibliothek durften zwei Schüler mit Bestellzetteln an den Regalen Bücher suchen und herausnehmen. Die Broschüre zum 100jährigen Jubiläum ihrer Schule von 1991 wurde bestaunt, besonders die Fotos von ehemaligen und noch bekannten Lehrerinnen und Lehrern. Unter den kleinsten Büchern war ein Daumenkino, dessen Comicfigur ein Junge sofort erkannte: „Das ist der Goethe“. Den Kontrast dazu bildete ein überformatiges, in Leder gebundenes Kassenbuch aus dem 19. Jahrhundert das im Lesesaal für eine Benutzerin des Instituts bereit lag. Hier erfuhren die Kinder, dass im Archiv nichts ausgeliehen wird, weil die meisten Stücke einmalig sind. Sie können aber allen interessierten Menschen im Lesesaal vorgelegt werden. Allerdings sind manche Schriften schwierig zu lesen und manche alten Worte schwer zu verstehen. So konnte zunächst niemand die Frage nach einem „Nasenfahrrad“ beantworten. Drei Schüler hatten jedoch eine Brille an. Mit dem Hinweis darauf wurde dann allen der gesuchte Begriff anschaulich.


Im Kreugang des Karmeliterklosters beim Betrachten der Wandmalereien

Nach dem Gang durch ein Magazin für die Zeitungsausschnittsammlung gab es wieder etwas interessantes zu sehen: einen Artikel über die Schule mit einem Bild des Gebäudes von früher. „Da in dem Haus ist unser Klassenraum“ erkannten einige. Genauso clever waren sie bei der Abbildung eines Königs, der auf seinem Pferd hinter einer Hirschkuh durch einen Fluß reitet: „Karl der Große“. Die Sage von der Gründung der Stadt Frankfurt durfte hier nicht fehlen. Für die Stadt besonders wichtig waren die späteren Königs- und Kaiserwahlen. Eine einfache Pappkiste enthielt eine Szene aus bekannten Plastikfiguren: ein König auf einem Thron, sowie sieben Männchen mit erhobenen Armen, die Kurfürsten als Wähler des neuen Königs. In Wirklichkeit war das damals in der Wahlkapelle im Dom. Was der König beschlossen hat, wurde in Urkunden aufgeschrieben und mit einem Siegel bekräftigt. Auch eine solche Urkunde bekamen die Kinder zu sehen.

1219 schenkte König Friedrich II. den Frankfurtern einen Bauplatz für eine Kirche, die heute noch steht, St. Leonhard. Nachdem die Kinder lange aufmerksam zugehört und mitgemacht hatten, durften sie zum Schluß im Parlatorium selbst aktiv werden. An mehreren Tischen gab es Bücher zur Stadtgeschichte und Papierherstellung, einen Stadtplan von Frankfurt, ein Arbeitsblatt, um sich ein eigenes Siegel auszudenken, eine mechanische Schreibmaschine, vor der sich Warteschlangen bildeten, und eine „Stempelmaschine“. Mit dem ovalen Prägestempel des Schriftzugs „Institut für Stadtgeschichte“ besiegelten die Mädchen und Jungen eine kleine Erinnerungsurkunde.


Im Parlatorium bei den Mitmachstationen

Darin wird ihnen bescheinigt, „die Aufgaben des Archivs kennengelernt sowie alte Dokumente gesehen“ zu haben. „Mir haben die Alten Bücher geffallen, am meisten Das Groste alte Buch“ schrieb ein Mädchen danach auf einen Zettel. Die überwiegend positiven Rückmeldungen durften sie mit bunten Wäscheklammern an eine rote Leine hängen. Insgesamt hat ihnen der Besuch also gut gefallen.

© Manuela Murmann, Archivpädagogik

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