Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Kein Interesse am geistigen Erbe des Antisemiten Otto Böckel

Streiflichter zur Frankfurter Stadtgeschichte

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Das Karmeliterkloster

Alte Schrägansicht des Karmeliterklosters
Das Karmeliterkloster, Sitz des Instituts für Stadtgeschichte, hat eine bewegte Geschichte.
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Wandmalereien von Jörg Ratgeb

Engel, Ausschnitt Wandmalereien
Die Wandgemälde von Jörg Ratgeb im Karmeliterkloster gehören zu den bedeutendsten vorbarocken Wandmalereien nördlich der Alpen.
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Schutz für Messegäste

Messeprivileg
Geleitschutz für anreisende Messegäste im frühen Mittelalter.
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Kein Interesse am geistigen Erbe des Antisemiten Otto Böckel

Zu Beginn des Jahres 1937 erhielt der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Friedrich Krebs (1894-1961, 1933-1945 im Amt) einen Brief, der auch bei den Spitzen der NSDAP, allen Gauleitern und einer Reihe von Bürgermeistern, vornehmlich in Hessen und in der Provinz Hessen-Nassau, eingetroffen war. Er stammte von Elisabeth Böckel, der Tochter von Dr. Otto Böckel (1859-1923), die Krebs wie die anderen Adressaten um Unterstützung für ein Gespräch mit Hitler bat, in der sie die von ihrem Vater begründete „Böckelbewegung“ als Vorläuferin des Nationssozialismus, Hessen als dessen älteste Hochburg hervorheben und Hitler die Herausgeberschaft einer Publikation des geistigen Erbes von Otto Böckel antragen wollte

Wegbereiter des Nationalsozialismus

Böckel hatte sich schon während seines Studiums der Volkskunde insbesondere der Volksliederforschung zugewandt und auf dieser Grundlage einen mystischen, aber militanten Antisemitismus entwickelt. Seine politischen Vorstellungen und seine volkstümliche Art fielen in Marburg und Umgebung auf einen fruchtbaren Boden. Nach einem aggressiven Wahlkampf gewann er 1887 das Mandat für den Reichstagswahlkreis Marburg-Kirchhain-Frankenberg-Vöhl. In der Folgezeit bemühte er sich, seine Anhängerschaft unter anderem über einen mächtigen Bauernverein zu organisieren. Mit sieben Reichstagsabgeordneten aus Nord- und Mittelhessen erreichten Böckel und seine Bewegung 1893 ihren politischen Höhepunkt. Nach 1890 organisierte sich der Widerstand gegen die antisemitische Bewegung. Auch wenn es noch nach der letzten Wahl vor dem Ersten Weltkrieg antisemitische Reichstagsabgeordnete und auch weiterhin antisemitische und völkische Organisationen in Hessen gab, so hatte die Böckelbewegung nach 1900 ihren Zenith überschritten. Nach dem Ausscheiden aus dem Reichstag 1903 wandte sich Böckel wieder der Volksliederforschung zu und versuchte vergeblich, politisch erneut Fuß zu fassen. Zweifellos gehörte die Böckelbewegung zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus.

Ohne weitere Veranlassung

Dies bewog dessen führende Vertreter in Frankfurt jedoch nicht, Elisabeth Böckel bei den Bemühungen um das politische Erbe ihres Vaters zu unterstützen. Ein Vermerk aus dem Büro von Oberbürgermeister Krebs empfahl, das Schreiben weder zu beantworten noch in Abschrift weiterzuleiten. Wie eine Verfügung von Krebs mit dem Wortlaut „Einverstanden. Ohne weitere Veranlassung ablegen“ belegt, folgte der Oberbürgermeister dem Vorschlag aus seiner Umgebung.

Brief an Oberbürgermeister Krebs, 1   Brief an Oberbürgermeister Krebs, 2
Undatiert mit Eingangsstempel vom 4. Januar 1937

(Dieser Artikel erschien erstmals in „Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold“ Kostbarkeiten aus hessischen Archiven, herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 2000)

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