Streiflichter zur Frankfurter Stadtgeschichte
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Das Melem´sche Hausbuch
Eine der schönsten Handschriften des Frankfurter Stadtarchivs ist das sogenannte Melem´sche Hausbuch, das Einblicke in die Welt des spätmittelalterlichen Patriziats, die Art des Auftretens und seiner Kleidung gewährt.
Das Buch
Die Handschrift enthält auf 66 großformatigen Papierblättern eine genealogische Bildfolge mit Wappen, Kostümfiguren und schriftlichen Erläuterungen, die einen Zeitraum von ungefähr 250 Jahren umfassen. Sie entstand wohl durch die Allianz der Familien Melem und Brun, die mit der Ehe Ogers von Melem mit Katharina Brun von Braunfels im Jahr 1522 gestiftet wurde.
Es handelt sich dabei aber nicht in erster Linie um eine erzählende Chronik, sondern um eine repräsentative Dokumentation, die gewissermaßen ein bürgerliches Gegenstück zu den genealogischen Wandteppichen des Adels darstellt. Die Gattung ist vermutlich kurz nach 1500 in Nürnberg im Zusammenhang mit dem Ringen des städtischen Patriziats um Gleichstellung mit dem Landadel entstanden.
Die Familie
Die Familie Melem war eine angesehene Kölner Kaufmannsfamilie, die seit 1456 in Frankfurt Fuß fasste, erst 1496 das zunächst noch beibehaltene Kölner Bürgerrecht aufgab und dadurch Zutritt zum Frankfurter Rat erhielt. Spätestens 1479 gehörten die Melems der Patriziergesellschaft Frauenstein an, einer der vier Frankfurter Trinkstubengesellschaften, die eine führende Rolle in dem politischen Leben der Stadt spielte.
Die Zeichnungen des „Hausbuches“ sind nach den Forschungen von Rolf Walther fünf verschiedenen Künstlern zuzuschreiben, die meisten davon Heinrich Lautensack.
Die Abbildung zeigt Engel Brun und seine Frau Rile Goldstein, die 1393 heirateten. Das Kostüm der Ehefrau, nach einer Nürnberger Vorlage entstanden, ist wohl ein halbes Jahrhundert zu früh angesetzt. Unten ist die Schwiegermutter (aus der Familie von Offenbach) in der Kirchentracht mit dem Rosenkranz dargestellt.

Undatiert (Mitte 16. Jahrhundert), Kolorierte Federzeichnung, Papier, 29x41cm
Der Künstler
Urheber ist der Zeichner Heinrich Lautensack (* 1522 Bamberg, † 1568 Frankfurt), der in Nürnberg das Goldschmiede- und Malerhandwerk erlernte. Seit etwa 1548 oder 1549 arbeitete er in Frankfurt. 1550 gab er das Nürnberger Bürgerrecht auf, heiratete in Frankfurt und trat hier als Meister auf. Bekannt wurde er vor allem als Verfasser von „Des Circkels und Richtscheyts auch der Perspectiua und Proportion des Menschen und Rosse kurtze, doch gründtliche Underweisung“, einem Handbuch für Künstler und Kunsthandwerker, erschienen 1564 bei Siegmund Feyerabend.
(Dieser Artikel erschien erstmals in „Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold“ Kostbarkeiten aus hessischen Archiven, herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 2000)