Streiflichter zur Frankfurter Stadtgeschichte
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Carl Knabenschuh - der Mann, der Frankfurt farbig machte
Mit dem steigenden visuellen Informationsbedürfnis nimmt auch die Bedeutung der Bildüberlieferung in den Archiven zu. Gerade Stadtarchive können mit ihren Bildersammlungen zu einer breiten Dokumentation des Wandels im kommunalen Leben beitragen. Im Institut für Stadtgeschichte wird Jahr für Jahr das aktuelle Stadtgeschehen in Architektur, Ereignis sowie Porträt festgehalten und die ältere Bildüberlieferung vervollständigt. Darüber hinaus konnte das Haus Nachlässe bedeutender Fotografen erwerben, darunter auch Aufnahmen des Frankfurter Architekten Carl Knabenschuh (1873-1945).
Pionier der Farbfotografie
Knabenschuh war ein Pionier der Farbfotografie. Auf rund 230 Dias überlieferte er die frühesten fotografischen Ansichten der Stadt und ihrer Umgebung in Farbe. Die Aufnahmen sind, anders als zeitgenössische Ansichtskarten und Drucke, nicht nachkoloriert. Ihre Farbgebung beruht auf dem so genannten Autochromverfahren, das 1903 in Frankreich von den Brüdern Louis und Auguste Lumière entwickelt worden war: Eine kleine Platte wurde mit feinsten Stärkekörnern bedeckt, die je zu einem Drittel orange, grün und violett gefärbt waren. Diese Platte wurde dann mit einer lichtempfindlichen Schicht aus Silberbromid und Gelatine überzogen. Im Umkehrverfahren konnte so das Negativ zu einem transparenten Positiv gemacht werden. Es gab die Originalfarben wieder, zunächst allerdings noch mit geringer Intensität. Zarte Pastelltöne sind daher ein Kennzeichen der frühen Farbbilder. Das Ergebnis dieser additiven Farbmischung war eine Bildstruktur aus unzähligen kleinen Farbtupfern, die an die impressionistische Malerei erinnerte.

Hinterhof Haus Kruggasse 10, Autochrom von Carl Abt, ca. 1910
Malerische Eindrücke
Auch sonst war Knabenschuh beeinflusst von der „kunstfotografischen Bewegung“, die mit Mitteln der Fotografie malerische Eindrücke erzielen wollte. Als Motive suchte er sich Stillleben, Landschaften der Umgebung und der Parks sowie Szenen aus den Vororten und der Altstadt. Dabei kam auch der zunehmende Verfall altstädtischer Wohnquartiere infolge der Verlagerung des Stadtzentrums in die neue City ins Bild.
Dieses moderne Frankfurt mit seinen Monumentalbauten für Verkehr, Büros, Konsum, Kultur und Behörden war vornehmlich Gegenstand von Ansichtskarten und Leporellos.

Frankfurt-Bornheim, Enkheimer Straße, koloriertes S/W-Bild von Carl Knabenschuh
Verteidigung des alten Stadtbildes
Kabenschuh, Carl Abt, Heinrich Mylius und andere Frankfurter Amateurfotografen dagegen suchten in der pulsierenden Metropole eher die verschwindende, dörflich geprägte Kleinstadt und die Überreste der Vergangenheit. Ihre Aufnahmen stellen eine fotografische Verteidigung des alten gegen das neue Stadtbild dar.
(Dieser Artikel erschien erstmals in „Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold“ Kostbarkeiten aus hessischen Archiven, herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 2000)