Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Religions- und Gewerbefreiheit für die Höchster Neustadt, Worms, 4. Juli 1768

Streiflichter zur Frankfurter Stadtgeschichte

Zur Artikelübersicht bitte hier
 ... weiter

Carl Knabenschuh

Frankfurt Bornheim, Ausschnitt
Mit dem steigenden visuellen Informationsbedürfnis nimmt auch die Bedeutung der Bildüberlieferung in den Archiven zu.
 ... weiter

Königswahl in Frankfurt

Goldene Bulle
In der Goldenen Bulle von 1356, die auf den Reichstagen von Nürnberg am 10. Januar ...
 ... weiter

Schutz für Messegäste

Privileg
Geleitschutz für anreisende Messegäste im frühen Mittelalter.
 ... weiter

Religions- und Gewerbefreiheit für die Höchster Neustadt, Worms, 4. Juli 1768

Bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts war Höchst am Main eine kleine Amtsstadt, von der keine wirtschaftlichen Impulse ausgingen. Die Mainzer Kurfürsten des 18. Jahrhunderts bemühten sich um die Ansiedlung von Industrie und dabei auch den Ausbau von Höchst. Hierbei hatten sie den Aufschwung von Hanau, Offenbach und anderen Städten mit religiöser und gewerblicher Freiheit vor Augen. Im Jahr 1746 begründete Kurmainz in Höchst eine Porzellanmanufaktur, die bis 1796 bestand.

Ansiedlung von Fabriken und Gewerbe

Während der Regierung des Kurfürsten Emmerich Josef von Breidbach-Bürresheim (1763-1774) reiften Pläne zur Gründung einer neuen Handelsstadt östlich der Höchster Altstadt auf der Grundlage von Religionsfreiheit und Gewerbefreiheit. Katholiken, Lutheraner und Reformierte erhielten nicht nur das Recht der Ansiedlung, sondern auch des öffentlichen Gottesdienstes und ein eigenes Schulwesen. Die neue Stadt, die bis zum Beginn der nassauischen Herrschaft 1803 eine eigene Gemeinde bildete, wurde auf dem Reißbrett entworfen und sollte mit staatliche Hilfe schachbrettartig aus 14 gleichgroßen Baublöcken und einem Platz in der Mitte errichtet werden. Für die Sicherheit wollte Kurmainz durch Mauer und Graben und ein Militärkommando sorgen. Die Absicht der Neugründung war die Ansiedlung von Fabriken und anderen Gewerben, für deren Interessen eine eigene Commerz- und Handlungsdeputation eingesetzt wurde. Auch eine weitgehende Befreiung von Steuern, Abgaben und anderen Lasten sollte ansiedlungswillige Unternehmer anziehen, ebenso wie ungehinderte Verkaufsmöglichkeiten für Waren aus der Höchster Neustadt im gesamten Kurstaat.

Neugründung scheitert

Schon im selben Jahr meldeten sich die ersten Interessenten an einer Niederlassung in der neuen Stadt. Die Kaufmanns- und Tabakfabrikantenfamilie Bolongaro errichtet den heute noch das Höchster Stadtbild prägenden Palast samt Nebengebäuden, die neben Teilen des Straßennetzes und einigen weitern Gebäuden die einzigen erkennbaren Teile der Höchster Neustadt bilden. Die hoffnungsvolle Neugründung scheiterte städtebaulich und wirtschaftlich. Zwar ließen sich einige Unternehmer in der Neustadt nieder, doch andere zogen eine Ansiedlung in der Altstadt vor. Nach dem Tod Emmerich Josefs stagnierte der Ausbau der Höchster Neustadt.

Der Vereinigung von Alt- und Neustadt Höchst im frühen 19. Jahrhundert folgte nach Phasen früher Industrialisierung und Stagnation schließlich ab 1860 der Durchbruch von Höchst zur Industriestadt.

Kurfürstliches Privileg, 1   Kurfürstliches Privileg, 2

Kurfürstliches Privileg, 3

Auszug aus dem kurfürstlichen Privileg mit Siegel der kurmainzischen Kanzlei mit Tektur, unterschrieben vom späteren Kurfürsten Friedrich Karl Josef von Erthal (1719-1802) als Präsident der Kommerzienkonferenz und Ludwig von Zuketto, Kaufmann und Kommerzienrat in Höchst.

(Dieser Artikel erschien erstmals in „Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold“ Kostbarkeiten aus hessischen Archiven, herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 2000)

 nach oben

Instituts-Logo Startseite | Aktuelles | Abteilungen | Service | Veranstaltungen | Newsletter | Hilfe, Sitemap | Impressum  © 2000-2007 Institut für Stadtgeschichte