Streiflichter zur Frankfurter Stadtgeschichte
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Bewerbungsschreiben von Georg Philipp Telemann
Der Komponist Georg Philipp Telemann, zu seinen Lebzeiten in Europa noch höher geschätzt als Bach und Händel, verbrachte die Jahre zwischen 1712 und 1721 als städtischer Musikdirektor in Frankfurt. Es war wohl die produktivste Phase seines Lebens, wovon bis heute nicht weniger als 800 Notenhandschriften in der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek zeugen.
Beginn der Karriere
Telemann wurde 1681 in Magdeburg geboren und begann bereits während seines Jura-Studiums in Leipzig seine musikalische Karriere als Leiter des studentischen „collegium musicum“ und als Komponist für die Thomaskirche und für die Oper. Nach kurzer Zeit als Hofkapellmeister in Sorau (Schlesien) wechselte er 1708 in gleicher Position an den Hof des Herzogs von Sachsen-Eisenach in Eisenach, von wo er sich um die Jahreswende 1711/1712 um eine Position in Frankfurt bewarb.
Das Bewerbungsschreiben
In seinem hier abgebildeten Bewerbungsschreiben führt er dazu aus, er wolle „das Hofleben ... quittieren und (sich) in eine ruhigers ... begeben“. Neben seinem Hauptgebiet, der Komposition, beherrschte er eine ganze Reihe von Instrumenten, nämlich Violine, Klavier, Flöte, Chalumeaux (Holzblasinstrument, Vorläufer der Klarinette), Violoncello und Calchedon (Basslaute), verfügte aber auch über eine gute Baritonstimme.
Die Motivation der Bewerbung
Als Motiv für seine Bewerbung gab Telemann später in seiner Autobiographie an, er sei nach Frankfurt gekommen, weil er gehört habe, nur in einer Republik - in einem Stadtstaat also, der sich durch seine Verfassung stark von den absolutistisch geprägten Fürstenstaaten unterschied - könne man „fest sitzen“, d.h. ein Leben führen, das nicht von der Gnade eines fürstlichen Gönners abhängig war.
Der Weggang Telemanns
Nach neun Jahren unermüdlicher Tätigkeit als städtischer
Musikdirektor, Leiter des bürgerlichen „collegium musicum“ und
zugleich Verwalter der Patriziergesellschaft Frauenstein wurde Telemann
1721 nach Hamburg berufen, eine Stadt, die auch damals bedeutend größer
war als Frankfurt. Hier konnte er zudem, wie bereits als Leipziger Student,
für die Oper komponieren, was ihm in Frankfurt mangels Aufführungsmöglichkeit
verwehrt war. Unterbrochen nur von einer längeren Paris-Reise, verbrachte
Telemann des Rest seines Lebens in der Hansestadt, wo er hochbetagt im Jahr
1767 starb. Bis ins hohe Alter blieb er als Komponist schöpferisch
tätig und künstlerisch stets auf der Höhe seiner Zeit, wobei
er Einflüsse aus verschiedensten europäischen Ländern, aus
Frankreich, Italien und Polen, verarbeitete.


Undatiert (Jahreswende 1711/12), eigenhändige Ausfertigung
(Dieser Artikel erschien erstmals in „Alte Documente ... sind uns so lieb als Gold“ Kostbarkeiten aus hessischen Archiven, herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 2000)