Bestandserhaltung

Archive übernehmen und erschließen die Unterlagen nicht nur, sie haben auch die Aufgabe, diese auf Dauer aufzubewahren. Zu den Maßnahmen der Bestandserhaltung gehören die archivfachliche Lagerung von Archivalien wie objektgerechte klimatische Bedingungen und geeignetes Verpackungsmaterial, die Schutzverfilmung und der Schutz von Archivgut bei der Benutzung im Lesesaal als auch bei der Präsentation in Ausstellungen.

Dies bedeutet unter anderem, dass die Unterlagen nach der Übernahme von allen Materialien befreit werden müssen, die Schäden auslösen können. Die Akten werden „entmetallisiert“ und in spezielle Schutzmappen und Kartons verpackt. Durch solche präventiven Maßnahmen werden Schäden vermieden. Kommt es dennoch zu Schadensbildern, dann werden die Archivalien in der Restaurierungswerkstatt des Instituts behandelt. Die Werkstatt ist seit 2006 in der Außenstelle in der Borsigallee untergebracht. Hier arbeiten zwei Restauratorinnen und eine Buchbinderin. Bearbeitet werden ausschließlich hauseigene Objekte.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann

Die Werkstatt koordiniert die präventiven Maßnahmen, bearbeitet aber auch auftretende Schäden.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Eva Hergesell© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Eva Hergesell

Archivmaterial kommt häufig bereits geschädigt ins Haus, teils durch unsachgemäße Aufbewahrung, teils durch nachlässigen Umgang mit den oft fragilen Schätzen der Vergangenheit. Zwei Hauptgruppen von Schäden können wir unterscheiden: Durch starke Benutzung und schlechte Aufbewahrungsbedingungen kommt es zu mechanischen Schäden, z.B. Rissen, Knicken und Fehlstellen.

Häufig finden wir jedoch auch chemische Schäden, z. B. Abbau der Papierstruktur durch Wasserschaden mit nachfolgendem Schimmel. In solchen Fällen wird für eine Trocknung des Materials gesorgt und gründlich trocken gereinigt.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann

Durch die Fülle an geschädigtem Archivmaterial, das der Benutzung wieder zugänglich gemacht werden soll, wurden in der Restaurierung neue Bearbeitungsmethoden entwickelt. Hierzu gehört das so genannte „Anfasern“, eine Art der Fehlstellenergänzung mit Papierfaserbrei. Dadurch lassen sich vergleichsweise rasch bei einer großen Zahl von Blättern beliebig große und verschieden geformte Fehlstellen mit Papierfasern ergänzen und neu verleimen. So gewinnen die Papiere an Festigkeit und können wieder für die Benutzung freigegeben werden.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Sigrid Roßmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Sigrid Roßmann
© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Sigrid Roßmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Sigrid Roßmann
© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann

Die möglichen Schadensursachen sind vielfältig. Sprichwörtlich bekannt geworden ist der Bücherwurm, der eigentlich eine Käferlarve ist. Er verursacht Schäden, die an ein Labyrinth erinnern. Manchmal dauert es mehrere Jahre, bis er seine „schmackhafte“ Behausung zur Paarung verlässt. Unter den stabilen Klimabedingungen in einem Archiv haben derartige Schädlinge wenig Überlebenschancen.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann

Die schlimmsten Schäden verursachen immer Feuer und Wasser. Schon so manches Archiv wurde Opfer eines Brandes. Bücher sind zwar schwerer entflammbar als ein hölzernes Bücherregal, doch leider gilt das nur, solange Bücher kompakt im Regal stehen. Pergament, ebenfalls ein häufiges Material in Archiven, brennt nicht sofort. Jedoch schrumpft es bei Hitzeeinwirkung rasant bis zur Unkenntlichkeit zusammen. In diesem Fall sind die Restaurierungsmöglichkeiten oft begrenzt.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Anne-Sophie Stümpert© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Anne-Sophie Stümpert

Im Archiv gibt es nicht nur Papier. Manchmal gilt es, Verpackungen für ungewöhnliche Gegenstände zu finden, z. B. einen Globus, eine Gitarre oder in diesem Fall eine Feile, die im 19. Jahrhundert für einen Gefängnisausbruch benutzt wurde.

© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann© Institut für Stadtgeschichte, Foto: Corinna Herrmann

In manchen Fällen wurde der Schaden bereits bei der Herstellung angelegt. Sei es, dass an der Materialqualität der Farben gespart wurde oder es an Kenntnissen im Umgang mit ihnen mangelte. Erschwerend kommen noch die Lagerbedingungen der vergangenen Jahrhunderte hinzu. Daher neigen gerade Malereien, die in größerer Schichtstärke aufgetragen wurden, dazu, rissig zu werden und abzuplatzen.

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