Gedenken

Zu Frankfurts über 1200-jähriger Vergangenheit gehören Glanzlichter wie die Königs- und Kaiserkrönungen, das erste freigewählte deutsche Parlament oder die überaus reiche Stiftertradition. Große Namen wie Goethe, Börne, Schopenhauer oder Adorno sind untrennbar mit Frankfurt verbunden.

Eine vitale, tragende Kraft des wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebens dieser Stadt stellten jahrhundertelang die Frankfurter Juden dar. Im Jahr 1933 zählte die Frankfurter Gemeinde mehr als 30.000 Mitglieder. Vielen gelang es, Deutschland rechtzeitig zu verlassen, doch über 12.000 Menschen jüdischer Herkunft wurden deportiert und ermordet. Die Stadt verlor damit auch einen bedeutenden Teil ihrer Identität.

Licht und Schatten, Alltag und Ausnahme, Ruhm und Leid, Verdienst und Schuld – die Frankfurter Geschichte zeigt sich widersprüchlich und vor allem vielfältig. Das spiegelt sich auch in einer vielgestaltigen Erinnerungs- und Gedenkkultur wider, der man in Frankfurt begegnen kann. Sie wird genährt einerseits aus dem Wunsch, sich der Stadtgeschichte als Voraussetzung und Teil der eigenen kulturellen Identität zu vergewissern, und andererseits aus der Absicht, sich mit der dunklen Vergangenheit des eigenen Gemeinwesens auseinanderzusetzen und diese als Mahnmal für Gegenwart und Zukunft zu nutzen.

Straßen- und Schulnamen, „Ehrengräber“, Denkmäler, Gedenksteine und -installationen sowie Gedenktafeln an Gebäuden und Stolpersteine verweisen auf bedeutende Personen und Ereignisse und bewahren so die Erinnerung im öffentlichen Raum. Die Initiative zur Umwidmung eines Grabes in eine erhaltenswerte Grabstätte, zur Benennung neuer Straßen oder zur Umbenennung ebenso wie zur Errichtung von Denkmälern, Installationen und Gedenktafeln geht in der Regel von der Stadtverordnetenversammlung, den Ortsbeiräten, von einzelnen Bürgern oder Initiativen aus. Die Modalitäten unterliegen dabei einer klaren Regelung: Das städtische Kulturamt beauftragt das Institut für Stadtgeschichte, zu den Vorschlägen und Anregungen Stellung zu nehmen. In Abstimmung mit den Initiatoren sowie gegebenenfalls mit Fachleuten aus anderen Ämtern und Institutionen fertigen die Mitarbeiter der Abteilung „Zeitgeschichte und Gedenken“ kurze Dossiers, auf deren Grundlage entschieden wird. Dabei nutzen sie die umfangreichen Bestände des Instituts für Stadtgeschichte ebenso wie die zeitgeschichtlichen Quellen anderer hessischer Archive bzw. des Bundesarchivs. Darüber hinaus unterstützen die Mitarbeiter Initiativen wie zum Beispiel die „Stolperstein“-Initiative oder das „Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt e. V.“, welches das Besuchsprogramm für ehemalige jüdische Frankfurterinnen und Frankfurter betreut, kostenlos bei ihren Recherchen.