Geschichte des Instituts

Das Institut für Stadtgeschichte kann auf eine 580-jährige Geschichte zurückblicken. Es zählt zu den größten deutschen Kommunalarchiven und ist die älteste Frankfurter Kultureinrichtung. 1992 erfolgte die Umbenennung des Stadtarchivs in „Institut für Stadtgeschichte“. Aneignung und Vermittlung der Frankfurter Stadtgeschichte gehören seitdem gleichberechtigt neben der Bewahrung der städtischen Überlieferung zu den Hauptaufgaben des Instituts.

1436 wurde mit dem Turm Frauenrode erstmals in Frankfurt ein Gebäude allein für Archivzwecke errichtet. Allerdings wurden auch schon vorher die wichtigen Schriftstücke der Stadt archiviert – die städtische Überlieferung setzt 1219 mit dem ersten Herrscherprivileg ein. Die älteste Urkunde (882) stammt aus kirchlicher Überlieferung. Das Archiv des Rates befand sich im alten Rathaus, das an der Stelle des heutigen Domturmes stand. Die Privilegien als besonders wichtige Urkunden wurden seit Ende des 14. Jahrhunderts im sicheren Leonhardsturm am Main verwahrt, wo sie bis 1612 verblieben. Nachdem die Stadt 1405 die Häuser Zum Römer und Zum Goldenen Schwan gekauft und zum Rathaus umgebaut hatte, erfolgte 1436 der Bau eines nahe gelegenen Archivgebäudes. Der erste hauptamtliche Archivar, damals noch Registrator genannt, wurde 1613/14 während des Fettmilchaufstandes (1612–1616) angestellt.

Die drei übereinanderliegenden feuerfesten und einbruchsicheren Gewölbe des Archivturms waren so großzügig dimensioniert, dass erst seit 1761 zusätzliche Räume angemietet werden mussten. Die Archivalien überstanden Wetterkapriolen, Stadtbrände und Kriege, so dass bis zum Zweiten Weltkrieg eine nahezu durchgehende Überlieferung vorhanden war.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 wurde durch den neuen Stadtherrn Carl von Dalberg (1806–1813) eine Reform des Archivwesens nach französischem Vorbild angeordnet, die von zwei Juristen durchgeführt werden sollte. Dies hätte fast dazu geführt, dass große Teile der Bestände vernichtet worden wären. Verhindert wurde dies durch Dalbergs Abdankung Dalbergs nach Napoleons Niederlage 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig.

Im Zuge der Entwicklung der Geschichte zu einer eigenständigen Wissenschaft nahm die Bedeutung des Stadtarchivs Frankfurt als eines der ältesten und umfangreichsten deutschen Stadtarchive enorm zu. Bedeutende Historiker suchten das Archiv auf, so etwa 1836 vier Wochen lang Leopold von Ranke, dem man anschließend 31 Bände der bedeutenden Frankfurter Reichstagsakten für zwei Jahre nach Berlin auslieh.

1863 erfolgte die Aufteilung des Stadtarchivs in ein Verwaltungsarchiv (seit 1813) und ein historisches Archiv (bis 1813). Letzteres erhielt mit Georg Ludwig Kriegk erstmals einen Historiker als Leiter (1863–1875). Einige Jahrzehnte nach der Annexion Frankfurts durch Preußen (1866) wurden beide Archive 1904 wieder zu einem Stadtarchiv vereinigt. Der Historiker und Frankfurter Stadtarchivar Hermann Grotefend, bekannt durch das nach ihm benannte Lehrbuch der Zeitrechnung, fand bei seinem Amtsantritt Ende 1875 ein neues Archivgebäude am Weckmarkt im Rohbau vor und beaufsichtigte dessen Fertigstellung. 1878 konnte es bezogen werden. Im Erdgeschoss waren die städtischen Sammlungen untergebracht, während das Obergeschoss dem Archiv vorbehalten war. Grotefend kritisierte den Bau von Beginn an wegen seiner Lage mitten in der feuergefährdeten Altstadt.

Den Ersten Weltkrieg überstand das Frankfurter Stadtarchiv unbeschadet. 1936 feierte man das 500-jährige Bestehen mit einem Festakt, einer Ausstellung und einer Festschrift. Noch im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, am 15. Dezember 1933, wurde die „Beratungsstelle für Familienforschung und Ahnennachweis“ gegründet, die allerdings nicht dem Archiv, sondern dem Stadtgesundheitsamt unterstellt war. Zu den bisherigen wissenschaftlichen Nutzern kamen nun Tausende Bürger, die sich im Archiv Belege für den „Ariernachweis“ erhofften.

Im Zweiten Weltkrieg verursachten die alliierten Luftangriffe schwere Verluste unter den Archivbeständen, da man zu spät mit der Auslagerung begonnen hatte. So vernichtete ein schwerer Tagesangriff am 29. Januar 1944 ca. ein Drittel der Bestände. Bei einem weiteren Angriff am 12. September 1944 wurde das Stadtarchivgebäude mitsamt den noch in den Trümmern liegenden Beständen dann völlig zerstört. Insgesamt wurden knapp 7 Regalkilometer Archivalien vernichtet; etwa 3,5 Regalkilometer überstanden den Krieg durch Auslagerung, Rettung aus den Trümmern oder in unbeschädigten Frankfurter Kellern.

Erstaunlich rasch nahm das Stadtarchiv nach dem Ende der Kampfhandlungen in Frankfurt seinen Betrieb wieder auf. Die Verwaltung wurde zunächst im ehemaligen Elsass-Lothringen-INstitut der Universität in der Bockenheimer Landstraße und 1946 in der Domstraße 9 untergebracht. Nach einer langen Phase der provisorischen Unterbringung konnten 1959 Diensträume im Karmeliterkloster bezogen werden. Die meisten Archivalien waren nach dem Zweiten Weltkrieg provisorisch in zwei Hochbunkern in den Stadtteilen Heddernheim und Praunheim untergebracht worden. Seit 1965 dienten dann Räume in der Großmarkthalle als Magazin, und 1972 konnte zusätzlich das neue dreigeschossige Tiefmagazin vor dem Kloster bezogen werden.

Um die geplante Neuausrichtung des Hauses, die eine erweiterte Präsenz des Archivs in der Öffentlichkeit vorsah, auch nach außen hin deutlich zu machen, wurde das Stadtarchiv im Jahr 1992 in Institut für Stadtgeschichte umbenannt.

1996 wurde Dr. Evelyn Brockhoff als stellvertretende Direktorin an das Institut für Stadtgeschichte berufen und 2004 zur leitenden Direktorin ernannt. Sie sieht es als ihre Hauptaufgabe an, die Bestände und die Arbeit des Instituts für Stadtgeschichte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dies geschieht durch Vortragsveranstaltungen, Ausstellungen, Publikationen und vieles andere mehr. Vorangetrieben wurde nun auch der Ausbau der Abteilung Sammlungen, die aus den Referaten Topographie, Nachlässe, Personennachweise und Fotos bestand und jetzt durch ein „Frankfurter Wirtschaftsarchiv“ und ein Sachgebiet „Frankfurter Vereinsarchive“ ergänzt wurde.

1998 beschloss der Magistrat der Stadt Frankfurt ein neues Nutzungskonzept für das Karmeliterkloster. Dem Institut für Stadtgeschichte wurden jetzt auch das Refektorium im Erdgeschoss und das Dormitorium im ersten Obergeschoss zugewiesen, wo ein Ausstellungs- und Vortragsraum sowie ein neuer Lesesaal eingerichtet wurden. Auch die 1514–1521 von Jörg Ratgeb angefertigten Wandgemälde im Kreuzgang und im Refektorium werden seitdem durch Führungen und Begleitmaterialien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Um der ständigen Platznot des in seiner Struktur auf dauernden Zuwachs angelegten Archivs für die nächsten 50 Jahre begegnen zu können, beschloss die Stadtverordnetenversammlung 2004 den Neubau eines 5.500 qm großen Magazingebäudes in der Borsigallee (Stadtteil Seckbach). Hintergrund war die Räumung des Magazins in der Großmarkthalle, die an die Europäische Zentralbank verkauft worden war. Die Stadt Frankfurt entschloss sich aufgrund der errechneten besseren Wirtschaftlichkeit für einen Neubau, der in jeder Hinsicht konservatorischen Belangen genügen sollte und im Sommer 2006 eröffnet werden konnte. In den Jahren 2006 bis 2010 erfolgte dann eine umfassende Sanierung des Karmeliterklosters, wodurch alle Räumlichkeiten für Mitarbeiter und Nutzer sowie das Tiefmagazin technisch auf den neuesten Stand gebracht wurden.

Das Institut für Stadtgeschichte umfasst derzeit (2016), verteilt auf die Standorte Karmeliterkloster und Borsigallee, ca. 25 Regalkilometer Archivalien sowie eine umfangreiche Präsenzbibliothek.