Wandbilder

1515, als dem Frankfurter Karmeliterkloster reichlich Stiftungsgelder zuflossen, erging der Auftrag zur Ausmalung des neuen erweiterten Kreuzganges an Jörg Ratgeb (1470/75-1526). Der aus Schwäbisch Gmünd stammende Künstler war ein Zeitgenosse von Albrecht Dürer, Mathias Gothard, gen. Grünewald, Martin Schongauer und Tilman Riemenschneider. Seine Malerei weist Einflüsse des Hausbuchmeisters, Grünewalds sowie der Malerei Flanderns und Venedigs auf. Das prestigeträchtige Projekt im Frankfurter Karmeliterkloster wurde von Stiftern finanziert.

Ratgebs Arbeit im Kreuzgang hatte bereits 1514 mit dem monumentalen Wandbild der Anbetung der Heiligen Drei Könige für die Grablege des Patriziers Claus Stalburg des Reichen (1469-1524) begonnen und endete 1521 mit dem gewaltigen Zyklus der Heilsgeschichte. 1517 folgten als weitere Großaufträge das Refektoriumsgemälde mit der Genealogie der Karmeliter und die ornamentale Verzierung auf den Säulen, Fenterlaibungen und Sockelfeldern. Ob er im Chorschluss der Karmeliterkirche die Decke mit musizierenden Engeln und im Seitenschiff den Marientod gemalt hat, ist fraglich.

© Institut für Stadtgeschichte© Institut für Stadtgeschichte

Die Wandgemälde von Jörg Ratgeb im Karmeliterkloster in Frankfurt am Main gehören zu den bedeutendsten vorbarocken Wandmalereien nördlich der Alpen. Waren die ikonographischen Programme für die Zeitgenossen eine leicht verständliche Lektüre, so haben heutige, weniger „bibelfeste“ Betrachter oft Schwierigkeiten damit, die dargestellten Szenen zu entschlüsseln.

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Das Institut für Stadtgeschichte präsentiert eine Dauerausstellung und bietet regelmäßige Führungen zu den Wandgemälden Ratgebs an. Ein Audioguide ermöglicht die eigenständige Beschäftigung mit diesem bedeutenden, wenig bekannten Kulturschatz Frankfurts.

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte des Karmeliterklosters und der Kunstdenkmäler finden Sie in:
Evelyn Brockhoff (Hg.): Das Karmeliterkloster in Frankfurt am Main.
Geschichte und Kunstdenkmäler. 2., überarbeite Auflage 2014.