Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Stadtchronik: Vorgeschichte und frühes Mittelalter

Vorgeschichte und frühes Mittelalter

Bandkeramische Funde der Zeit um 5000 vor Christus sind erste Zeugnisse für eine Besiedlung der Mainlandschaften um Frankfurt. Unzweifelhaft nachweisen läßt sich die Anwesenheit von Menschen im Bereich des heutigen Stadtgebiets jedoch erst für die Jungsteinzeit 2000 Jahre später.

Um die Zeitenwende besetzen die Römer auf ihren Eroberungsfeldzügen große Teile Germaniens. Nach einem Kriegszug gegen die Chatten wird 83 n.Chr. auch das Rhein-Main-Gebiet in das römische Weltreich eingegliedert. In Nida-Heddernheim und auf dem Frankfurter Domhügel entstehen ein befestigtes Militärlager und eine Nachschubbasis. Um 110 n.Chr. wird die Garnison von Nida an den Limes (Saalburg) in den Taunus verlegt. An die Stelle des Kastells tritt eine zivile Siedlung. Nida wird Verwaltungsmittelpunkt der „civitas taunensium“.

Römische Münze Römische Münze (Sesterz) mit Bildnis Kaiser Traian, 2. Jh.,
Grabungsfund aus der Frankfurter Altstadt

Im 3. Jahrhundert beginnt der römische Einfluss in Obergermanien zunehmend schwächer zu werden. Nach einer Phase alemannischer Herrschaft siedeln sich um 500 n.Chr. die Franken im Rhein-Main-Gebiet an und schaffen eine Organisation von Gauen, Forsten und Königsländern. In Frankfurt finden sich fränkische Siedlungen auf dem Domhügel und dem Karmeliterhügel. Ortsnamen mit der Endung „-heim“ deuten auf fränkische Gründungen hin.

In einer Urkunde für das Kloster St. Emmeram in Regensburg, die Karl der Große am 22. Februar 794 unterzeichnet, wird Frankfurt erstmals schriftlich erwähnt. Karl verbringt in der Pfalz „Franconofurd“ das Osterfest. Im Juni versammelt er hier geistliche und weltliche Würdenträger zu einer Reichssynode.

822 beruft Kaiser Ludwig der Fromme eine Reichsversammlung nach Frankfurt ein, auf der über die östlichen Teile des Reichs verhandelt wird. Er lässt neue Palastgebäude aufführen, die ausreichend Platz für ihn und sein Gefolge bieten. Das ausgedehnte Königsgut rechts des Rheins, über dessen Umfang das Lorscher Reichsurbar (9. Jh.) Auskunft gibt, sichert die ausreichende Versorgung des karolingischen Hofstaats.

Bei der Teilung des fränkischen Reichs im Vertrag von Verdun erhält Ludwig der Deutsche 843 Ostfranken. Frankfurt wird Hauptsitz seines Reichs („specialis sedes orientalis regis“). 852 weiht Ludwig die Pfalzkapelle zu Ehren des Salvators und gründet ein Stift für zwölf Weltgeistliche. 855 wird Lothar II., ein Neffe Ludwigs, in Frankfurt zum König gewählt (Erste Königswahl). Die Pfalz ist Mittelpunkt eines königlichen Verwaltungsbezirks. Sie liegt verkehrsgünstig am Schnittpunkt mehrerer Straßen und an der Furt durch den Untermain.

Modell im Archäologischen Garten
Modell der karolingischen Pfalz im „Archäologischen Garten“ vor dem Dom

In den folgenden Jahrhunderten bleibt Frankfurt Schauplatz von Reichspolitik und Königswahl, auch wenn die Herrschaftsschwerpunkte nun außerhalb des Rhein-Main-Gebiets liegen. Die deutschen Herrscher halten sich häufig in der Stadt auf. 994 schenkt Otto III. der Salvatorkirche die königlichen Fischereirechte im Main. Frankfurt wird als „Castellum“ bezeichnet und war anscheinend mit Mauern befestigt.

Im 11. Jahrhundert gerät der Ort vorübergehend ins Abseits. Nach einem Brand ist die Pfalz für Repräsentationszwecke nicht mehr geeignet. Die salischen Herrscher jedenfalls suchen sie zwischen 1024 und 1125 nur sechsmal auf.

Begünstigt von den Staufern steigt Frankfurt dann um die Mitte des 12. Jahrhunderts zum Wahlort der deutschen Könige auf. Konrad III., der erste Staufer auf dem Thron, lässt 1138 den königlichen Wirtschaftshof an der Südwestecke der Domhügelsiedlung als Ersatz für die verfallene karolingische Pfalz zu einer Burg ausbauen (Saalhof). Diese wird Teil der städtischen Befestigungsanlage, der Staufenmauer.

Am 4. März 1152 wird Friedrich I. Barbarossa in Frankfurt zum König gewählt. Das Pfalzgelände wird weiter ausgebaut, um mit der Stärkung des Reichsguts der dynastischen Territorialentwicklung entgegenzuwirken. Eine Reichsmünzstätte, die Silbermünzen mit dem Bild des Kaisers prägt, ist 1194 nachgewiesen.

Das Aufblühen des Handels, später dann des Fernhandels führt zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerung und zu einer zunehmenden Differenzierung des Sozialgefüges. Um 1200 zählt Frankfurt modernen Schätzungen zufolge rund 10.000 Einwohner. Ohne dass es einen formalen Akt der Stadtgründung gegeben hätte, ist aus der Siedlung rund um den Dom mittlerweile eine Stadt geworden. Zur Bürgergemeinde gehören in der Stauferzeit neben den Kaufleuten und Reichsministerialen auch noch die Juden und natürlich die Handwerker. Nahezu 60 Berufe lassen sich im 13. Jahrhundert in Frankfurt nachweisen. Im Hoch- und Spätmittelalter fördern insbesondere Friedrich II., Ludwig der Baier und Karl IV. die weitere Entwicklung der Stadt durch zahlreiche Privilegien.

© Helmut Nordmeyer

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