1635 gerät Frankfurt dann in das Kreuzfeuer kaiserlicher und schwedischer
Truppen. Gleichzeitig breiten sich zwischen 1634 und 1636 Seuchen aus. Allein
1636 sterben in der Stadt rund 7.000 Menschen an der Pest, davon die meisten
allerdings hier einquartierte Soldaten und Flüchtlinge aus dem Umland.
Die Gesamtzahl der Einwohner geht von über 20.000 zu Beginn des Kriegs
auf etwa 17.000 im Jahre 1655 zurück. Doch schon um 1700 leben wieder
rund 32.000 Menschen in der Stadt.
Das Geistesleben dieser Zeit wird in hohem Maße von der humanistischen Bildung der Oberschicht und der allgemein tiefen Frömmigkeit
bestimmt. Buchdruck und -handel, die in Frankfurt ein Zentrum haben, tragen zur Verdichtung der bürgerlichen Stadtkultur bei. Obgleich
Frankfurt auf kulturellem und religiösem Gebiet hinter Städten wie Straßburg, Augsburg, Nürnberg und Marburg zurücksteht,
werden die neuen geistigen Strömungen auch hier registriert und rezipiert. Mit dem Elsässer Philipp Jakob Spener, der von
1666 bis 1686 als Senior des Predigerministeriums in der Stadt tätig ist, sind die Anfänge des Pietismus verbunden. Im Bereich des
Buch- und Kunstdrucks macht sich Matthäus Merian einen Namen, der 1624 von Basel nach Frankfurt übersiedelt. Er erhält
1626 das Frankfurter Bürgerrecht. 1712 stellt die Stadt Georg Philipp Telemann als städtischen Musikdirektor und Kapellmeister
an der Barfüßerkirche, später auch als Kapellmeister an der Katharinenkirche an, die 1678/81 als Repräsentationsbau
der lutherischen Frankfurter Bürgerschaft entstanden ist.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zeichnet sich ein neuer Konflikt zwischen dem Rat und Teilen der Bürgerschaft ab, der schließlich
von 1708 bis 1732 in einem Verfassungstreit „Frankfurt gegen Frankfurt“ vor dem Kaiser ausgetragen wird. Erneut geht es um eine größere
Teilhabe der von der politischen Verantwortung weitgehend ausgeschlossenen Handwerker und kleinen Kaufleute an der Stadtregierung. Gegenstand
des Protests sind die Mißwirtschaft des Rats, die hohe Verschuldung der Stadt, die wirtschaftliche Bevorzugung der Juden und die willkürliche
Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie allgemein die Mißachtung des Bürgervertrags von 1613. Eine von Karl VI. eingesetzte Kommision
kommt zu für den Rat vernichtenden Ergebnissen. Zahlreiche kaiserliche Dekrete und Resolutionen tragen dem Begehren der Frankfurter Bürgerschaft
Rechnung und leiten eine Verwaltungsreform ein. Dem Rat werden bürgerliche Kontrollausschüsse an die Seite gestellt, die insbesondere die
städtische Finanzpolitik überwachen sollen. An den grundsätzlichen Machtverhältnissen in der Stadt ändern die Reformen jedoch
nichts. Die maßgebenden politischen Entscheidungen fallen nach wie vor im Rat, in dem auch weiterhin wenige vornehme Familien dominieren.
1676 wird Don Domenico de Brentano di Tremezzo Frankfurter Bürger und gründet
eine Handelsgesellschaft. Fürst Anselm Franz von Thurn und Taxis verlegt
1724 die Hauptverwaltung der Post von Brüssel nach Frankfurt in die Große
Eschenheimer Straße, wo er ein barockes Palais erbaut. Im Haus „Zur Hinterpfann“ in
der Judengasse wird 1744 Meyer Amschel Rothschild geboren, der Begründer
des Bankhauses. 1748 gründen Johann Philipp Bethmann und sein Bruder Simon
Moritz Bethmann das Handelsgeschäft Gebrüder Bethmann, das rasch zu
einem bedeutenden Bankhaus anwächst.
Während Bank- und Handelshäuser in der Stadt Fuß fassen können,
steht der Rat der Ansiedlung von Fabriken und größeren Gewerbebetrieben
ablehnend gegenüber. Die Schnupftabakfabrikanten Bolongaro und Crevenna
ziehen es daher 1771 vor, ein Angebot des Mainzer Erzbischofs anzunehmen und
sich in Höchst niederzulassen. Dort errichten sie 1772/74 den Bolongaropalast,
eine barocke Dreiflügelanlage mit mainseitiger Gartenterrasse.
Zu den verheerenden Ereignissen des 18. Jahrhunderts zählen Brände
und Epidemien. 1711 vernichtet ein Feuer sämtliche Häuser der Judengasse.
Bei einem weiteren Brand werden dort 1721 erneut 110 Häuser zerstört.
1719 brennen in dem Areal zwischen Fahr- und Töngesgasse beim großen „Christenbrand“ rund
400 Häuser nieder. 1709 und 1713 wird die Stadt von der Pest heimgesucht.
1728/33 und 1781/82 fordern Grippeepidemien zahlreiche Opfer. Eine schwere Belastungsprobe
stellen auch der Siebenjährige Krieg (1756-1763) und die damit verbundene
Besetzung der Stadt durch die Franzosen dar.
Nach den Bränden entstehen in der Stadt hunderte von Neubauten. Diese tragen
nicht nur dem Brandschutz Rechnung, sondern auch dem veränderten Zeitgeschmack.
Durch zusätzliche Umbauten erhält Frankfurt bis zum Ende des Jahrhunderts
ein zwar nicht gänzlich neues, aber doch stark verändertes Gesicht.
Dabei verdankt die Stadt den französischen Besatzern die Einführung
von Hausnummern und der Straßenbeleuchtung sowie eine Verbesserung der
Straßenpflasterung.
Auch der kaiserliche Rat Johann Caspar Goethe läßt sein Haus im Großen
Hirschgraben in dieser Zeit umbauen. Am 28. August 1749 mittags 12 Uhr wird ihm
und seiner Ehefrau Catharina Elisabeth geb. Textor ein Sohn Wolfgang geboren.
Seine Kindheit in Frankfurt und die Erfahrungen mit der französischen Besetzung
beschreibt Goethe Jahrzehnte später in „Dichtung und Wahrheit“. Die 1772
auf dem Roßmarkt mit dem Schwert hingerichtete Kindsmörderin Susanne
Margarethe Brand wird zum Vorbild für das Gretchen im „Faust“.
Ein wachsender Bürgersinn läßt seit der Mitte des 18. Jahrhunderts
ein ausgeprägtes Mäzenantentum entstehen. 1763 stiftet der Arzt Johann
Christian Senckenberg sein Vermögen für naturwissenschaftlich-medizinische
Institute und ein Bürgerhospital. Zu den Neuerungen der Zeit gehören
auch bahnbrechende Erfindungen. 1781 wird auf der nach einem Brand neu erbauten
Kirche in Bornheim erstmals in Frankfurt der von Franklin erfundene Blitzableiter
angebracht. 1785 steigt der französische Luftfahrtpionier Jean-Pierre Blanchard
von der Bornheimer Heide mit einem Freiluftballon auf.
Zu den großen gesellschaftlichen Ereignissen des Jahrhunderts zählen
die fünf Kaiser- bzw. Königswahlen von 1711, 1742, 1745, 1764 und 1790
und die anschließenden Krönungsfeierlichkeiten. Infolge der Wirren
des Österreichischen Erbfolgekriegs wird Frankfurt von 1742 an unter dem
Wittelsbacher Kaiser Karl VII. für drei Jahre zur Residenz- und faktischen
Reichshauptstadt.
Im Juli 1792 wird Franz II. als letzter römisch-deutscher Kaiser
in Frankfurt gewählt und gekrönt, bevor die Stadt von Oktober
bis Dezember von französischen Revolutionstruppen besetzt wird.
Weitere französische Besetzungen folgen 1796, 1800 und 1806.
Mit der Errichtung des Rheinbundes unter dem Protektorat Napoleons und dem
Verzicht Kaiser Franz II. auf die Kaiserkrone endet 1806 das Heilige Römische
Reich Deutscher Nation. Frankfurt verliert seinen Status als Reichs-, Wahl-
und Krönungsstadt.
Zuvor sind der Stadt im Reichsdeputationshauptschluss 1803 die Frankfurter
Stifte und Klöster mit sämtlichen Besitzungen zugesprochen worden.
Die nutzlos gewordenen, teilweise verfallenen Festungswerke werden geschleift;
an ihrer Stelle entstehen die Wallanlagen.
Am Ende seiner Zeit als Reichsstadt zählt Frankfurt etwa 35.000 Einwohner.
Von diesen besitzt etwa ein Viertel das Bürgerrecht und hat somit (zumindest
theoretisch) Zugang zu den städtischen Ämtern. Die übrigen, die
sogenannten Beisassen, sind politisch unmündig. Gleiches gilt für die
etwa 6.000 Einwohner der zu Frankfurt gehörenden Dörfer. Auch die rund
3.000 Juden stehen außerhalb der Bürgergemeinde; der Ghettozwang ist
nach wie vor in Kraft.
© Helmut Nordmeyer
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