Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verlagert sich das Zentrum des europäischen Fernhandels infolge der deutschen Ostsiedlung und der zunehmenden wirtschaftlichen Erschließung Osteuropas von der Champagne nach Osten. Die Champagnemessen verlieren an Bedeutung. Zur neuen Drehscheibe des Fernhandels werden die beiden Frankfurter Messen, die alte Herbstmesse und die neue, 1330 von Kaiser Ludwig dem Baiern auch reichsrechtlich sanktionierte Fasten- oder Frühjahrsmesse. Letztere dient insbesondere der Vermarktung von Weinen, Rohstoffen und gewerblichen Produkten. Frankfurt gilt als „Kaufhaus der Deutschen“.
Zur Absicherung der Messen erwirbt Frankfurt im späten Mittelalter zahlreiche Privilegien. 1337 läßt sich die Stadt vom Kaiser zusichern, dass weder Mainz noch einer anderen Stadt Messen verliehen werden, die Frankfurt schädlich sein könnten. 1385 schließt der Rat mit dem Mainzer Erzbischof einen Vertrag über die Sicherung der Straßen rund um Frankfurt. 1360, 1376 und 1465 garantieren kaiserliche Privilegien den Gerichtsschutz der Messebesucher. Gegen eine Abgabe gewährt Papst Sixtus IV. den Frankfurtern und ihren Messegästen 1478 eine Lockerung der Fastengebote.
1485 wird die Buchmesse ein fester Bestandteil der Frankfurter Messe. Bereits um 1500 gilt die Stadt als Zentrum des deutschen und europäischen Buchdrucks. 1596 sind 90 Buchdrucker und Buchhändler auf der Messe vertreten.
Kurz nach 1500 beginnt Leipzig zu einer Konkurrenz für Frankfurt zu werden. Die drei Leipziger Messen, von Kaiser Maximilian 1497 und 1507 mit Privilegien ausgestattet, werden umso bedeutender, je weiter die Ostkolonisation voranschreitet. Frankfurt kann seine Vorrangstellung als Messestadt jedoch trotz größerer Einbußen noch bis Ende des 17. Jahrhunderts halten; erst dann wird es von Leipzig insbesondere im Bereich des Buchhandels überrundet.
1585 lässt sich erstmals eine Börse in Frankfurt nachweisen, als sich bei der Herbstmesse Kaufleute aus Deutschland und angrenzenden Staaten über den Wert verschiedener Münzen vergleichen und um obrigkeitliche Bestätigungen bitten.
Auf der Herbstmesse von 1604 werden ca. 460 Stände gezählt. Händler und Publikum kommen aus aller Herren Länder. Bevorzugte Waren sind neben Büchern vor allem Tuche, Leder und Seidenstoffe, Juwelen und Edelmetalle sowie Manufakturwaren. Es treten professionelle Theatergruppen englischer Komödianten auf. Gaukler, Spielleute und Tänzer sorgen für Amüsement.
Um 1750 nimmt die Einfuhr englischer Manufakturwaren und Produkte aus den englischen Kolonien zu. Der italienische und französische Seidenhandel hingegen geht zugunsten schweizer Leinwand deutlich zurück.
Die Annexion der linksrheinischen Gebiete und die französische Kontinentalsperre führen in der Napoleonischen Zeit zu einem raschen Niedergang der Messe. Ende Oktober 1810 konfisziert die französische Besatzung alle englischen Waren und lässt sie verbrennen.
Mit der Gründung des Deutschen Zollvereins, dem Aufkommen der Handlungsreisenden und der Industrialisierung sinken die Frankfurter Messen seit etwa 1830 nach und nach zu reinen Jahrmärkten (Dippemess) herab.


