Institut für Stadtgeschichte 
Karmeliterkloster, Frankfurt am Main

Stadtchronik: Die Frankfurter Messe

Die Frankfurter Messe

Die Stadtwerdung und der Aufstieg Frankfurts zu einem europäischen Handelszentrum sind eng verknüpft mit der Entwicklung der Frankfurter Messe, die im Talmud-Kommentar des Rabbi Elieser ben Nathan aus Mainz (ca.1090 - 1170) um 1160 erstmals erwähnt wird.

1240 gewährt Kaiser Friedrich II. mit einer Urkunde, die er im Lager bei der Belagerung von Ascoli ausstellt, allen zur Messe nach Frankfurt Reisenden sicheres Geleit. Zu diesem Zeitpunkt hat die Messe lediglich regionale Bedeutung. Sie ist im wesentlichen ein Umschlagplatz für die Naturalprodukte des Frankfurter Umlandes und der Untermainregion. Deshalb findet sie auch am Ende der jährlichen Erntezeit, also im Spätsommer bzw. Herbst statt.

Messeprivileg
Messeprivileg Kaiser Freidrich II., 1240

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verlagert sich das Zentrum des europäischen Fernhandels infolge der deutschen Ostsiedlung und der zunehmenden wirtschaftlichen Erschließung Osteuropas von der Champagne nach Osten. Die Champagnemessen verlieren an Bedeutung. Zur neuen Drehscheibe des Fernhandels werden die beiden Frankfurter Messen, die alte Herbstmesse und die neue, 1330 von Kaiser Ludwig dem Baiern auch reichsrechtlich sanktionierte Fasten- oder Frühjahrsmesse. Letztere dient insbesondere der Vermarktung von Weinen, Rohstoffen und gewerblichen Produkten. Frankfurt gilt als „Kaufhaus der Deutschen“.

Zur Absicherung der Messen erwirbt Frankfurt im späten Mittelalter zahlreiche Privilegien. 1337 läßt sich die Stadt vom Kaiser zusichern, dass weder Mainz noch einer anderen Stadt Messen verliehen werden, die Frankfurt schädlich sein könnten. 1385 schließt der Rat mit dem Mainzer Erzbischof einen Vertrag über die Sicherung der Straßen rund um Frankfurt. 1360, 1376 und 1465 garantieren kaiserliche Privilegien den Gerichtsschutz der Messebesucher. Gegen eine Abgabe gewährt Papst Sixtus IV. den Frankfurtern und ihren Messegästen 1478 eine Lockerung der Fastengebote.

1485 wird die Buchmesse ein fester Bestandteil der Frankfurter Messe. Bereits um 1500 gilt die Stadt als Zentrum des deutschen und europäischen Buchdrucks. 1596 sind 90 Buchdrucker und Buchhändler auf der Messe vertreten.

Kurz nach 1500 beginnt Leipzig zu einer Konkurrenz für Frankfurt zu werden. Die drei Leipziger Messen, von Kaiser Maximilian 1497 und 1507 mit Privilegien ausgestattet, werden umso bedeutender, je weiter die Ostkolonisation voranschreitet. Frankfurt kann seine Vorrangstellung als Messestadt jedoch trotz größerer Einbußen noch bis Ende des 17. Jahrhunderts halten; erst dann wird es von Leipzig insbesondere im Bereich des Buchhandels überrundet.

1585 lässt sich erstmals eine Börse in Frankfurt nachweisen, als sich bei der Herbstmesse Kaufleute aus Deutschland und angrenzenden Staaten über den Wert verschiedener Münzen vergleichen und um obrigkeitliche Bestätigungen bitten.

Auf der Herbstmesse von 1604 werden ca. 460 Stände gezählt. Händler und Publikum kommen aus aller Herren Länder. Bevorzugte Waren sind neben Büchern vor allem Tuche, Leder und Seidenstoffe, Juwelen und Edelmetalle sowie Manufakturwaren. Es treten professionelle Theatergruppen englischer Komödianten auf. Gaukler, Spielleute und Tänzer sorgen für Amüsement.

Um 1750 nimmt die Einfuhr englischer Manufakturwaren und Produkte aus den englischen Kolonien zu. Der italienische und französische Seidenhandel hingegen geht zugunsten schweizer Leinwand deutlich zurück.

Die Annexion der linksrheinischen Gebiete und die französische Kontinentalsperre führen in der Napoleonischen Zeit zu einem raschen Niedergang der Messe. Ende Oktober 1810 konfisziert die französische Besatzung alle englischen Waren und lässt sie verbrennen.

Mit der Gründung des Deutschen Zollvereins, dem Aufkommen der Handlungsreisenden und der Industrialisierung sinken die Frankfurter Messen seit etwa 1830 nach und nach zu reinen Jahrmärkten (Dippemess) herab.

Ausstellungsgelände IEA 1891
Internationale Elektrotechnische Ausstellung 1891
Ansicht des Ausstellungsgeländes im Bereich des heutigen Bahnhofsviertels

Zu Ende des 19. Jahrhunderts kommt es dann zu einer Wiederbelebung des Messe- und Ausstellungswesens. 1891 zieht die Internationale Elektrotechnische Ausstellung zehntausende von Besuchern an. Furore machen 1900 und 1904 auch die ersten Automobilausstellungen in Frankfurt. Der wachsende Ausstellungsbetrieb macht den Bau einer festen Ausstellungshalle notwendig. 1908 wird die von Friedrich von Thiersch entworfene Festhalle nach einer Rekordbauzeit von nur einem Jahr eröffnet, eine Eisenkonstruktion, die immerhin 18.000 Menschen Platz bietet. Im Zusammenhang mit dem Bau der Festhalle kommt es 1907 zur Gründung der Messe- und Ausstellungsgesellschaft.

Ballonstartplatz Messegelände
Internationale Luftschifffahrtsausstellung 1909.
Ballonstartplatz auf dem Messegelände

1909 findet mit der Internationalen Luftschiffahrtsausstellung die letzte große Technikausstellung vor dem Ersten Weltkrieg statt. Hunderttausende von Besuchern haben Gelegenheit, Zeppeline, Ballons und Flugzeuge zu bestaunen. Während des Ersten Weltkriegs setzt der Messebetrieb dann aus.

Nach dem Krieg werden die Internationalen Frankfurter Messen als Mustermessen neu eingerichtet; die erste wird am 1. Oktober 1919 durch Reichspräsident Friedrich Ebert eröffnet. Wegen der Weltwirtschaftskrise werden diese Messen jedoch schon 1930 wieder aufgegeben. Bis zum Zweiten Weltkrieg finden dann nur noch Fachmessen für bestimmte Branchen statt.

Im Herbst 1948 findet die erste Nachkriegsmesse in Zelten, Baracken und provisorischen Hallen statt. Seitdem werden wieder regelmässig Frühjahrs- und Herbstmessen in Frankfurt abgehalten. In der Paulskirche wird 1949 die erste Buchmesse nach dem Kriege veranstaltet. Sie entwickelt sich in den nächsten Jahren, nun auf dem Messegelände, zur wichtigsten alljährlichen Begegnung der internationalen Literaturwelt.

© Helmut Nordmeyer

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