
Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Paulskirche am 18. März 1947
Aus der ersten Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg geht die SPD als stärkste Fraktion hervor: 39,9% SPD, 33,6% CDU, 11,6% KPD, 1,3% LPD. Am 21. Juni 1946 tritt die erste frei und demokratisch gewählte Stadtverordnetenversammlung seit Beginn der Naziherrschaft im großen Sitzungssaal des Polizeipräsidiums zusammen. Sie wählt am 25. Juli den Oberstadtdirektor von Düsseldorf, Walter Kolb, zum Oberbürgermeister, der am 1. August 1946 in der Aula der Universität in sein Amt eingeführt wird.
1947 wird Frankfurt Sitz des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, der übergeordneten Verwaltung der amerikanischen und britischen Zone (Bizone). Der im Juni gebildete Wirtschafts- und Exekutivrat aus Vertretern der Länder tagt in Frankfurt. 1948 schließt sich die französische Zone an (Trizone).

Am 18. Mai 1948 findet in der wiederaufgebauten Paulskirche die Jahrhundertfeier der Nationalversammlung statt. Fritz von Unruh hält seine „Rede an die Deutschen“ mit einer kritischen Analyse der NS-Zeit. Der Wiederaufbau der Paulskirche wurde als wichtigste Kulturaufgabe angesehen. Sie gilt hinfort als Symbol für Demokratie und Freiheit und als Traditionsstätte des deutschen Parlamentarismus.
1949 wird Frankfurt Zeitungsstadt: Nachdem bereits seit August 1945 die Frankfurter Rundschau als erste deutsche Tageszeitung erscheint, kommt nun am 1. November die erste Nummer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heraus.
Die frühe Nachkriegszeit steht ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. 1951 beschließt das Stadtparlament den Aufbau der Innenstadt in städtischer Regie durch die Frankfurter Aufbau AG und legt den Fluchtlinienplan des Altstadtkerns fest. Die letzten vom Krieg verursachten Baulücken werden erst in den 80er-Jahren.
1956 wird das auf den Trümmern des Palais Thurn und Taxis errichtete 70 m hohe Fernmeldehochhaus seiner Bestimmung übergeben. Am Großen Kornmarkt hinter der Katharinenkirche wird mit dem Parkhaus Hauptwache, entworfen von M. Meik und H. Romeick, Deutschlands erstes öffentliches Parkhaus in Betrieb genommen. Das Zürich-Haus am Opernplatz, in Aluminium und Glas von Udo von Schauroth und Werner Stücheli entworfen, kann 1961 als eines der ersten Hochhäuser Frankfurts bezogen werden. Im gleichen Jahr wird der Henningerturm am Sachsenhäuser Berg, ein 120 m hohen Getreidespeicher mit Aussichtsrestaurant, eröffnet.

Die Inbetriebnahme der ersten Frankfurter U-Bahnstrecke von der Hauptwache zur Nordweststadt markiert 1968 einen neuen Abschnitt in der städtischen Verkehrsentwicklung. Weitere U-Bahnlinien folgen und durchziehen sternförmig das Stadtgebiet. 1993 beträgt die Linienlänge der U-Bahn 81,1 km, der Straßenbahn 99,7 km und der Busse 448 km. Trotz des guten Angebots an öffentlichen Verkehrsmitteln nimmt auch der Individualverkehr ständig zu. Am 1. Januar 1993 sind in Frankfurt 334.935 Kraftfahrzeuge zugelassen.
Der Frankfurter Flughafen stellt eine der Drehscheiben des internationalen Luftverkehrs dar. Der Terminal Mitte des Flughafens wird 1972 eingeweiht. Die Anlage ist für die Abfertigung von 30 Millionen Fluggästen im Jahr gebaut und kann 36 Jets gleichzeitig aufnehmen. Am 12. April 1984 wird die Startbahn West erstmals benutzt, vor und bei deren Bau es zu äußerst heftigen Demonstrationen gekommen ist. 1992 verzeichnet der Flughafen 340.468 Starts und Landungen und 30.758.852 Fluggäste. 1998 werden rund 43 Millionen Passagiere gezählt. Die Zunahme des Fluggast- und Frachtaufkommens macht in den 90er Jahren einen weiteren Ausbau des Flughafens nötig. 1994 wird der Terminal 2 fertiggestellt. Im gleichen Jahr wird auf einem Teil der vormaligen Rhein Main Air Base mit dem Bau der Cargo City Süd begonnen. Für die nächsten Jahre ist der Bau einer weiteren Startbahn geplant.
Die Einwohnerzahl steigt in den ersten Jahren nach dem Krieg rasch an. Bereits 1949 leben in Frankfurt wieder 500.000 Menschen. Von 1956 bis 1961 steigt die Einwohnerzahl von 623.172 auf 683.081 und erreicht damit den höchsten Stand in der Geschichte der Stadt. 1972 werden im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinden Nieder-Erlenbach, Kalbach, Harheim und Nieder-Eschbach mit 30 qkm und 16.000 Einwohnern eingemeindet. Trotz dieses Zuwachses an Menschen ist die Gesamteinwohnerzahl Frankfurts in diesen Jahren leicht rückläufig und fällt bis 1982 auf 621.347. Zehn Jahre später hat die Stadt 660.492 Einwohner, davon 321.298 männliche und 339.194 weibliche sowie 183.779 Ausländer und 476.713 Deutsche. Seit Mitte der 90er Jahre hat sich die Zahl der Einwohner bei rund 650.000 eingependelt. 1987 werden in Frankfurt 283.451 Einpendler und 31.329 Auspendler gezählt. In 35.457 Arbeitsstätten arbeiten 558.457 Beschäftigte, davon 99.669 in der Industrie (1992: 94.442). Für 1996 wird die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 458.454 angegeben.
Seit 1960 schließt Frankfurt mehrere Städtepartnerschaften [Lyon (1960), Birmingham (1966), Mailand (1970), Kairo (1979), Tel-Aviv (1980), Guangzhou (1988), Toronto (1989), Budapest (1990), Prag (1990), Krakau (1991), Granada/Nicaragua (1991) und trägt damit seiner gewachsenen internationalen Bedeutung Rechnung.
Bei der Kommunalwahl 1977 erringt die CDU 1977 die absolute Mehrheit (50 Sitze im Stadtparlament bei 38 Sitzen für die SPD und 5 für die FDP). Walter Wallmann wird Oberbürgermeister. Hilmar Hoffmann (SPD), seit 1972 Kulturdezernent der Stadt, gewinnt in Wallmann einen Anhänger seines „Jahrhundertprojekts“, des Frankfurter Museumsufers. Mit dem Deutschen Architekturmuseum (1984), dem Filmmuseum (1984), dem Museum für Kunsthandwerk (1985), der Kunsthalle Schirn (1986), dem Jüdischen Museum (1988), dem Museum für Vor- und Frühgeschichte (1989) sowie dem Anbau des Städels (1991) und dem Museum für Moderne Kunst (1991) entstehen Glanzstücke bürgerlicher Repräsentationskultur. Die Museen beiderseits des Mains werden seit 1991 durch eine neue Fußgängerbrücke, den Holbeinsteg, verbunden. Daneben können 1983 die in historischen Formen wiederaufgebauten Häuser an der Ostseite des Römerbergs und das Haus „Zum schwarzen Stern“ eingeweiht werden.
© Helmut Nordmeyer