Goldene Bulle

Digitales aus dem Mittelalter. Das Frankfurter UNESCO-Weltdokumentenerbe „Goldene Bulle“ wird multimedial präsentiert

© Institut für Stadtgeschichte, Leonie Biagioni; Foto: Jutta Zwilling

Seit dem Jahr 2013 ist mit der Goldenen Bulle Kaiser Karls IV. (1356) das zentrale Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen. Damit war die Verpflichtung verbunden, solche herausragenden historischen und kulturellen Quellen der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen. Im Foyer des Instituts für Stadtgeschichte ist nun die Goldene Bulle per Medienstation multimedial zu erleben.


Die 1356 verkündete, 86 Seiten umfassende Goldene Bulle regelte das Verfahren der deutschen Königswahl durch die Kurfürsten bis zum Jahr 1806. Ihr Name leitet sich von dem goldenen Siegel Kaiser Karls IV. ab (lat. bulla = Siegel). Die Goldene Bulle schützte die Souveränität der Kurfürsten und ihrer Territorien, wodurch sich statt zentralstaatlicher föderale Strukturen auf Jahrhunderte – bis hin zu den heutigen Bundesländern – entwickelten und etablierten. Frankfurts gewohnheitsrechtlich entstandener Status als Wahlort der römisch-deutschen Könige wurde in der Goldenen Bulle verfassungsrechtlich festgeschrieben.

YouTube-Video

Die multimediale Präsentation erlaubt nicht nur das Blättern im hochwertig digitalisierten Original, sondern auch die genau angepasste oder vergleichende Lektüre unterschiedlicher Fassungen (lateinischer Text, mittelalterliche und moderne deutsche Übersetzung). Zudem enthält die digitale Edition zahlreiche Erläuterungen zum Inhalt der Urkunde, zu deren Siegel, zur Rezeption des Frankfurter Exemplars in der Literatur und zum UNESCO-Programm „Memory of the World“.


© Institut für Stadtgeschichte, Michael Matthäus; Foto: Jutta Zwilling© Institut für Stadtgeschichte, Michael Matthäus; Foto: Jutta Zwilling

Damit verfügt das Institut für Stadtgeschichte über das aktuell modernste und sicherlich ansprechendste multimediale Angebot zur Goldenen Bulle (weitere Exemplare, die auch zum Weltdokumentenerbe zählen, liegen in Darmstadt, München, Nürnberg, Stuttgart und Wien (Österreichische Nationalbibliothek; Österreichisches Staatsarchiv: Link 1, Link 2). Eine Internetversion der digitalen Präsentation befindet sich in Planung.